Ausgabe Nummer 2 (2009)

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Nordostmilch passt Milchpreis den Marktverhältnissen an

Die Nordostmilch AG informierte in Märstetten über den Milchmarkt 2009

Durch die grosse Mehrproduktion vom vergangenen Jahr steht bei der Nordostmilch AG im Januar eine Milchpreissenkung von 8 Rappen an. Ruedi Schnyder, Präsident Thurgauer Milchproduzenten, dankte der Nordostmilch AG für ihr grosses Engagement.

Zu Beginn der Informationsveranstaltung der Nordostmilch AG versprachen Verwaltungsratspräsident Robert Bischofberger, Verwaltungsrat Peter Stiefel und Geschäftsführer René Schwager vor über 100 Milchproduzenten eine ehrliche Information. Werde doch die Milchbranche zurzeit durch Gerüchte und Lügen beherrscht. Nach Schwagers Ausführungen führten nicht nur die bewilligte Mehrmengen, sondern auch die Einschränkungsmilch aus den Käsereien, welche die Produktion drosseln mussten, zur «Milchschwemme », welche durch den Rückgang der Exporte, namentlich bei Emmentaler und Appenzeller, resultierte. So wurde im vergangenen Jahr rund 5 bis 6 Prozent mehr Milch produziert. Laut Schwager konnte das ehrgeizige Budget 2008 der Nordostmilch AG im ersten Halbjahr gar übertroffen werden. Obwohl das zweite Halbjahr turbulent verlief und die Budgetzahlen nicht mehr erreicht werden konnten, ist der Geschäftsführer überzeugt, dass auch im vergangenen Jahr ein gutes Resultat erzielt wurde.

Preise für Milchprodukte eingebrochen
Schwager zeigte den Anwesenden auf eindrückliche Art auf, wie seit dem Frühjahr die Preise für Milchprodukte international richtiggehend eingebrochen sind. Weil Emmi zu den hohen Schweizer Preisen nicht mehr alle Milch vermarkten konnte und auf Grund politischer Ränkespiele war die Nordostmilch AG im Herbst zu massiven Mengenreduktionen bei Emmi und damit zu vermehrten Exporten gezwungen. Intensive Verhandlungen zwischen den verschiedenen Vermarktungspartnern führten zu einer Annäherung in der Mengenverteilung. Die Nordostmilch AG liefere seit dem 1. Januar wieder rund 60 Prozent der ursprünglichen Menge an Emmi. Mit der Hochdorfgruppe konnte die Liefermenge kontinuierlich ausgebaut werden. Sorgen bereite Schwager, dass beim Appenzellerkäse eine Mengeneinschränkung von 30 Prozent beschlossen wurde.

Organisationsstrukturen noch ungenügend für Marktliberalisierung
Gerade im Hinblick auf den definitiven Ausstieg aus der staatlichen Milchkontingentierung seien die Organisationsstrukturen noch ungenügend. Laut Bischofberger unterstützt die Nordostmilch AG die Strategie des SMP, wonach die Segmentierung des Marktes auf Basisvertragsmenge und Fettstützung basiere. Abgabe auf Milchmenge, welche die bisherige Basisvertragsmenge der Organisation übersteige. Diese Lösung korrespondiere mit dem Mengenreglement der Nordostmilch AG. Der Verwaltungsratpräsident bedauert, dass die Allgemeinverbindlichkeit des Bundes wohl nicht zustande kommt.

Bedingungen zu einem VSM-Beitritt
Bischofberger informierte auch über den neu gegründeten Verein Schweizer Milch (VSM) von vier nationalen Verarbeitern und einigen PMO und POs. Der VMS könne Initiant und Träger von Branchenregelungen zwischen Produzenten und Verarbeitern sein. Er könne auch die Nachfolgeorganisation der Branchenorganisation Molkereimilch (BOM) werden. Der VSM könne aber sicher nicht die Dachorganisation und Interessenvertreter der Milchproduzenten sein. Die Nordostmilch AG sei für eine Mitarbeit im VSM offen, lasse sich aber nicht unter Druck setzen. Als Bedingungen für den Beitritt der Nordostmilch AG zum VSM nannte Bischofberger, dass die Produzenten und POs in den Gremien repräsentativ vertreten sein müssen. Zudem müsse der VSM gewillt sein, Lösungen für die Verteilung der Linienmilch unter den Mitgliedern zu erarbeiten.

Tieferer Milchpreis für das laufende Jahr
Nachdem im letzten Oktober eine Milchpreissenkung von 6 Rappen hingenommen werden musste, werden für Silomilch im Januar 67 Rappen/kg (bisher 75 Rp./kg) ausbezahlt. Somit beträgt die Milchpreissenkung bei der Silomilch insgesamt 14 Rappen. Bei der Biomilch senkt die Nordostmilch AG den Preis von 82 Rappen/kg auf 74 Rappen/kg. Auf Grund der Einschränkungen wird für silofreie Milch 78 Rappen/kg (bisher 80 Rp./kg) ausbezahlt. Die neuen Preise gelten für die gesamte Milchmenge und sind die effektiven Auszahlungspreise, von welchen keine Rückbehalte gemacht werden. Abschliessend gab Schwager der Hoffnung Ausdruck, dass die Milchpreise früher oder später wieder steigen werden.
Ruedi Schnyder, Präsident der Thurgauer Milchproduzenten, dankte den Verantwortlichen der Nordostmilch AG für ihr grosses Engagement. Er bedauert, dass demokratisch gefällte Endscheide in der Milchbranche an Bedeutung verloren haben. Er ermunterte die Nordostmilch AG, dem VSM beizutreten, um dort den Einfluss geltend zu machen.

Mario Tosato


Peter Stiefel, Robert Bischofberger und René Schwager (von links) informierten über die
Situation im Milchmarkt. (tos)
Peter Stiefel, Robert Bischofberger und René Schwager (von links) informierten über die Situation im Milchmarkt. (tos)