Ausgabe Nummer 36 (2003)

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Nötige Einigung steht noch aus

Obstproduzenten kämpfen weiter für faire Produzentenrichtpreise
 

Nötige Einigung steht noch aus

 
Insbesondere die Ostschweizer Obstproduzenten traten an der Sitzung des Produktzentrums Tafelkernobst SOV/swisscofel vom 20. August besonders stark in den Vordergrund. Sie forderten nachdrücklich ein neues Preisbildungssystem, das eine gerechtere Risikoverteilung zwischen Produktion und Handel bringt.
 

Gemeinsam mit seinen Berufskollegen setzt auch Werner Gubler, Obstproduzent, sich dafür ein, dass zwischen Handel und Produktion ein gemeinsamer Nenner gefunden wird. (is)

 
 
Stellvertretend für seine Berufskollegen schilderte Werner Gubler, Vizepräsident des Thurgauer Obstbauverbandes, die Situation im Erwerbsobstbau. Auch er hatte sich am 20. August im Produktzentrum Tafelkernobst SOV/swisscofel an den Verhandlungen über ein neues Preisbildungssystem beteiligt. Seit langem setzt er sich, gemeinsam mit Kollegen, in verschiedenen Gremien dafür ein, dass auf breiter Ebene zur Kenntnis genommen wird, dass auf der Stufe Produktion wieder kostendeckende Preise ermöglicht werden müssen, da ansonsten die inländische Produktion noch mehr an Boden verliert. Immer wieder machen Werner Gubler und seine Berufskollegen in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass vor allem im Hinblick auf die Rekrutierung von Nachwuchskräften der Branche Sorge getragen werden muss. Umso wichtiger sei es nun, einen gemeinsamen Nenner zwischen Handel und Produktion zu finden: «Streitigkeiten schaden unserer Branche und ihrem Ansehen. Hinter unseren hochwertigen Früchten suchen die Konsumenten etwas Positives. Durch Uneinigkeiten und Streit zwischen Handel und Produktion werden aber Ansehen und Image Schaden erleiden. Dies können wir uns nicht leisten! Deshalb müssen alle Stufen die Verantwortung mittragen. Wir Produzenten haben klare Signale gesendet, dass wir nicht mehr bereit sind, das unternehmerische Risiko aller nachgelagerten Stufen zu übernehmen.» Die Produzenten verlangen, dass nun ein Preisbildungssystem gefunden wird, das über mehrere Jahre hinweg angewendet werden kann und das auf der Lagermenge basiert. Ein neues System soll beinhalten, dass per Ende November jeweils die Lagermenge bekannt gegeben wird. Wenn diese Menge bekannt ist, sollen die Produzenten einen echten Produzentenrichtpreis festlegen können.

Ostschweizer Produzenten wortführend
Rückblickend auf die Sitzung hebt Werner Gubler die für ihn wichtige Tatsache hervor, dass vor allem die Ostschweizer Produzenten eine konsequente Haltung zeigten, sich gegenüber Kompromissen jedoch aufgeschlossen zeigten. Mit Nachdruck hätten sie nun ein anderes System verlangt, welches ihnen ermöglicht, rechtzeitig zu erfahren, welche Preise im Herbst zu erwarten seien. Angenehm aufgefallen sei ihm an der Sitzung, dass die Produzenten geschlossen auftraten und zeigten, dass sie sich nicht einfach auseinander dividieren lassen: «Für einmal waren es übrigens nicht die Westschweizer Kollegen, die sonst bei anderen Verhandlungen dieser Art bekanntermassen wortführend sind, sondern sie zeigten sich solidarisch mit unseren Forderungen.» Der Umstand, dass bei den Verhandlungen um ein neues Preisbildungssystem vor allem die Ostschweizer Produzenten stark in den Vordergrund rückten, sieht der Handel in einem weniger positiven Licht. So teilten Markus Rölli, Präsident FK Kernobsthandel, und Marc Wermelinger, Geschäftsführer der swisscofel, am 22. August den Abpackbetrieben für Kernobst mit: «Aus Sicht des Kernobsthandels ist es sehr bedauerlich, dass namentlich die Produzenten aus der Ostschweiz die weitgehenden Konzessionen des Handels nicht akzeptieren wollten. Stattdessen bestanden sie auf verbindlichen Preisgarantien innerhalb viel zu enger Bandbreiten beziehungsweise auf einem planwirtschaftlichen System, das die Gesetze des Marktes praktisch ausser Kraft gesetzt hätte.»

