Ausgabe Nummer 5 (2005)

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Nordostmilch AG gegründet

Auch Thurgauer Milchproduzenten machen mit
 
Nordostmilch AG gegründet
 
Ein Teil der Ostschweizer Milch soll ab dem 1. Mai 2005 unter der Nordostmilch AG vermarktet werden. Die noch zu gründende Aktiengesellschaft erfüllt dann die Auflagen, um 2006 vorzeitig aus der Milchkontingentierung auszusteigen. Die beteiligten Milch-organisationen informierten am 28. Januar auf dem Betrieb von Ueli und Bernadette Schönholzer in Wängi über diese Pläne

Nun kommt auch in die Nordostschweizer Milchproduktion Bewegung. «Nach der Kenntnisnahme vom Fahrplan des Bundes zum Ausstieg aus der Milchkontingentierung und dem schnellen Handlungsbedarf der Milchverbände in Fragen der künftigen Mengensteuerung haben wir uns entschieden, die Strategie zur Milchvermarktung an die Hand zu nehmen», betonte der St. Galler Hans Ruckstuhl, Präsident der Arbeitsgruppe Milchverkauf Ost, vor den Medien in Wängi. Hinter dieser Ankündigung steht ein wichtiger Schritt hin zum frühzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingentierung für eine grosse Anzahl Milchproduzenten zwischen Zuger- und Bodensee und bis in den Kanton Graubünden. Eine Arbeitsgruppe von Vertretern der grossen Milchringe und der Ostschweizer Milchverbände Winterthur Thurgau und St. Gallen-Appenzell hat in den letzten Monaten die Vorbereitungen zum Ausstieg aus der Milchkontingentierung als eigenständige Produzentenorganisation (PO) getroffen. «Damit wollen wir auf die bekannten Entwicklungen und Änderungen, welche sich in der Schweizer Milchwirtschaft abzeichnen, reagieren», führte Ruckstuhl aus. Bei diesen intensiven Beratungen profitierte die eingesetzte Strategiegruppe, welche sich als Ziel einen gemeinsamen Milchverkauf auf dem Gebiet der Nordostschweiz gesetzt hatte, von den Erfahrungen der beiden bereits sehr aktiv im Milchverkauf tätigen Milchringe St.Gallen-Appenzell und Nordostschweiz, welche nach dem Zusammenbruch der SDF die Milchvermarktung in die Hand genommen haben.


Sie präsentierten die neue Produzentenorganisation (von links): René Schwager
(Geschäftsführer Milchverband Winterthur), Ernst Felix (Vorstand Thurgauer Milchproduzenten), Heinrich Peter (Präsident Nordostmilch), Hans Ruckstuhl (Präsident Arbeitsgruppe Milchverkauf Ost), Alfred Ernst (Geschäftsführer Thurgauer Milchproduzenten), Robert Bischofberger (Präsident Milchring St. Gallen-Appenzell) und Andreas Ritter (Geschäftsführer Milchverband St.Gallen-Appenzell). (Bild: Roland Müller)


Milchproduzenten übernehmen Verantwortung
«Mit der von den Milchproduzenten gebildeten PO Nordostmilch AG wollen wir die grössere Verantwortung der Branche übernehmen und dem Auftrag weniger Staat mit mehr Markt gerecht werden», hielt Robert Bischofberger, Präsident des Milchrings St. Gallen-Appenzell fest. «Entsprechend wollen wir mit der Produzentenorganisation Nordostmilch AG die Wertschöpfung für Milchproduzenten und -verarbeiter optimieren, gegenüber den Verarbeitern als solider und verlässlicher Partner auftreten und diesen gleichzeitig flexibel an die Marktbedürfnisse angepasste Liefersysteme anbieten», betonte Bischofberger weiter. «Aufgrund der guten Erfahrungen mit der Nordostmilch und dem Milchring St.Gallen-Appenzell wollen wir diesen die Milch ab Rampe anbieten, sodass für die Produzentenorganisation die Milchlogistik ein Teil des Aufgabenbereiches sein wird», fügte er weiter hinzu.

