Ausgabe Nummer 26 (2009)
Neue Kulturen blühen auf den Biofeldern
Der Anbau von Rispenhirse Panicum miliaceum L. war bei uns bis Anfang des 19. Jahrhunderts weit verbreitet. Obwohl diese Kultur viele gute agronomische Eigenschaften und interessante Inhaltsstoffe besitzt, wurde sie vor rund 200 Jahren von Weizen und Kartoffeln verdrängt.
Die Saat dieser wärmebedürftigen Sommerkultur sollte Mitte Mai stattfinden. Danach wachsen die Pflanzen relativ langsam, weil sie unterirdisch zuerst das Wurzelwachstum vorantreiben. Bis zum Vierbis Fünfblattstadium sind die Pflanzen deshalb relativ empfindlich auf Störungen im Wurzelbereich, was die Unkrautbekämpfung zu einer Herausforderung macht. Hacken und Striegeln sind erst in diesem Zeitpunkt möglich, weil in einem früheren Stadium zu viele Pflanzen ausgerissen würden. Im Juni und Juli wachsen die Pflanzen zügig voran. Vor allem wenn die Wärme da ist, entsteht ein üppiger Bestand. Mitte Juli sind die Pflanzen rund einen Meter hoch und bilden einseitig hängende Rispen, woran sich unscheinbar die braunen Körner entwickeln. Ab Mitte August kann die Kultur mit einem normalen Mähdrescher geerntet werden. Unter Bio können Erträge von 20 bis 30 kg/a erwartet werden. Das Erntegut muss normalerweise auf 13 Prozent heruntergetrocknet werden. Abnehmer ist die Biofarm in Kleindietwil, welche die Rohhirse entspelzt und als ganze Körner oder als Flocken in den Handel bringt. Die Genossenschaft zahlt einen Produzentenpreis von Fr. 143.–/100 kg. Seit 2008 wird der Extensobeitrag von Fr. 400.– ausbezahlt. Letztes Jahr haben 15 Betriebe auf 19 Hektaren Hirse angebaut; der Durchschnittsertrag lag bei 25 kg/a. Dieses Jahr bauen 14 Landwirte auf rund 18 Hektaren an. Laut Biofarm liegt das Produktionspotenzial zwischen 30 bis 50 Hektaren.
Der «sehr nützliche Lein»
Lein ist ebenfalls eine sehr alte, in Vergessenheit geratene Kulturpflanze. Linum usitatissimum, der lateinische Name, bedeutet übersetzt der «sehr nützliche Lein». In der Tat kann Lein auf sehr vielfältige Art und Weise genutzt werden. Früher wurden bei uns die langen Fasern zu Stoff für Kleider und Bettzeug aufbereitet und aus den Leinsamen wurde Öl gepresst. Die Samen werden Ende März oder im Verlauf des Aprils gesät. Danach kommen feine, zarte Pflänzchen hervor, die ab einer Höhe von rund 5 cm gegen das Unkraut gehackt oder gestriegelt werden können. Ende Mai, Anfang Juni ist der Lein rund 50 cm hoch und beginnt mit der Blüte. Von einer Fahrt ins Blaue sprach man früher, wenn man die wunderschön blühenden Leinfelder besuchen gegangen ist. Im Anschluss an die Blüte findet die Kapselbildung statt, worin sich die Leinsamen entwickeln. Die Abreife geht bis in den August, so dass ab Mitte des Monats mit der Ernte begonnen werden kann. Sehr wichtig ist ein neues oder frisch geschliffenes Messer am Mähdrescher, da die Stängel auf Schnitthöhe noch grün und zäh sind, so dass Ernteprobleme entstehen können, wenn das Messer stumpf ist. Es können Erträge bis zu 15 kg/a erwartet werden. Die Biofarm lässt Lein für die Speiseölgewinnung anbauen und zahlt einen Produzentenpreis von Fr. 240.–/100 kg. Letztes Jahr haben sieben Betriebe auf rund sieben Hektaren Lein angebaut; der Durchschnittsertrag lag bei rund 12 kg/a. Dieses Jahr bauen zehn Landwirte auf rund 15 Hektaren an. Das Produktionspotenzial liegt ungefähr bei 25 Hektaren.
Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Clay Humphrys
