Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
22. November 2019


Neues Projekt für gesunde Klauen

Ausgabe Nummer 44 (2019)

«Gesunde Klauen – das Fundament für die Zukunft » – unter diesem Titel wurde ein Ressourcenprojekt über sechs Jahre gestartet. Klauenpfleger, Tierhalter und Tierärzte wollen gemeinsam die Klauengesundheit verbessern. 

Lahmheiten und Klauenerkrankungen sind, nach Eutergesundheits- und Fruchtbarkeitsproblemen, die dritthäufigste Abgangsursache beim Schweizer Milchvieh. Lahmheiten sind in 90 % der Fälle auf Klauenerkrankungen zurückzuführen. Sie sind meist schmerzhaft und führen zu grossen wirtschaftlichen Verlusten. Diese werden direkt durch einen erhöhten Arbeitsaufwand sowie erhöhte Ausgaben, wie Behandlungs- und Tierarzneimittelkosten, verursacht; aber auch indirekt durch einen Rückgang der Milchproduktion, verminderte Fruchtbarkeit, erhöhte Mastitis- und Remontierungsraten und Stoffwechselstörungen. Die Kosten pro Lahmheitsgeschehen wurden im Jahr 2005 in der Schweiz auf Fr. 437.– geschätzt (HAFL Zollikofen, 2005).
Durch den Einsatz von Tierarzneimitteln, Antibiotika und schwermetallhaltigen Desinfektionsmitteln (Klauenbäder) bei der Behandlung von Klauenerkrankungen erhöht sich das Risiko für: Medikamenten-Rückstände in der Milch und/oder dem Fleisch, der Resistenzentwicklung beziehungsweise der Umweltbelastung mit Schadstoffen und Schwermetallen.

Das Projekt
Obwohl Lahmheiten und Klauenerkrankungen einen entscheidenden Einfluss auf die Leistung und Wirtschaftlichkeit unserer Rinder haben, werden aktuell nur sehr wenige Daten bei der Klauenpflege erhoben. Dies macht eine gezielte Begleitung der Betriebe mit Klauenproblemen unmöglich. Deshalb haben die Schweizer Klauenpflegervereinigung (SKV) und die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) als landwirtschaftliche und die Schweizer Vereinigung für Wiederkäuergesundheit (SVW) als tierärztliche Organisation das Ressourcenprojekt «Gesunde Klauen – das Fundament für die Zukunft» als Trägerschaft beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eingereicht. Das Projekt wird über 6 Jahre durch das BLW finanziert. Sponsoren aus verschiedenen landwirtschaftlichen und tierärztlichen Organisationen sowie der Fondation Sur-La-Croix unterstützen das Projekt finanziell. Der Rindergesundheitsdienst (RGD), Standort Bern, übernimmt die Projektleitung und die Vetsuisse Fakultät der Universität Bern die wissenschaftliche Begleitung.

Sammlung von Daten
Ein wichtiger Bestandteil des Projektes ist der Einsatz einer spezifischen Hard- und Software. Sie wird für die systematische elektronische Datenerfassung von Klauengesundheitsbefunden durch Klauenpfleger während jährlichen Routineklauenpflege auf den Betrieben genutzt. Die erhobenen und abgespeicherten Daten werden zur Erarbeitung und Auswertung von Schweiz-spezifischen Kennzahlen und Klauengesundheitsprogrammen verwendet. Dazu kommt die jährliche Erhebung von Klauenerkrankungen und die Entwicklung von Zuchtwerten für die Klauengesundheit. Sie dienen aber auch zur Einteilung und Feststellung von Betrieben mit Problemen im Bereich der Klauengesundheit. Die so erkannten Problembetriebe werden durch MitarbeiterInnen des RGDs und der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern besucht. Ziel ist es, vor Ort mögliche Schwachpunkte im Hinblick auf die bekannten Risikofaktoren zu erkennen und zu diskutieren.
So können betriebsspezifische Massnahmen zur Reduktion der Risikofaktoren und Behandlungsempfehlungen angesprochen werden, mit dem Ziel, die Klauengesundheit und das Tierwohl langfristig auf den Betrieben zu verbessern. Beim nächsten routinemässigen Besuch des Klauenpflegers auf dem Betrieb wird die Umsetzung der besprochenen Massnahmen erfragt und in die Software eingespielt. So kann der Effekt von eingeführten Massnahmen auf die Klauengesundheit direkt und über die Jahre hinaus verfolgt werden. Bei Problembetrieben wird der jeweilige Bestandestierarzt in die Betreuung der Betriebe miteinbezogen.

Verbesserung der Klauengesundheit
Ziel dieses Projekts ist es, die Klauengesundheit der Schweizer Rinder langfristig zu verbessern. Durch die Datenerhebung können die aktuellen Zahlen zu klauenkranken Kühen und den einzelnen Erkrankungen laufend überwacht, Klauengesundheitsprogramme erarbeitet und deren praktischen Umsetzung und Wirksamkeit evaluiert werden. Schliesslich können mittelfristig aus den Klauengesundheitsdaten Zuchtwerte für Klauenmerkmale entwickelt werden. Zudem soll der Einsatz von Antibiotika und schwermetallhaltigen Desinfektionslösungen durch wirksame Alternativen und gezielter Verwendung reduziert werden.

Teilnahme lohnt sich
Während der Projektdauer sollen insgesamt 100 Klauenpfleger und die von diesen betreuten Tierhalter schweizweit gewonnen werden. Dabei können alle Tierhalter, deren Klauenpfleger im Projekt einbezogen sind, mitmachen. Dies unabhängig von der Nutzungsrichtung in der Rindviehhaltung. Die Tierhalter erhalten einen Überblick über die Klauengesundheit auf dem Betrieb durch die fortlaufende Erhebung und Auswertung der Daten während der professionellen Klauenpflege. Problembetriebe werden kostenfrei durch den RGD und ihren Bestandstierarzt abgeklärt und betreut. Sie haben zudem die Möglichkeit, an Fortbildungen zum Thema Klauengesundheit teilzunehmen.
Sowohl Tierhalter als auch Tiere profitieren von der Teilnahme am Projekt: mit der Verbesserung der Klauengesundheit steigern sich das Tierwohl, die Wirtschaftlichkeit und die Langlebigkeit des einzelnen Tieres und der gesamten Herde!

Für Fragen: klaue@vetsuisse.unibe.ch
Nähere Informationen unter: www.rgd.ch / www.gesundeklauen.ch
Hotline: 075 500 06 01


Text: Maria Welham Ruiters, Rindergesundheitsdienst (RGD)

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