Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Dezember 2019


Netz schützt vor unerwünschter Bestäubung

Ausgabe Nummer 31 (2019)

Saatgutvermehrung von Sonnenblumen für Kerne

Südlich von Benken blüht in diesen Tagen ein ganz besonderes Sonnenblumenfeld. Es handelt sich dabei um Pflanzen, welche für die Saatgutvermehrung von der Sativa kultiviert werden.

Aktuell sticht unterhalb von Benken südwestlich der Autobahnausfahrt ein ganz spezielles, von Weiterem sehr bunt wirkendes Sonnenblumenfeld ins Auge. Die einzelnen Sonnenblumen sind auch nicht gleich hoch. Es handelt sich dabei um Sonnenblumenarten, welche für die Saatgutvermehrung für die Sonnenblumenkernenproduktion vom Rheinauer Saatgutproduzenten Sativa angebaut wurden. Für das bunte Erscheinungsbild sorgen die verschieden farbigen Säcke, welche über die Blüten gestülpt sind. Damit wird verhindert, dass es durch Insekten zu Kreuzungen mit anderen Sonnenblumenarten kommt. Die Sonnenblume, welche grundsätzlich als Zwitter über beide Samenanlagen verfügt, benötigt für die Bestäubung eigentlich keine Fremdpollen von anderen Sonnenblumenblüten. Zwitterblüten als zweigeschlechtliche Blüten besitzen in einer Blüte weibliche Frucht- und männliche Staubblätter. Werden diese aber von Insekten und insbesondere Bienen von anderen Sonnenblumen auf die Blüte getragen, so kann es infolge anderen Erbmaterials zu Kreuzungen kommen, welche in der Saatgutproduktion nicht geduldet werden können. Wohl behält das aus der Befruchtung entstandene Korn oder der Kern seine Eigenschaften. Setzt man es aber als Saatkorn für eine Pflanze ein, so kann es durchaus sein, dass diese nicht mehr die gleichen Eigenschaften haben.

In Säcken eingepackt
Um auf natürliche Art und Weise nur absolut homogenes Saatgut zu erhalten, wird nach einer Vorselektion jeder Blütenkorb mit einem sehr feinmaschigen Sack in Weiss, Grün oder Rosa sorgfältig eingepackt und so verschnürt, dass keine Insekten von aussen eindringen können. Damit wird sichergestellt, dass keine fremden Blütenpollen auf die Blüte gelangen und so einzelne Kerne befruchten können. Um die Befruchtung trotzdem optimal unter dem Sack zu fördern, ist eine Mitarbeiterin damit beschäftigt, zu jedem Sack Fliegenlarven beizugegeben. Die geschlüpften Fliegen sorgen dann mit ihrer regen Tätigkeit unter dem Sack auf der Blüte dafür, dass eine optimale Bestäubung und somit Befruchtung erfolgt. Somit ist absolut gewährleistet, dass das Saatgut seine genetischen Eigenschaften behält und nicht mit Pollen von anderen Sonnenblumentypen und -arten andere Erbeigenschaften erhält.


Text und Bilder: Roland Müller




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