Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Obstbauern beschäftigen sich mit Pflanzenschutzmitteleinsatz

Ausgabe Nummer 50 (2016)

Mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel sollen die Risiken weiter reduziert werden. Die Obstbauern planen eine eigene Website.

Erstmals leitete Ralph Gilg als Präsident des Thurgauer Obstverbands (TOV) die Präsidentenkonferenz der Obstbauringe. Im Verbandsjahr 2016 standen die Stellungnahme zum Aktionsplan Pflanzenschutzmittel (PSM) sowie das Ressourcenprojekt «Nachhaltiger Obstbau» im Mittelpunkt. Zuhanden des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) wurde als Reaktion auf den Rückzug der Streptomycin-Sonderbewilligung ein Forderungskatalog zur Feuerbrandbekämpfung erarbeitet. In Vorbereitung sei zudem die neue Website «Thurgauer Obst».

Risiken sollen weiter minimiert werden
Urs Müller, Leiter Obst, Gemüse, Beeren am BBZ Arenenberg, erwartet, dass die Ziele des Aktionsplans Pflanzenschutz nur erreicht werden, wenn Bund und Kantone bereit sind, weiter in Forschung und Beratung zu investieren. Neue biotechnische Massnahmen zur Reduktion der Anwendungen und Emissionen von PSM sind wohl in Prüfung, müssen aber in der Praxis etabliert werden, damit der Einsatz von PSM wenigstens zu einem Teil reduziert werden kann. Die Akzeptanz neuer Produktionsmethoden kann nur gefördert werden, wenn durch diese Massnahmen keine Qualitäts- oder Ertragseinbussen in Kauf genommen werden müssen.
Müller wies darauf hin, dass Agroscope umgebaut werde. Daher gebe Agroscope ab 2017 keine Pflanzenschutzmitteilungen mehr heraus. Somit müssen die Kantone ihre PSM-Mitteilungen selbst erarbeiten und können nur noch auf die Prognosemodelle und Beratungsunterlagen von Agroscope zurückgreifen. Erfreulich ist, dass im laufenden Jahr bereits 600 Kilogramm Streptomycin deponiert oder zur Vernichtung an den Hersteller zurückgeschoben wurden. 400 Kilogramm lagern gegenwärtig noch auf den Betrieben. Ein nochmaliger Aufruf zur Rückschiebung soll demnächst erfolgen. Mit einer erneu- ten Sonderbewilligung eines Streptomycin-Einsatzes kann aktuell nicht gerechnet werden.

Werbung für Thurgauer Äpfel
Stefan Anderes, Leiter der Werbekommission TOV, wies darauf hin, dass der Verband bei 22 Anlässen Werbung für Thurgauer Obst machte. Mit 5500 Besuchern war die diesjährige Orientierungslauf- «Öpfel-Trophy» sehr gut besucht. Auch an WEGA und OLMA wurde für Thurgauer Obst geworben.
Im kommenden Jahr sind Apfelwoche, Tag des Apfels, «Öpfel-Trophy» und anderes mehr geplant. Auch ein Auftritt an der WEGA ist vorgesehen. Im kommenden Jahr ist der Thurgau Gastkanton an der OLMA in St. Gallen, wo auch die künftige Thurgauer Apfelkönigin gekürt werden soll.

Mehr Äpfel – weniger Kirschen als im Vorjahr
Jürg Hess orientierte über die Marktsituation beim Tafelobst: Per Ende November 2016 betrug der Lagerbestand bei den Äpfeln 61 766 Tonnen. Dies sind 2230 Tonnen mehr als im Vorjahr und eine deutliche Überschreitung des Ziellagerbestandes. Entsprechend wird mit einer schmerzhaften Senkung der Produzentenpreise gerechnet, damit dieser hohe Lagerbestand vermarktet werden kann. Der Hauptanteil macht Gala mit 16 078 Tonnen gefolgt von Golden, Premiumsorten und Braeburn. Rubinette und Cox sind praktisch ausverkauft. Summerred und Gravensteiner wurden mit 1,37 Franken und 1,32 Franken je Kilogramm definitiv festgelegt.
Thomas Lehner stellte die Situation beim Steinobst vor. Er sprach von einer geringen Kirschenmenge, welche durch die nasskalten Frühjahrstemperaturen geprägt wurde. Bei der Zwetschgenmenge sprach er von einem Mehrjahresdurchschnitt von 30 061 Tonnen und späten Ernteterminen. Wie Lehner feststellte, bringt das Wallis Veränderungen im Steinobstmarkt. Er sprach von Preisdruck aufgrund eines anderen Qualitätsverständnisses.

Grosse Mostobsternte in der Ostschweiz
Ivan Hungerbühler informierte über die Situation beim Mostobst. Der Inlandbedarf von 80 000 Tonnen Äpfeln konnte zu 100 Prozent erfüllt werden. Bei den Mostbirnen herrscht dieses Jahr aufgrund der starken Frostschäden seit Jahren erstmals wieder ein Mangel. Das Inventar per 31. Oktober 2016 beträgt bei den Äpfeln 14 140 Tonnen (18 Prozent) und 2400 Tonnen (25 Prozent). Die Ernte 2016 ergab 94 390 Tonnen (118 Prozent) bei den Äpfeln und 6850 Tonnen (71 Prozent) bei den Birnen. Die Ernteschätzung betrug bei den Äpfeln 77 570 Tonnen. Hungerbühler sprach in der Ostschweiz von einer grossen, in der Zentralschweiz von einer eher kleinen und in der Westschweiz von einer kleinen Ernte.


Mario Tosato







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