Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Neue Regelung bei der Wildschadenvergütung

Ausgabe Nummer 5 (2015)

Wildschäden werden gemäss den jagdrechtlichen Bestimmungen des Bundes und des Kantons Thurgau vergütet. Der Kanton legt fest, ab welcher Schadenhöhe ein Schadenfall entschädigungsberechtigt ist. Im Zuge der Leistungsüberprüfung in der kantonalen Verwaltung hat der Regierungsrat neu die Höhe des Bagatellschadens auf 200 Franken pro Schadenfall festgelegt. Die neue Praxis der Wildschadenvergütung tritt per 1. April 2015 in Kraft.

Im Kanton Thurgau werden pro Jahr durchschnittlich 750 durch Wildtiere verursachte Schadenfälle mit Kosten von rund 410 000 Franken verzeichnet. Der Gesetzgeber nimmt auf die Situation der Geschädigten Rücksicht, indem er festgelegt hat, dass Wildschäden an landwirtschaftlichen Kulturen, Wald und Nutztieren angemessen entschädigt werden. Gleichzeitig verlangt er von den Grundbesitzern eine Mitbeteiligung bei der Verhütung von Schäden, indem diese zumutbare Massnahmen zum Schutz ihrer Kulturen und ihrem Wald treffen müssen. Ebenso muss ein minimaler Betrag durch den Geschädigten im Sinne eines Bagatellschadenfalls selbst getragen werden. Seit Jahrzehnten liegt die Höhe des Bagatellschadens im Kanton Thurgau bei 100 Franken. Im Rahmen der Leistungsüberprüfung in der kantonalen Verwaltung mit einem langfristigen Sparpaket von insgesamt rund 48 Millionen Franken hat der Regierungsrat die Höhe des Bagatellschadens auf 200 Franken erhöht. Ab 1. April 2015 werden deshalb keine Wildschäden mehr unter 200 Franken entschädigt. Übersteigt die Schadenhöhe die Grenze von 200 Franken, wird der gesamte Betrag vergütet. Wie bisher werden die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen gemäss den Ansätzen des Schweizer Bauernverbandes abgerechnet. Die neue Vergütungspraxis hat die Jagd- und Fischereiverwaltung für die drei im Kanton Thurgau relevanten Wildarten Wildschwein, Krähen und Biber in drei verschiedenen Merkblättern festgehalten.

Durch Wildschweine verursachte Schäden
Mit zirka 92 Prozent werden weitaus die meisten Wildschäden durch Wildschweine verursacht. So betrug die Schadenhöhe für Wildschweinschäden vom 1. April bis 31. Dezember 2014 rund 354 000 Franken. Die Jagdpächter müssen davon 15 Prozent bezahlen. Von den Jagdberechtigten wurden in diesem Zeitraum 401 Wildschweine erlegt und 50 Wildschweine als Fallwild gemeldet (hauptsächlich Unfälle im Strassen- und Bahnverkehr). Mit der nachhaltigen und intensiven Bejagung der Wildschweine leistet die Jagd ihren Beitrag zur Schadenverhütung. Zur Schadenverhütung ist jedoch auch die Mithilfe der Landwirte erforderlich. Zwar wird das Einzäunen der landwirtschaftlichen Kulturen gegen Wildschweinschäden seit Mitte der 1990er-Jahre nicht mehr als zumutbare Massnahme betrachtet und deshalb werden seit diesem Zeitpunkt Wildschweinschäden auch in nicht eingezäunten Kulturen voll entschädigt. Trotzdem gibt es immer noch zumutbare Massnahmen, die zur Schadenminderung getroffen werden sollen. Als Beispiel sei erwähnt, dass das Entfernen von grösseren Ernterückständen vor der Bodenbearbeitung mit relativ geringem und erträglichem Aufwand durchaus zumutbar ist. Und: Grössere Mengen an Ernterückständen, gerade beim Mais, die untergepflügt werden, provozieren in der Regel mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Wildschweinschaden! Dies gilt es im Interesse aller Beteiligten möglichst zu vermeiden. Viele weitere Hinweise, wie die Landwirtschaft und die Jagd zur Schadenverhütung mithelfen können, hat die Jagd- und Fischereiverwaltung im Informationsblatt «Das Wildschwein im Kanton Thurgau» zusammengestellt.