Auch Thurgauer Milch ist dabei
«Wir dürfen heute feststellen, dass bereits verschiedene grosse Produzentenorganisationen und Milchringe ihren Beitritt zur Nordostmilch AG beschlossen haben», betonte René Schwager, Geschäftsführer des Winterthurer Milchverbandes. Das Einzugsgebiet erstreckt sich dabei über alle Kantone und Milchverbände, welche in der Strategiegruppe tätig waren. Das mögliche Potenzial mit allen Milchproduzenten umfasst dabei rund 10 000 Milchproduzenten, wovon deren 6500 Bauern Konsum- und Industriemilch produzieren und sich die restlichen 3500 vorwiegend auf Käsereimilch konzentriert haben. «Unser Ziel ist es, mit 1500 solchen Milchproduzenten am 1. Mai starten zu können», führte Schwager weiter aus. Zu denen, welche bereits ihren Beitritt beschlossen haben, gehören die aus verschiedenen Zürcher und Schaffhauser Milchringen gebildete Nordostmilch mit rund 450 Produzenten und einer Milchmenge von 53 Millionen Kilogramm, der Milchring St. Gallen-Appenzell mit weiteren 600 Produzenten und einer Milchmenge von 50 bis 60 Millionen Kilogramm, die Graubünden Milch mit 300 Produzenten und 20 bis 25 Millionen Kilogramm sowie die Milchproduzenten Knonaueramt-Zug mit 130 Produzenten und einer Milchmenge von 15 Millionen Kilogramm. Somit wird die neue Organisation mit einer Milchmenge von 150 Millionen Kilogramm starten und diese voraussichtlich im kommenden Jahr verdoppeln. Dies entspricht dann 10 Prozent der gesamten Schweizer Milchmenge. Wir werden mit dem frühzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingentierung auf den Mai 2006 die vom Bundesamt für Landwirtschaft entzogenen Kontingente als Basismenge übernehmen und den Produzenten als privatrechtliche Vertragsmenge zuteilen, versicherte Schwager weiter. Mit einer internen Mengensteuerung wollen wir in der Nordostmilch AG eine möglichst liberale Lösung für die Produzenten anstreben und einfach in der Administration bleiben. Weiter versicherte Schwager, dass man den spezifischen regionalen Bedürfnissen aber auch weiterhin gerecht bleiben wird. Wir sind aber auch bestrebt, dass die Käsereimilch in die Nordostmilch eingebunden wird, betonte Andreas Ritter, Präsident des Milchverbandes St. Gallen-Appenzell. Damit könnte auch für diese silofreien Milchproduzenten und lokalen oder regionalen Verwerter die Vermarktung der anfallenden Restmilchmenge kontrollierter und vor allem gezielter erfolgen, zeigte sich Ritter überzeugt. Zurzeit werden intensive Verhandlungen auf Verbandsebene geführt, definitive Lösungen für diese Milch sind aber gemäss Ritter noch nicht festgelegt.

Milchproduzenten als Aktionär
Die eigentliche Gründung der Nordostmilch AG mit einem Aktienkapital von 500 000 Franken und Sitz in Winterthur erfolgt im kommenden März. «Unser Ziel ist es dabei, dass sich jeder Milchproduzent als Aktionär mit 100 Franken beteiligt», führte Schwager weiter aus. Der
definitive Entscheid für den vorzeitigen Ausstieg aus der Milchkontingentierung ab 1. Mai 2006 fällt aber erst im Laufe des Sommers. Dafür ist dann eine Zweidrittelsmehrheit der Aktionäre nötig. Bereits heute sind auch die wichtigsten personellen Besetzungen im neuen Unternehmen bekannt. Robert Bischofberger wird als Verwaltungsratspräsident und René Schwager als Geschäftsführer nominiert.

Roland Müller
 
 
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