Ausgabe Nummer 25 (2009)
Obstbau
Gegenwärtig kann ein stärkerer Fruchtfall respektive ein Wachstumsschub bei den Trieben des Kernobstes beobachtet werden. Der im Frühjahr durch die Trockenheit blockierte Stickstoff scheint den Pflanzen jetzt zur Verfügung zu stehen. Vom Hagel geschädigte Bäume oder abgebrochene Triebe beginnen jetzt wieder auszutreiben. Bereits bei sehr kurzen, jungen Trieben ist ein Befall mit Läusen feststellbar.
Feuerbrand
Es ist definitiv kein Feuerbrandjahr, frischer Blütenbefall trat nur in wenigen Einzelfällen auf. Verschiedentlich wurde Befall an Bäumen festgestellt, welche im letzten Jahr zurückgeschnitten wurden. Bei verschiedenen Kontrollen konnte zudem festgestellt werden, das Pseudomonasinfektionen (Birnblütenbrand) nach dem Hagel erfolgt sind. Dies nicht nur an zerfetzten Birnblättern, auch in Baumschulen und an Äpfeln zeigten sich feuerbrandähnliche Symptome. Bei der Sorte Kaiser Alexander findet man auch grössere einzelne Birnen, welche komplett schwarz sind und keine Maden enthalten. Betroffen ist teilweise auch kleineres Quirlholz an Kaiser Alexander, das abstirbt. Eine Unterscheidung ist von Auge schwierig: grössere schwarze Einzelfrüchte bei Kaiser Alexander ohne Verfärbung von Blättern und absterbende, trockene, kleine Triebpartien (Quirlholz) mit noch grünen Blattstielen sind eher dem Bakterium Pseudomonas syringae zuzuordnen. Typisch für Feuerbrand sind Früchte und Blätter, braun mit dunkel verfärbten Blattstielen, absterben ganzer Äste oder bereits abgestorbenes Holz, zum Beispiel bei Birnen.
Feuerbrandversuche
Im Interreg-4-Projekt «Gemeinsam gegen Feuerbrand» wurden auch dieses Jahr wieder Versuche mit prüfenswerten Wirkstoffen gegen Feuerbrand durchgeführt. Die Versuchsparzelle mit künstlich inokulierten Bäumen zeigte einen Befall von etwas über 5 Prozent, was gerade reicht, um die Versuche auszuwerten. Die Resultate müssen aufgrund des mässigen Befallsdruckes vorsichtig interpretiert werden. Folgende Aussagen sind jedoch möglich: 1. Mischapplikationen, ein Mal Streptomycin, ergänzt mit alternativen Präparaten, zeigten einen signifi kant besseren Wirkungsgrad als bei alleinigem Einsatz der Alternativen. 2. Ein Prüfprodukt, welches bereits im letzten Jahr Resultate im Bereich von Streptomycin lieferte, konnte diese in den diesjährigen Versuchen an zwei Standorten bestätigen und es zeigt bisher auch keine berostungsfördernden Ansätze. Ob sich da eine neue Möglichkeit zur Bekämpfung ergibt? Euphorie ist noch nicht angesagt, aber immerhin ist es das erste Mal, dass ein so hoher Wirkungsgrad wiederholt werden konnte!
Folgen des Hagels, Massnahmen
Je nach der Schädigung der Bäume respektive sogar des Holzes drängen sich unterschiedliche Massnahmen auf. Der Neuzuwachs sollte vor Schorf und Läusen geschützt werden. Aufgrund der aktuellen Lage erwarten wir keinen zusätzlichen Feuerbrandbefall. Je nach Situation kann auch die Ruhigstellung der Bäume nötig werden, besonders, wenn das Triebwachstum aufgrund der fehlenden Früchte überborden sollte. Dies kann mit Regalis erfolgen, anstelle einer einmaligen Behandlung mit 1,5 kg/ha kann diese Menge auch auf drei bis vier Fungizidbehandlungen verteilt werden. Der erste Einsatz erfolgt, wenn die neuen Triebe 3 bis 5 cm lang sind.