Auch Krähen verursachen Schäden
Die von Krähen verursachten Schäden machen rund 5 Prozent an der Gesamtschadensumme aus. Vom 1. April bis 31. Dezember 2014 betrug die Schadenhöhe 18 000 Franken (davon 10 Prozent Anteil der Jagdpächter). Die meisten Krähenschäden entstehen bei der Ansaat von Mais, in Gemüsekulturen und mit zunehmender Tendenz durch Anpicken der Früchte in Obstkulturen. Krähenschäden zu verhindern, ist kein einfaches Unterfangen. Da kann auch die Jagd nur einen geringen Beitrag leisten. Für den Grundeigentümer besteht jedoch bei Krähenschäden, im Gegensatz zu solchen bei Wildschweinen und Bibern, die Möglichkeit, vom Selbsthilferecht Gebrauch zu machen, und selbst, vor allem nach der Ansaat von Mais, vereinzelte Vertreibungsabschüsse zu tätigen. Dabei ist zu beachten, dass der Abschuss von Einzelvögeln – in der Regel handelt es sich dabei um brütende Paare – vom 16. Februar bis 31. Juli (Schonzeit für Brutpaare) nicht erlaubt und auch kontraproduktiv ist. Brütende Krähen leben nämlich territorial und vertreiben die nicht brütenden Artgenossen, die als Schwärme auftreten und für die meisten Schäden verantwortlich sind. Gute Erfolge zur Schadenverhütung können auch durch die Simulation eines Krähenrupfs (von einem Greifvogel getötete und genutzte Krähe) erzielt werden, in dem auf dem Feld Krähenfedern kreisförmig in den Boden gesteckt werden. Auf das Aufhängen von toten Krähen ist jedoch zu verzichten. Bei regelmässigen Schäden in Obstkulturen ist zum Beispiel die zeitweise Verwendung eines Vogelschrecks zu empfehlen.

Der Biber, auch ein Schadenverursacher
Biber verursachen durchschnittlich nur zirka 3 Prozent der Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Wald. Am häufigsten betroffenen sind Zuckerrüben und Mais. Vom 1. April bis 31. Dezember 2014 betrugen die Aufwendungen für Biberschäden an landwirtschaftlichen Kulturen rund 9500 Franken und für Schäden an Wald/Obstbäumen zirka 3700 Franken (Kanton und Bund bezahlen je 50 Prozent). Die Entschädigung an landwirtschaftlichen Kulturen erfolgt wie bei anderen Tierarten gemäss den Ansätzen des Schweizer Bauernverbandes. Neu werden künftig die Schäden an Wald je nach Altersstufe des geschädigten Bestandes unter Berücksichtigung des Holzwertes und des Ertragsausfalls geschätzt. Dadurch kann gerade für Jungwaldbestände, in die bereits ein hoher Pflegeaufwand investiert wurde, eine angemessenere Entschädigung erzielt werden. Wie bei anderen Tierarten bestehen auch beim Biber verschiedene Möglichkeiten, Schäden zu verhindern, beziehnungsweise zu vermindern. Die dazu geeigneten Massnahmen zeigt der Flyer «Der Biber im Kanton Thurgau» auf.

Wer leistet Beiträge an Wildschäden und Wildschadenverhütungsmassnahmen?
Der Kanton haftet für Wildschäden, die durch geschützte Tiere wie Biber und Luchse oder durch Hirsche, Wildschweine, Krähen und Gemsen verursacht werden. Für Verhütungsmassnahmen bei diesen Tierarten werden jedoch keine Entschädigungen ausgerichtet. Wildschäden, die durch Rehe verursacht werden, müssen durch die Jagdgesellschaften entschädigt werden. An notwendigen und zweckmässigen Wildschadenverhütungsmassnahmen gegen Rehschäden richten die politischen Gemeinden Beiträge aus. Keine Entschädigungen erfolgen für Schäden, die von Fuchs, Feldhase oder Greifvögeln verursacht werden.


Jagd- und Fischereiverwaltung,
Roman Kistler













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