Ausgabe Nummer 47 (2010)

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Neue Technologie bewährt sich

Volg-Weinkellereien automatisierte Traubenannahme

In den Volg-Weinkellereien ist die gesamte Traubenannahme erneuert worden. Einige Arbeitsabläufe sind völlig automatisiert und das Wägen des Zuckergehaltes erfolgt automatisch.

In den Volg-Weinkellereien in Winterthur hat ein neues Zeitalter bei der Traubenannahme begonnen. Die dabei eingesetzte Technologie, welche in der Ostschweiz fast als revolutionär bezeichnet werden kann, ist aber nichts Neues. In der Westschweiz oder auch im süddeutschen Raum sind solche automatisierten Anlagen für die Traubenannahme vielerorts seit Jahrzehnten anzutreffen. Trotzdem kann der Schritt der Winterthurer Weinkellerei durchaus als sehr grundlegend bezeichnet werden, indem alles von den Gebinden für die Traubenanlieferung, die eigentliche Weinlesekontrolle und auch interne Betriebsabläufe beim Erfassen der Daten der Trauben an das neue System angepasst werden musste. «Verschiedene Gründe haben uns dazu bewegt, die ganze Traubenannahme neu zu planen», betonte Urs Schweingruber von den Volg- Weinkellereien. Einerseits kamen die seit Anfang der Siebzigerjahre eingesetzten über 1000 runden Kunststoffstanden in ein gewisses Ersatzalter. Zudem waren auch die Annahmeanlagen mit Waage, Leeren der Standen sowie Reinigung der Standen veraltet, und es war ein enormer Personalbedarf für das Abladen nötig. Zudem erwiesen sich die alten, runden Standen in der Transportlogistik als nicht befriedigend. Deshalb entschied man sich in Winterthur für das neue automatisierte System.
Diesen Herbst herrschte in der grossen Annahmehalle reger Betrieb. Blauburgunder-, Chardonnay- und Gamerettrauben werden aus dem Weinland wie auch aus Schaffhausen in den neuen, grauen, rechteckigen Kunststoffboxen mit geschlossenen Lastzügen angeliefert und abgeladen. Der Staplerfahrer stellt dabei die mit den Trauben gefüllten Kisten auf das grosse Fördersystem der neuen Traubenannahmeanlage. Danach übernimmt die Technik das Zepter. Jedes einzelne Gebinde wird auf der Rollbahn der Waage zugeführt und gewogen. Gleichzeitig werden von der auf der Kiste vom Traubenproduzenten aufgeklebten Deklaration die Daten erfasst. Der Name des Produzenten, die Herkunft, die Sorte und die Verwendungsart können dabei abgelesen werden. Die entsprechenden Daten fliessen in den Computer, welcher zugleich auch das Gewicht wie auch die anschliessende Öchslewägung erfasst. «Um eine absolute Sicherheit zu erhalten, setzen wir  aber auch noch die traditionellen Lieferscheine ein», betont Schweingruber. Jene Person, welche diesen Teil der Annahme überwacht, trägt auf dem entsprechenden Transportschein von Hand das Gewicht und die Öchslegrade ein, so dass bei einer technischen Störung die Daten dennoch vorhanden sind.

Automatisierter Öchslewäger
Kernstück der neuen Anlage stellt die automatisierte Wägung des Zuckergehaltes der angelieferten Trauben dar. Dabei sticht das Gerät mehrmals in die angelieferte Stande. Der dabei bei der Bohrung gepresste Saft wird durch ein modernes Messgerät gepumpt, wo der Zuckerwert technisch gleich analog zum Refraktometer gemessen wird. Diese Messungen sind äusserst genau, wie erste Kontrollen zeigen. Danach rollt die Boxe bis zur Station der Leerung weiter. Langsam wird dabei die Kiste gedreht und die Trauben in den grossen Trichter der Traubenmühle geleert. Danach rollt sie weiter, wird automatisch gereinigt und gestapelt. Nun ist wieder Handarbeit gefragt, indem mit dem Palettrolli die Boxen für den Verlad bereit gestellt werden. «Wir dürfen, abgesehen von kleineren Kinderkrankheiten sowie einigen Störungen, eine gute Startphase verzeichnen», betonte Urs Schweingruber. Zufrieden zeigte er sich auch über die gesteckten Ziele und Erwartungen in die neue Anlage. Für die Traubenannahme können vier Mitarbeiter ersetzt werden. Zudem erweist sich auch die neue Transportinfrastruktur mit den neuen Standen als positiv, indem die Lastwagen optimaler beladen werden können. «Wir können bis zu zwei Lastenzüge einsparen », betonte Schweingruber. Gefordert sind aber auch die Chauffeure respektive die Landis beim Beladen der Lastwagen. Lob spricht Schweingruber auch für die Traubenproduzenten aus. Diese haben das neue System grösstenteils gut aufgenommen und beschriften die Boxen mit den ihnen zugestellten Etiketten perfekt.

Roland Müller