Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Obstbau

Ausgabe Nummer 23 (2014)

Letztes Jahr um die gleiche Zeit stand hier alles etwa 14 Tage später. Dieses Jahr ist es gerade umgekehrt. Im Obstbau sind wir zirka 10 Tage früher und vergleichsweise synchron mit dem Jahr 2011. Trotz des eher kühlen und teilweise verregneten Monats Mai zeigen die verschiedenen Obstarten gute Behänge. Wind, Graupelschauer mit viel Wind, Hagel und lokale Starkniederschläge haben da und dort jedoch bereits zu Schäden am Obst geführt.

Feuerbrand, aktueller Stand
Die Infektionsbedingungen waren geprägt durch eher zu tiefe Temperaturen, Wind und Wolken. Heikle Tage resultierten nur gerade vom 24. bis 26. April. Hier war das Erregerpotenzial noch nicht sehr hoch, die effektiven Tagestemperaturen jedoch teilweise deutlich höher als dies die Wetterprognosen prognostiziert hatten.
Ein grosses Problem in der Beurteilung waren die vielen Wolken, welche die Temperatur im Schatten deutlich absinken liessen. Daneben war es aber oft drückend warm. Feuchtigkeit war genügend vorhanden und die Temperaturen sackten am 28 April markant ab. Diese Ausgangslage führte dazu, dass das auch für diese Saison bewilligte Streptomycin nicht für die Bekämpfung freigegeben wurde. Vereinzelt wurden Parzellen mit dem neuen Produkt LMA bei den spätblühenden Sorten behandelt. War die Nichtfreigabe richtig ?
Die aktuelle Situation zeigt in den Obstanlagen folgendes Bild: trotz der kaum zustande gekommenen Infektionstage wurden ab dem 9. Mai im Raum Romanshorn Salmsach, Egnach und Neukirch Befall an Einzelblüten festgestellt. Bis heute hat sich dieser auf fast alle Gebiete ausgeweitet. Wenige Parzellen haben bei einzelnen Sorten einen stärkeren Befall. Wie ist dies zu erklären: Befall resultiert entweder durch Neuinfektionen über die Blüte als auch über Erreger, welches sich aus den Vorjahren latent halten konnte. Mit Rückriss kann sehr viel saniert werden, wenn dieser auch grosszügig erfolgt. 2007 konnten so sehr viele Obstanlagen gerettet werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Erreger einfach weg ist. Wird der Rückriss zu wenig weit hinten durchgeführt, kann sich das Erregerpotenzial langsam wieder aufbauen. Bei einigermassen günstigen Bedingungen zeigen sich dann auch wieder neue Infektionen. Seit zwei Jahren wurde Feuerbrand im Thurgau nun nicht mehr mit Antibiotika und auch nicht mit anderen Produkten bekämpft. Dieses Jahr zeigt, dass der Erreger eben da ist und entsprechende Bekämpfungsmassnahmen auch in den nächsten Jahren unumgänglich sind. In diesem Sinne wird auch dieses Jahr wieder in der Obstbauzone 1 und um die Schutzobjekte der Obstbauzone 2 eine flächendeckende Feuerbrandkontrolle durchgeführt. Das Schreckensjahr 2007 ist schon weit weg, 2014 zeigt, dass dieses Szenario jedoch jederzeit möglich ist, wenn gar keine Feuerbrandbekämpfung erfolgt. Die Hochstammkontrollen werden wiederum erst gegen Ende Juni beginnen, da vorher oft noch nicht viel zu sehen ist. Obstbaubesitzer in der Zone 2 rufen wir dazu auf, offensichtlich durch Feuerbrand befallene Bäume freiwillig zu roden resp. leichteren Befall zu entfernen. In den Schutzobjekten der Zone 1 sowie in der Obstbauzone 1 werden sowohl Rückriss als auch Rückschnitt nach wie vor entschädigt. Dies in dem Sinne, dass die gesunden Bäume nicht auch noch krank werden sollen.
Die Kontrolleure sind befugt, alle Parzellen zu betreten und Proben zu entnehmen. Auf der Internetseite www.arenenberg.ch sind demnächst die Listen der Gemeindekontaktstellen und der Feuerbrandkontrolleure in den einzelnen Gemeinden zu finden. Wir danken allen Baumbewirtschaftern für die Kooperation im Rahmen eines Gesamtkonzepts.

Apfelwickler
Obwohl das Jahr früher ist als 2013, haben die oft kühlen Abende den Flug des Apfelwickler verzettelt und so auch den Bekämpfungszeitpunkt beeinflusst. Die Bekämpfung des Apfelwicklers in Hochstammbäumen sollte jetzt rasch erfolgen. Es stehen verschiedenste Produkte zur Verfügung. Wir empfehlen wegen der langen Wirkung die Produkte Dimilin, Nomolt. In der Pflanzenschutzempfehlung Flugschrift 122 der Forschungsanstalt Agroscope Wädenswil sind jedoch auch alle anderen möglichen Produkte zu finden, welche eingesetzt werden dürfen. Wir empfehlen diese Produkte aber auch, weil es z.B. keine Bienengifte sind.

Pfaumenwickler
Auch der Pflaumenwickler wird dieses Jahr früher behandelt. Im Thurgau ist die Behandlung mit Insegar, Hagar (Achtung Bienengift, vorgängig mulchen und eventuell abends spritzen) auf die Woche 25 am See und in Südlagen sowie 26 im hinteren Thurgau für den Einsatz von Insegar / Hagar optimal. Mit dieser vorbeugenden Behandlung der zweiten Generation ist die Bekämpfung in der Regel ausreichend, so dass keine zweite Behandlung mehr erfolgen muss.


BBZ Arenenberg,
Urs Müller










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