Ausgabe Nummer 21 (2007)
Obstbauern fordern Streptomycin
Grosses Medieninteresse am Feuerbrand
An einer sehr gut besuchten Medienkonferenz in Egnach fordern die Ostschweizer Obstproduzenten den kontrollierten Einsatz von Antibiotika und Entschädigungen aus dem Pflanzenschutzfonds.Übereinstimmend sprachen Edwin Huber, Präsident Thurgauer Obstverband, Beat Lehner, Präsident Arbeitsgemeinschaft Thurgauer Obstbauern (Thuro), sowie Rico Lehmann, Präsident St. Galler Obstproduzenten, an einer Medienkonferenz in Egnach von einem katastrophalen Ausmass bei der Verbreitung des Feuerbrands. Laut Urs Müller, Feuerbrandexperte BBZ Arenenberg, mussten im Thurgau bis jetzt rund 20 Hektaren mit ungefähr 60 000 Bäumen gerodet werden.Nach Angaben von Richard Hollenstein, Fachstelle Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen, mussten im Kanton St. Gallen auf 15 Hektaren Niederstammapfelkulturen zirka 50000 Bäume vernichtet werden. Müller und Hollenstein gehen davon aus, dass es in ein paar Wochen mehr als doppelt so viel sein werden. Sie glauben auch, dass viele Hochstammbäume aus dem Landschaftsbild verschwinden werden. Wie viele es ein werden, könne man zurzeit noch nicht sagen, weil sich bei den Hochstämmern das Ausmass der bakteriellen Krankheit erst später bemerkbar mache.
Zukunft Obstbau im Thurgau
Wie Edwin Huber, Präsident Thurgauer Obstverband, erklärte, bleibe es das Ziel und zugleich die Hoffnung, dass am Obstbaukanton Thurgau weiterhin festgehalten werden könne.An einer bereits geplanten, breit abgestützten Veranstaltung in Form eines Hearings im Juni werden in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Obstverband verschiedene Szenarien und Ideen diskutiert. Diese müssten zum grössten Teil aber noch erarbeitet und in den betroffenen Gebieten diskutiert werden. (tos)
Forderungen der Ostschweizer Obstproduzenten
Lehner wies daraufhin, dass der Kanton Thurgau der bedeutendste Obstbaukanton der Schweiz sei. Dabei habe nicht nur die Produktion eine grosse Bedeutung, sondern auch die vor- und nachgelagerten Betriebe wie die Obsthandelsfirmen und die Mostereien. Die Thurgauer Obstbauern möchten diesen hohen Stellenwert beibehalten. Zusammen mit den St. Galler Berufskollegen stellen die Thurgauer Obstbauern folgende Forderungen: Wie bisher soll der Feuerbrand in allen befallenen Kulturen durch sauberes Herausreissen oder Roden entfernt werden. Dies gelte sowohl für Nieder- und Hochstämme sowie den Zierpflanzenbau. Bei der Bekämpfung des Feuerbrandes fordern die Ostschweizer gleich lange Spiesse wie im umliegenden Ausland und Gebieten aus welchen Äpfel importiert werden. Sie verlangen unmissverständlich, dass der Bund das Antibiotika um Streptomycin für einen punktuellen Einsatz zulässt.
Bisher wurden im Thurgau 13 Millionen Franken aufgewendet
Aus dem Pflanzenschutzfonds soll für die hohen Aufwendungen und den Ertragsverlust durch das Herausreissen der Äste eine Entschädigung erfolgen. Die Obstbauern bitten um Verständnis und die Unterstützung der kantonalen und nationalen Politik und der Amtsstellen. Anwesende Obstbauern brachten klar zum Ausdruck, dass sie um ihre Existenz bangen und vor einer sehr unsicheren Zukunft stünden. Für die Situation der Obstbauern zeigt Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt Thurgau, grosses Verständnis. Er erinnerte daran, dass der Kanton Thurgau seit dem Jahr 2000 rund 13,2 Millionen Franken für die Bekämpfung des Feuerbrandes aufwendete. 82 Prozent davon wurden für die Rodung der Wirzpflanzen, 6 Prozent für Hochstämmer, 9 Prozent für Niederstammkulturen und 13 Prozent für die Kontrollen eingesetzt. Auch Regierungsrat macht sich Sorgen Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer drückte sein Mitgefühl für die schwer geprüften Obstbauern aus. Er bekräftigte, dass auch er sich grosse Sorgen mache. Er versprach, dass die Thurgauer Regierung prüfen werde, ob sie beim Bund ein neues Gesuch für die Freigabe von Streptomycin einreichen wolle. Im bisher für den Kanton Thurgau schlimmsten Jahr 2000 habe das Bundesamt für Landwirtschaft einen entsprechenden Antrag abgelehnt.
Mario Tosato
Feuerbrand: Anlaufstellen für Betroffene
- Informationen und Merkblätter zum Feuerbrand: www.feuerbrand.ch
- Fragen zum Feuerbrand:
BBZ Arenenberg, Fachstelle Pflanzenbau und Ökologie,
Telefon 071 663 31 40/04
- Fragen zu Obstkulturen:
BBZ Arenenberg, Fachstelle für Obst- und Rebbau,
Telefon 071 663 33 03
- Fragen zu Entschädigungen:
Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau, Hans Stettler,
Telefon 052 724 25 92
- Fragen zu Krediten für unverschuldet in Not Geratene:
GLIB, Geschäftsstelle, Weinfelden,
Telefon 071 622 10 62
- Betriebswirtschaftliche Fragen:
BBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung, Weinfelden,
Telefon 071 622 10 22
- Steuerfragen:
Ihr Treuhänder oder AgroTreuhand Thurgau AG, Weinfelden,
Telefon 071 626 80 80
- Allgemeine Fragen:
Thurgauer Bauernverband, Weinfelden, Telefon 071 626 28 88
Hermine Hascher, Geschäftsführerin, Thurgauer Bauernverband

Mit «Herzblut» muss Edwin Huber, zusammen mit anderen Obstproduzenten, Niederstammbäume verbrennen. (tos)
