Ausgabe Nummer 7 (2010)

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Neue VTL-Kommissionen stellen sich vor: Kommission Berufsbildung

Derzeit werden schweizweit pro Jahr 800 bis 900 neue Landwirte und Landwirtinnen ausgebildet, davon 45 bis 60 im Thurgau. Der Bedarf ist jedoch deutlich höher. Auch wenn es einmal in der Schweiz nur noch 40 000 Betriebe geben sollte, würden jährlich doppelt so viele neue Betriebsleiter benötigt. Die Berufsbildungskommission des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft setzt sich für alle Fragen rund um die Berufsbildung in der Landwirtschaft ein.

 

Gesetzgebung und Aufgaben

Das Berufsbildungsgesetz im Bereich der Landwirtschaft war bis vor Inkrafttreten des neuen Berufsbildungsgesetzes eidgenössisch geregelt, aber stark kantonal geprägt. Die Reglemente wurden von der Berufsorganisation im Auftrag der Kantone erarbeitet und vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) respektive später vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) erlassen. Die Kantonalisierung führte dazu, dass die landwirtschaftliche Bildung dezentralisiert und vielfältig war. Nach dem neuen Berufsbildungsgesetz, das seit 2002 in Kraft ist, ist die Bildung eine Verbundsaufgabe zwischen Bund, Kanton und Berufsorganisation. Die Berufsverbände organisieren sich in der Organisation der Arbeitswelt (OdA). Diejenige der Landwirtschaft nennt sich AgriAliForm. Folgende Branchen der Landwirtschaft sind daran beteiligt
– Schweizerischer Bauernverband (SBV)
– AGORA
– Bio Suisse
– Schweizerischer Weinbauverband
– Schweizerische Vereinigung Weinhandel
– Verband Schweizer Gemüseproduzenten
– Schweizerischer Obstverband
– Aviforum Geflügelproduzenten
Die AgriAliForm arbeitet eng mit den Berufsorganisationen zusammen, im Thurgau mit dem Verband Thurgauer Landwirtschaft. Die Aufgaben, welche der Verband für die Berufsbildung wahrnimmt, werden von der Berufsbildungskommission des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft umgesetzt. Zu den wichtigsten Aufgaben der Berufsbildungskommission gehören:
– die Ausgestaltung der Berufsbildung
– die Organisation der überbetrieblichen Kurse
– die Nachwuchsförderung und die dafür nötige Werbung
– die Vertretung der Interessen in kantonalen und nationalen Gremien

 

Ausgestaltung der Berufsbildung

Aufgrund der neuen Bildungsverordnung muss die Landwirtschaftsausbildung in der gesamten Schweiz neu ausgestaltet werden. Gemeinsam mit den Verantwortlichen des BBZ Arenenberg wird derzeit das im Jahr 2002 entwickelte «Thurgauer Modell» den neuen Rechtsgrundlagen angepasst. Damit ist unter anderem der Lehrstellenwechsel über die Kantonsgrenzen in den beiden ersten Lehrjahren möglich.

 

Überbetriebliche Kurse

Die für die Branche neue und nicht einfache Aufgabe ÜK‘s zu verschiedenen Themen auf die Beine zu stellen, hat die ÜK-Kommission der BBK VTL unter der Leitung von Hans Knus bezüglich Ausgestaltung der Themen und Wahl der Lernorte mit viel Einsatz und Erfolg gemeistert. Die Kurse werden ab diesem Jahr für Lernende im ersten und im zweiten Lehrjahr weitergeführt.

 

Nachwuchsförderung und Medienarbeit

Die Werbung für die Berufslehre haben wir auf drei Pfeilern aufgebaut:
– Verteilen von Flyern an Schulen und Berufsberatungen
– Auftritt an der OBA in St. Gallen
– Berufsinformationsveranstaltung im November am BBZ Arenenberg

 An der OBA in St. Gallen, welche fünf Tage dauert, treten wir mit unseren St. Galler Kollegen zusammen auf. Die Veranstaltung ist gut besucht, die Vorbereitung der Schüler ist je nach Lehrperson sehr unterschiedlich und dementsprechend auch das Interesse. Aber über das Ganze gesehen ist es eine gute Plattform, um für unseren Beruf zu werben. Allerdings fordert dieser Auftritt von den Kommissionsmitgliedern bezüglich Organisation, Vorbereitung, Standbetreuung und Finanzen einiges.

