Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. September 2018


Nutzung von Sparpotenzial bei der Landtechnik in der Praxis

Ausgabe Nummer 32 (2014)

Die Betriebe von Andy Vogel-Kappeler und Werner Schenk-Bartholdi aus Wäldi haben gesucht, gefunden und nutzen Sparpotenzial bei der Mechanisierung auf ihren Landwirtschaftsbetrieben. Die wirtschaftlichen Vorteile überwiegen stark bei ihrer überbetrieblichen Zusammenarbeit in der Landtechnik. Kernstück der Zusammenarbeit stellt der gemeinschaftlich genutzte Traktor dar.

Die beiden kleineren Betriebe sind von der produktionstechnischen Ausrichtung her unterschiedlich gelagert. Der Betrieb Schenk betreibt hauptsächlich Milchwirtschaft, der Betrieb Vogel hat sich im Bioackerbau spezialisiert. «Die unterschiedliche Betriebsausrichtung ist einer von mehreren Vorteilen bei der überbetrieblichen Zusammenarbeit in der Mechanisierung», sagt Andy Vogel. «Es müssen sich zwei ähnliche Typen finden, um eine solche Zusammenarbeit zur Zufriedenheit beider Partner aufzubauen und zu erhalten», ist Werner Schenk überzeugt.

Gemeinsam Vorteile nutzen
Die beiden Betriebsleiter arbeiten in der Landtechnik eng zusammen, dies auch noch mit anderen Betrieben. Es werden zahlreiche Maschinen mit unterschiedlichen Partnerbetrieben gemeinschaftlich genutzt. Kernstück der Zusammenarbeit zwischen den Betrieben Vogel und Schenk bildet jedoch der im Jahr 2007 angeschaffte 90-PS-Traktor.
Die Reservation des auf dem Betrieb von Schenks eingestellten Traktors wird per E-Mail erledigt. Beide Betriebsleiter gehen mindestens zweimal täglich online, um die E-Mails abzurufen. Die Kommunikation funktioniert einwandfrei. «Wir haben in all den Jahren noch nicht zehn Mal telefoniert wegen dem Traktor », sagt Werner Schenk. Überschneidungen bei der Nutzung kommen nicht vor. «Es lässt sich alles organisieren und absprechen. Deshalb ist die organisierte Kommunikation sehr wichtig», führt Andy Vogel aus und beginnt von den Vorteilen der gemeinsamen Nutzung der Maschine auch bei gleichen Arbeiten zur selben Zeit zu erzählen. Muss ein Acker zur Saat vorbereitet und anschliessend bestellt werden, kann die zeitliche Verzögerung von Saatbettbereitung und Saat durchaus Vorteile haben. Kombinationen können belassen werden und es entstehen weniger Arbeiten für An- und Abkuppeln von Einzelgeräten.

Grosse Technik zum kleinen Preis
Einer der grössten Vorteile sehen beide darin, dass jeder einzelne bei gemeinschaftlichen Maschinen mehr für das eingesetzte Geld erhält. Bessere und schlagkräftigere Mechanisierung ist dadurch auch für kleinere Betriebe möglich. Der finanzielle Vorteil war zudem ein ausschlaggebender Faktor, welcher den Entscheid für den gemeinsamen Traktor bekräftigte. «Wir fahren mit unserem Traktor unter dem ARTTarif », bestätigt Werner Schenk. Der Anschaffungspreis wurde hälftig geteilt, die jährlichen Kosten werden gemäss den genutzten Betriebsstunden verteilt. Die Fixkosten können so für den einzelnen Betrieb heruntergebrochen werden. Ein weiterer Grund für die überbetriebliche Zusammenarbeit ist die selbstständige Durchführung der Arbeiten auf dem Betrieb. Andy Vogel hat eine Zeit lang sehr viele Arbeiten an Dritte vergeben. «Dies wollte ich nicht mehr. Landwirt sein bedeutet auch die landwirtschaftlichen Arbeiten durchzuführen. Für kleine Betriebe ist es schwierig, mit eigenen Maschinen wirtschaftlichen Ackerbau zu betreiben. Die Zusammenarbeit ermöglicht mir den Zugriff auf eigene Maschinen in einer vernünftigen Grössenklasse», beschreibt Andy Vogel seine Situation.

Flexibilität ein Muss
Die nötige Flexibilität beispielweise bei Pflegearbeiten im Ackerbau wird durch einen jeweiligen Zweittraktor pro Betrieb verschafft. Ohne einen solchen Zweittraktor würde es nicht funktionieren, sind sich die beiden Betriebsleiter einig. Der Zusammenarbeit sind auch Grenzen gesetzt. Die gemeinsame Nutzung eines Hofladers oder eines Traktors, welcher für tägliche Arbeiten wie das Eingrasen genutzt wird, würde für die beiden nicht in Frage kommen. «Es ist aber mit Sicherheit deutlich mehr möglich als man anfangs vielleicht denken mag», schlussfolgert Andy Vogel. «Generell braucht es Grosszügigkeit für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und es ist wichtig, die Vorteile in der Zusammenarbeit zu sehen, welche deutlich überwiegen», fasst Werner Schenk zusammen.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.


Philip Bernegger
BBZ Arenenberg,
Beratung und Entwicklung




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