Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Neues Schadbild im Zwetschgenanbau

Ausgabe Nummer 32 (2017)

In den letzten Jahren bestanden im Pflanzenschutz bei Zwetschgen kaum Probleme mit der Bekämpfung von Schadinsekten. Mit dem Wegfall von Fenoxycarb (Insegar/ Hagar) zeigt es sich nun, dass die Bekämpfung mit den zugelassenen Wirkstoffen komplizierter wird. Zudem treten dieses Jahr auch Schäden durch den Kleinen Fruchtwickler auf, welcher bisher nicht als Schaderreger bei Zwetschgen in Erscheinung getreten ist.

Die Bekämpfung des Pflaumenwicklers konnte bisher mit Fenoxycarb, mit einer gut terminierten Behandlung erledigt werden. Dieser Wirkstoff ist nun nicht mehr zugelassen und die Bekämpfung muss mit Stewart, Affirm oder Alanto erfolgen. Während Fenoxycarb eine sehr gute Dauerwirkung hatte, müssen diese Produkte oder eine Kombination davon jeweils nach 2 Wochen wiederholt eingesetzt werden. Ob diese Strategie wirklich 100 % wirkt, ist noch nicht klar. Dabei spielt bei der Bekämpfungsstrategie auch die Kirschessigfliege mit. Da Alanto eine kürzere Wartefrist hat, wird dieses Produkt eher als 2. Behandlung empfohlen, damit die Kirschessigfliege besser erfasst wird. Bei der Ernte von frühen Zwetschgensorten sind nun da und dort Schäden durch den Pflaumenwickler festgestellt worden. Zudem gab es noch ein weiteres Schadbild, welches klar dem Kleinen Fruchtwickler zugeordnet werden konnte. Dieser Kleinschmetterling ist normalerweise ein Schädling im Apfelanbau und kam dieses Jahr extrem stark vor. Als drittes Schadbild treten dieses Jahr Gummiharzausflüsse auf, welche keinem Schädling zugeordnet werden. Diese stammen von Hautirritationen.

Reichen zwei Behandlungen gegen den Pflaumenwickler?
Die Bekämpfung des Pflaumenwicklers ist mit den bewilligten Mitteln anders als mit Fenoxycarb. Dieser Wirkstoff wurde vor der Eiablage der Herbstgeneration ausgebracht. Die darauf abgelegten Eier des Pflaumenwicklers wurden dadurch geschädigt. Bei den jetzt zugelassenen Produkten handelt es sich um komplexe Frass- und Kontaktwirkungen. Die jetzt aufgetretenen Schäden müssen zuerst noch genauer quantifiziert werden. Nicht alle Produzenten haben die Termine optimal genutzt, respektive zwei Behandlungen ausgebracht. Trotzdem hat es Betriebe, welche die Bekämpfung richtig gemacht haben und Schäden registrieren. Teilweise handelt es sich aber eben nicht um Schäden durch den Pflaumenwickler.

Schäden durch den kleinen Fruchtwickler (Grapholita lobarzewskii)
Normalerweise ist Wicklerart für eher untergeordnete Schadhöhen beim Kernobst verantwortlich. Eine Bekämpfung ist dort nicht immer und nicht überall notwendig. Es gibt aber Betriebe, welche manchmal örtlich begrenzt sehr grosse Schäden aufweisen. Nicht immer kann die Ursache für das unerwartet hohe Auftreten respektive die Örtlichkeit erklärt werden. Der Kleine Fruchtwickler ist auch nicht so auf eine Obstart fixiert wie der Apfelwickler. Auch bei Birnen treten hie und da Schäden auf. Dass dies auch bei Zwetschgen der Fall sein kann, war zumindest uns bisher nicht bekannt. Die untersuchten Früchte zeigten teilweise auch abgestoppten Befall. In diesem Jahr tritt der Kleine Fruchtwickler aber auch im Kernobst extrem stark auf. Dies auch in Parzellen, welche bisher verschont blieben. Ob dies ein witterungsbedingtes Phänomen oder eine Folge des Wegfalles von Fenoxycarb ist, wird sich zeigen.

Unterschiede im Befallsbild
Während der Pflaumenwickler aus dem Ei schlüpft und direkt einbohrt und einen Gang macht, welcher mit Kot verunreinigt ist (oft mit teilweise rötlicher Verfärbung des Fruchtfleisches), macht der Kleine Fruchtwickler zuerst eine typische Spirale. Diese ist teilweise bereits auf der Haut sichtbar. Schneidet man die Fruchthaut weg, ist diese unter der Haut erkennbar. Die Gänge des Kleinen Fruchtwicklers sind viel kleiner und ohne Kot. Die beiden Raupen unterscheiden sich in der Grösse und Färbung. Die Raupe des Pflaumenwicklers ist wesentlich grösser und rosa gefärbt, ohne schwarzen Kopf. Die deutlich kleinere Raupe des Kleinen Fruchtwicklers ist weiss bis weissgelb, mit markantem schwarzen Kopf. Wir haben festgestellt, dass beim Kleinen Fruchtwickler auch 2 bis 3 Räupchen in der gleichen Frucht sein können. Beim Pflaumenwickler ist immer nur eine Raupe zu finden.

Andere Schäden ohne Einfluss von Schadorganismen
Nebst diesen beiden durch Insekten verursachten Schäden kann festgestellt werden, dass viele Zwetschgen und Pflaumen kleine Gallen mit Harzausfluss aufweisen. Diese stammen aus kleinen Verletzungen der Fruchthaut und dürften witterungsbedingt entstanden sein.


BBZ Arenenberg
Urs Müller










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