 

Berufsinformation

Im November haben wir die traditionelle Berufsinformation am BBZ Arenenberg durchgeführt. Diesen Anlass haben wir im Vorfeld mit Inseraten in der Presse beworben, und es sind auch Berichte vom Anlass selbst in der landwirtschaftlichen Presse erschienen. Mit einem Besucheraufmarsch von 130 bis 150 Personen war dieser Anlass erfolgreich.

 

Medien

Zu den Aufgaben der Kommission gehören auch der Umgang mit Medien in Berufsbildungsfragen und der Auftritt zum Thema «Berufs- und Weiterbildung in der Landwirtschaft» in den Medien. Dies ist eine Daueraufgabe. Beispielsweise organisierte im Herbst 2009 die Berufsbildungskommission anlässlich der ÜK-Tage in der Kartause Ittingen eine breit abgestützte Medienorientierung zur Berufsbildung in der Landwirtschaft. Es wurde die Neuorganisation der Berufsbildung durch die Branche, die neu aufgebauten ÜK und Aktuelles aus dem BBZ Arenenberg vorgestellt. Die Orientierung wurde in der Tages- und der Landwirtschaftspresse sehr gut aufgenommen. Letztes Jahr sind in der «Thurgauer Zeitung » und im «K-Tipp» Artikel zur Lehrlingsausbildung in der Landwirtschaft erschienen. Die Kommission hat sich eingehend mit der Thematik «Umgang mit Medien» sowie Umgang mit Vorurteilen und heiklen Äusserungen befasst und ein Papier mit Sprachregelungen verfasst. Neben der Kommunikation nach aussen sind auch branchenintern und gegenüber der Verwaltung Meinungsäusserungen zu Themen rund um die Berufs- und Weiterbildung gefordert. Beispielsweise hat sich die Kommission mit folgenden Fragestellungen auseinander gesetzt: – Lehrplan 21
– Qualifi kationsverfahren
– Lerndokumentation
– Umfrage der OdA zu Marketing und Kommunikation
– Festlegen des Beitrages für den Berufsbildungsfonds.

 

 Zusammenarbeit

Die Berufsbildungskommission arbeitet eng mit dem BBZ Arenenberg und den Lehrmeistern zusammen. Dazu gehört die Mitarbeit in Arbeitsgruppen zur LAP und Revision des Ausbildungsmodells. Auch mit dem Amt für Berufsbildung und Berufsberatung, der Berufsbildungskommission des Kantons und der Berufsschulkommission des BBZ Arenenberg besteht eine gute Zusammenarbeit. Die Mitglieder der Kommission engagieren sich auch bei den Lehrstellenbesuchen und der Lehrstellenanerkennung. Diese werden von der kantonalen Lehraufsicht organisiert und geleitet. Die Schlussfeier vom 2. Juli 2009 am BBZ Arenenberg war ein feierlicher, gelungener Anlass und ein Höhepunkt im Jahr. Die gemeinsame Gestaltung der Schlussfeier durch die Berufsschule, die Musikinstrumentenbauer und den Berufsverband war fruchtbar und hat sich bewährt. Diese Form der Feier soll im Jahre 2010 so weitergeführt werden.

 

Finanzen

Die Finanzierung der Bildung wird vom Bund, Kanton und der Berufsorganisation getragen. Der neu geschaffene Bildungsfonds wird durch die ganze Berufsorganisation fi nanziert und ist der Allgemeinverbindlichkeit unterstellt. Alle Landwirte leisten pro bewirtschaftete Fläche einen Beitrag an die Berufsbildung ihrer Branche.

 

Arbeitsweise der Kommission

Die Berufsbildungskommission des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft hat viele verschiedene Aufgaben wahrzunehmen. Sie muss Fachthemen bearbeiten, organisieren, koordinieren, vernetzen, Vertretungen in kantonalen und nationalen Gremien sicher stellen usw. All diese Aufgaben sind nur zu bewältigen, wenn sich die Kommissionsmitglieder einbringen, mitarbeiten und Verantwortung übernehmen.

 

Bruno Meili, Präsident Berufsbildungskommission des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft