Ausgabe Nummer 49 (2009)

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Niemand wartet auf Schweizer Fleisch

An der Regionaltagung der Anicom AG Ostschweiz in Niederuzwil zeigte Hansueli Siber die Chancen und Grenzen für Schweizer Fleischexporte auf. 

Die Ernst Sutter AG in Gossau betätige sich seit zwei Jahren im Fleischexport, erklärte Hansueli Siber, Leiter Beschaffung/ Export, an der Regionaltagung der Anicom AG Ostschweiz. Dabei habe die Ernst Sutter AG feststellen müssen, dass in Europa niemand auf Schweizer Fleischprodukte warte. Nach Sibers Ausführungen sind die Österreicher stark in der Speckproduktion, die Deutschen mit Wurstwaren, die Italiener mit Salami und die Franzosen mit getrocknetem und gekochtem Schinken. Der Referent relativierte auch die weit verbreitete Meinung, dass Europa über 500 Millionen potentielle Kunden verfüge. Die Kaufkraft sei nicht in allen 27 EU-Ländern gleich gross. Siber machte darauf aufmerksam, dass die Grenzen auch im Fleischhandel löcherig werden. So stossen immer mehr internationale Lebensmittelhändler mit europäischen Produkten in die Regale der Schweizer Händler. Demgegenüber sei das Exportfolio der Fleischbranche noch wenig differenziert. Drei Viertel der wertmässigen Ausfuhren stammen von den Bündnerfl eischexporten. Nach Meinung des Referenten ist der ausländische Markt eine Premiumnische. Mittelfristig werde die Branche nicht in der Lage sein, um bei den Einstiegspreissortimenten mit europäischen Herstellern mithalten zu können.

Milchproduzenten verloren Geld
In seinem Grusswort machte Hansueli Siber, Präsident des Regionalausschusses der Anicom AG Ostschweiz, auf die Schwierigkeiten im Milchmarkt aufmerksam. Dabei hätten viele Milchproduzenten Geld verloren. Sorgen bereitet ihm auch der drohende Agrarfreihandel mit der EU, denn der Freihandel werde auch Handelshemmnisse mit sich ziehen.

Tierische Veredelung hat Bestand
Yvan Meuwly, Niederlassungsleiter Anicom AG Ostschweiz, erklärte, dass der Pro-Kopf-Fleischkonsum in der Schweiz mit rund 30 Kilogramm relativ tief sei. Vergleichsweise betrage der Pro-Kopfkonsum in Österreich 70 Kilogramm. Die Preise seien bei den Schlachtschweinen in der Woche 48 bei den Labels QM, IPS und CNf rund einen Franken tiefer als im Vorjahr. Beim Grossvieh konnte der Preis gehalten werden. Meuwly empfahl den Schweinemästern, Jungsauen zuzukaufen. Die Jungsauenaktion von April bis Juni sei erfolgreich verlaufen. Der Niederlassungsleiter stellte fest, dass der Markt die Ferkelschutzimpfung gegen Circoviren verlange. Er animierte die Schweinehalter, in Zucht- und Mastplätze zu investieren, um die Wertschöpfung zu erhalten. Abschliessend gab Meuwly der Überzeugung Ausdruck, dass trotz ausländischer Konkurrenz und dem Preisdruck die tierische Veredelung in der Schweiz bestehen bleibe.

Mario Tosato



Yvan Meuwly, Josef Schmid und Hansueli
Siber (von links nach rechts) informierten
über den aktuellen Fleischmarkt. (tos)
Yvan Meuwly, Josef Schmid und Hansueli Siber (von links nach rechts) informierten über den aktuellen Fleischmarkt. (tos)