Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. März 2019


Neuerungen bei den Fahrzeugvorschriften

Ausgabe Nummer 8 (2019)

Ende November hat der Bundesrat die Anforderungen an Strassenfahrzeuge den neusten Sicherheits- und Umweltstandards angepasst. Die neue Verordnung tritt ab 1. Mai 2019 in Kraft.

Im April letzten Jahres wurde die Vernehmlassung (siehe auch «Schweizer Landtechnik» 5 / 2018) abgeschlossen und während des Sommers die entsprechenden Eingaben im Bundesamt für Strassen ausgewertet. Nun hat der Bundesrat an seiner Sitzung die Anforderungen an Strassenfahrzeuge den neusten Sicherheits- und Umweltstandards angepasst und die entsprechende Verordnung in Kraft gesetzt. Damit sollen auch Handelshemmnisse gegenüber der EU vermieden werden.
Für die Landwirtschaft von besonderem Interesse sind die Änderungen bei den Anhänger-Bremsen, dem vorderen Überhang sowie bei den Stützlasten, die nachfolgend detailliert kommentiert werden.

Bremsen
Wie bereits hinlänglich bekannt, müssen neue Traktoren und andere Zugfahrzeuge mit einem Zwei-Leiter-Bremssystem (pneumatisch oder hydraulisch) ausgerüstet sein. In Ergänzung dazu kann ein hydraulisches Ein-Leiter-Bremssystem aufgebaut werden (im Gegensatz zur geltenden EU-Regelung auch noch nach 2025). Will man ein hydraulisches Zwei- Leiter-Bremssystem nur mit einem Anschluss betreiben, so muss dieses System «intelligent» sein und den Bremsdruck entsprechend anpassen können, ansonsten ist dieses nicht erlaubt.
Bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km / h ist eine Bremsverzögerung von 50 % gefordert, bis 30 km / h eine von 35 %. Neu dürfen bei Traktoren bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km / h und mit einer bewilligten Anhängelast Anhänger mit Auflaufbremse und einem Gesamtgewicht von 8 t angehängt werden (früher 6 t). Die «alten» pneumatischen Schweizer Systeme werden an neuen Fahrzeugen nicht mehr zugelassen. Generell gilt aber der Grundsatz der Besitzstandswahrung, wonach bereits in Verkehr gesetzte Gespanne ihre Zulassung behalten.

Vorderer Überhang
Beim vorderen Überhang war es bisher so, dass bis zu 3 m (gemessen ab Mitte Lenkrad) keine besonderen Massnahmen und bis zu 4 m die Montage von Seitenblickspiegeln notwendig waren. Dies gilt grundsätzlich weiterhin. Allerdings müssen diese Spiegel heute eine konvexe (nach aussen gewölbte) Fläche von mindestens 500 cm2 aufweisen und dürfen maximal 2,50 m vom vordersten Punkt des Anbaugeräts zurückversetzt angebracht sein.
Anstelle der Seitenblickspiegel ist auch ein Kamera- Monitor-System zulässig. Ist ein solches montiert, darf der vordere Überhang dann maximal bis zu 5 m betragen. Auch die Kameras dürfen dann maximal 2,50 m vom vordersten Punkt zurückversetzt angebracht sein. Frontanbaugeräte, die mehr als 4 m ab Mitte des Lenkrads reichen, müssen mit mindestens einem nach vorne und nach der Seite wirkenden gelben Gefahrenlicht ausgerüstet sein.
Die technischen Anforderungen an die erwähnten Kamera-Monitor-Systeme sind in einem separaten Anhang genau festgelegt. Sie müssen nach einer speziellen ISO-Norm geprüft sein und die Anforderungen an Einrichtungen für indirekte Sicht auf der Fahrerseite nach UNECE-Reglement erfüllen. Eine Installations- und Betriebsanleitung muss vorhanden sein. Ausländische Prüfungen können anerkannt werden, wenn die Anforderungen solcher Prüfungen gleichwertig sind. Den Nachweis der Gleichwertigkeit muss der Gesuchsteller erbringen.
Kamera-System hin oder her, die zulässigen Achslasten der Traktoren und die Tragfähigkeiten der Reifen müssen nach wie vor eingehalten werden. Sie dürften wohl in vielen Fällen wie bis anhin einen limitierenden Faktor bei vorderem Überhang darstellen.

Stützlasten
Anpassungen gibt es weiter bei den Stützlasten. Die Stützlast von Starrdeichselanhängern mit Kugelkopfkupplungen darf nun maximal 4 t, mit anderen Zugvorrichtungen maximal 3 t, betragen (vormals generell 3 t). Bei Arbeitsanhängern, die an Traktoren mitgeführt werden, darf die Stützlast bis zu 40 % des Garantiegewichts des Anhängers betragen.


Roman Engeler und Aldo Rui










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