Vorteil von regionalen Marktpartnern
In der erwähnten Mitteilung von Markus Rölli und Marc Wermelinger wird auch der Wunsch geäussert, dass das Gespräch zwischen der Produktion und dem Handel auf einer für beide Seiten akzeptablen Basis fortgesetzt wird, und betonen darin: «Wir wollen einen fairen, konstruktiven und partnerschaftlichen Dialog. Allerdings kann eine Partnerschaft nur erfolgreich bestehen, wenn von den Partnern keine unerfüllbaren Konzessionen abverlangt werden. In diesem Sinne sind wir zuversichtlich, dass sich die Dinge positiv weiterentwickeln.» Dass zwischen den Vertretern des Handels und der Produktion eine Art «Scherbenhaufen» entstanden ist, sei bedauerlich, betont Werner Gubler. Hingegen ist er zuversichtlich, dass eine Einigung gefunden werden kann: «Uns geht es nicht darum, unnötig Konflikte anzuheizen. Das Ziel von uns Produzenten lautet dahingehend, dass wir eine Branchenlösung wollen.» Die Verhandlungen hätten auch als eine Art «Machtkampf» erachtet werden können, an dem prinzipielle Erwägungen endlich zur Sprache kamen. Die Produzenten haben auch ein neues System vorgestellt: Dieses sieht vor, dass im Herbst, gestützt auf die Ernteschätzung, Kostenberechnungen und Marktchancen für alle Sorten festgelegt werden. Werner Gubler hat die Erfahrung gemacht, dass die Uneinigkeiten vor allem Verhandlungen auf nationaler Ebene betreffen. Auf regionaler Ebene, mit Partnern wie der TOBI Tafelobst AG, der Seeobst AG und weiteren gebe es derartige Kluften nicht. Die regionalen Verhandlungen profitierten davon, dass sich die Handelspartner immer wieder persönlich begegnen und das Gespräch mit der Basis suchen.

Leistungsanreize erhalten
Die Produzenten hatten und haben immer wieder signalisiert, dass sie sich marktkonform verhalten wollen. Bezogen auf die aktuelle Ernte (gemäss Ernteschätzungen Lagerbestand per Ende November 52 000 t bis 56 000 t) veranschaulicht dies Werner Gubler wie folgt: «Wird die Menge von 52 000 t unterschritten, erwarten wir einen angemessenen Preisaufschlag. Bei einer Überschreitung dieser Menge, also bei über 56 000 t, sind wir bereit, einen Kompensationspreis, respektive Preisabschlag, zu akzeptieren. Ganz im Sinne unserer Bereitschaft, die Risiken mit dem Handel zu teilen. Hingegen sind wir nicht mehr bereit, Preisabschläge bis zum absoluten Tiefpunkt, der die Produktion immer unrentabler macht, zu tolerieren.» Ein typisches Beispiel dafür sieht er bei der Klasse II, deren Abwertung enorme Ausmasse angenommen hat, und meint dazu: «Die Klasse II darf nicht zu einem Kampfartikel verkommen. Hier liegt der Mindestpreis bei 40 Rp./kg Auszahlungspreis. Wir finden, auch hier muss eine untere Limite gesetzt werden, die nicht unterschritten werden darf.» Aus seiner Sicht wurden in den letzten Jahren die guten Betriebe, die Investitionen getätigt haben, zu wenig für ihre Leistungen belohnt und drohten nun «auszubluten», wenn nicht Gegensteuer gegeben wird. Bruno Pezzatti, Direktor des Schweizerischen Obstverbandes, ist überzeugt, dass die nötige Einigung zwischen Handel und Produktion kommen wird. In einem Erntejahr wie 2003, wo mittlere Mengen anfallen, sei es nicht so schwierig, Richtpreise abschätzen zu können. Auf der Seite des Grosshandels decken sich die Preise kongruent, und es habe noch keine schlimmen Auswirkungen, dass Handel und Produktion sich derzeit nicht einig sind.

Isabelle Schwander
 
 
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