Pilzkrankheiten Kernobst
Im nördlichen Bodenseeraum besteht ein echtes Schorfproblem. Soweit soll es bei uns nicht kommen. In schorffreien Anlagen und bei schorfresistenten Sorten können die Behandlungen mit dem Beginn des Triebabschlusses dennoch etwas weiter gesetzt werden. In Parzellen mit Schorfbefall wegen Resistenzgefahr keine SSH oder Strobilurine einsetzen. Mit der Schorfbekämpfung werden auch Lagerkrankheiten teilweise erfasst. Neuzuwachs deshalb vorbeugend mit Delan, Captan oder Folpet plus Netzschwefelzusatz bis 4 kg (oder Bayfidan respektive Topas Vino) behandeln. Produktemenge gemäss Zuwachs des Baumvolumens anpassen. Nicht unterdosieren, Behandlung nach 30 mm Niederschlag wiederholen. In Parzellen, oder bei Sorten, welche Lagerprobleme hatten, Flint verwenden.
Wickler
Momentan sollten die Behandlungen mit allen eingesetzten Produkten noch wirken. Wer Stewart eingesetzt hat, nach 14 Tagen erneut eine Behandlung vornehmen. Der Flug des Kleinen Fruchtwicklers ist auffallend stark.
Läuse
Der Befall der Mehligen Apfellaus hat etwas zugenommen, grössere Schäden sind höchstens in verhagelten Anlagen zu erwarten, welche stark treiben. Die Grüne Apfellaus hingegen hat stark zugelegt und da und dort ist eine Behandlung angezeigt. Die Schadschwelle liegt bei 10 bis 15 Prozent Befall der Langtriebe. Produkte:
Carbamate: Aztec, Pirimor*, Pirimicarb*, warmes Wetter, Wirkung auf Blutlaus.
Seifen: Natural, Neudosan, Siva 50 (600 bis 1000 l Wasser/ha. Neonicotinoide: falls nicht schon eingesetzt.
Diverse: Teppeki 0,16 Prozent (in der Pflanzenschutzmittelliste falsch angegeben).
Birnblattsauger
Gegenwärtig finden sich orange Eier und Junglarven. Befall laufend überwachen und Töpfchen oder Kaffeefi lter auf Besatz mit Ohrwürmern kontrollieren. Diese sind dieses Jahr auffallend gut besetzt. Fehlt Besatz flächig, eventuell Ohrwürmer mit dem Versetzen der Töpfchen umsiedeln. Behandlungen nur wenn nötig, Vertimec bei Temperaturen unter 20 Grad, Acarac, ByeBye und Amitraz bei Temperaturen über 20 Grad. Bäume stark netzen, das heisst Wassermenge pro ha 600 bis 1000 l.Ist Russtau vorhanden, einen Tag vor der Applikation mit Seife behandeln, auch wenn das Laub etwas nass ist.
Austernschildlaus
Tritt örtlich stärker auf und muss manchmal behandelt werden. Dies ist am erfolgreichsten, wenn die wandernden Larven behandelt werden. Behandlung mit Pyrinex, allenfalls Reldan. Ebenfalls gut benetzen. Wassermenge 400 bis 600 l/ha. Ein solcher Einsatz wirkt auch auf Läuse und zirka zehn Tage auf Wickler.
Phytotox bei Kirschen und Zwetschgen
Aufgrund verschiedener Meldungen und Beobachtungen (nicht im Kanton Thurgau) teilt die Firma Bayer mit: Einzelfälle von vorübergehenden, leichten Blattdeformationen oder Chlorosen an jungen Blättern oder leichte Verbrennungen von Flint in Mischung mit EC Insektiziden (namentlich Perfektion, Reldan, Zolone) oder Flüssigdüngern sind bekannt. Die Mischung mit solchen Zusätzen wird deshalb nicht empfohlen. Auch können bei Überdosierung solche Symptome entstehen. Ursachen von bleibenden Phytotoxschäden und Verbrennungen im grösseren Stiel können aufgrund der derzeitigen Informationslage ausgeschlossen werden.
Pilzkrankheiten
Kirschen Wartefristen jetzt unbedingt einhalten. Bei den späteren Sorten Monilia und Schrotschuss noch einmal behandeln. Alte Mumienfrüchte noch entfernen.
Pflaumenwickler
In den Seelagen kann Insegar gegen Ende Woche eingesetzt werden. Auf dem Seerücken und den mittleren Lagen in der Woche 26, im Hinterthurgau in der Woche 27. Eine Behandlung ist ausreichend. Stewart wird zirka fünf Tage später fällig und es ist eine Wiederholung nach 14 Tagen nötig.
BBZ Arenenberg, Pflanzenschutzdienst, Telefon 071 663 33 04, Urs Müller
