Ausgabe Nummer 3 (2008)
Obstbauern warten auf Streptomycinentscheid
Pro Natura Thurgau lehnt den Einsatz von Streptomycin ab
An der Thuro-Fachtagung in Zihlschlacht befassten sich die Obstbauern mit Feuerbrandbekämpfung, dem Einsatz von Streptomycin, alternativen Präparaten und Entflechtungsmassnahmen im Obstbau.Zu Beginn des letzten Jahres habe sich die Obstbaubranche punkto Feuerbrand in Sicherheit gewiegt, stellte Beat Lehner, Präsident, Arbeitsgemeinschaft Thurgauer Obstbauern (Thuro), an der Fachtagung fest. Die flächendeckende «Epidemie » des vergangenen Jahres habe für viele Betriebe verheerende Folgen. Für die Zukunft forderte Lehner die konsequente Ausmerzung der befallenen Bäume. Da es zurzeit keine adäquaten, alternativen Präparate zu Streptomycin gebe, müsse der gezielte und kontrollierte Einsatz dieses Antibiotikums vom Bundesrat freigegeben werden. Ein Entscheid werde in den kommenden Wochen erwartet.
Hoffen auf Streptomycin
Urs Müller vom BBZ Arenenberg blickte noch einmal auf das «Feuerbrandjahr 2007» zurück. Dabei stellte er fest, dass die Rodungen der befallenen Bäume auf einigen wenigen Betrieben nur schwer durchgesetzt werden konnten.
Drei St. Galler Bauern, die sich gegen die Rodungen wehrten, stehen nun vor dem Bundesverwaltungsgericht. «Ein Entscheid, der sie schützt, hätte für den Thurgau negative Folgen», sagte Müller. Für die Feuerbrandbekämpfung des laufenden Jahres hofft er auf die Bewilligung von Streptomycin. Der Warndienst und die Kontrollen würden weiter ausgebaut.
Entflechtungsmassnahmen
Bruno Hugentobler, BBZ Arenenberg, berichtete über die Arbeitsgruppe, die sich mit Entflechtungsmassnahmen für das Projekt «Zukunft Obstbau» befasst. Als mögliche Entflechtungsgebiete mit Vorrang Niederstammkulturen nannte er Mammern, Salenstein, Berg/Opfershofen, Münsterlingen, Altnau, Güttingen, Kesswil und Uttwil. Bestehende Kulturen sollen gesäubert und stark befallene Kulturen gerodet werden. Wichtig sei eine regelmässige Kontrolle und Sanierung. Befallene Hochstammbäume sollen gerodet werden. Bei der Entflechtungszone mit Vorrang Kernobst-Hochstammbäume in der Region Märwil?Schönholzerswilen gelten ähnliche Kriterien. Laut Hugentobler sind die Entflechtungsmassnahmen unabhängig vom Entscheid des Streptomycineinsatzes nötig.
Erfahrungen in Deutschland
Wie Esther Moltmann, Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg, Aussenstelle Stuttgart (D), berichtete, ist der Einsatz von Streptomycin auch in Deutschland umstritten, dennoch wurde dieses Präparat seit dem Jahr 2003 mit starken Kontrollen genehmigt. Am Versuchsstandort Kirschgartshausen (D) wurden Versuche mit guten Resultaten durchgeführt. Dabei wurde bei Streptomycin ein Wirkungsgrad von 70 bis 90 Prozent registriert. Das Hefepräparat Blossom Protect zeigte zwar eine gute Wirkung, entspreche aber bei gleicher Anwendungshäufigkeit nicht jener von Streptomycin. Zudem fördere das Hefepräparat bei empfindlichen Sorten die Berostung.
Nicht nur Ertragswert wichtig
Toni Kappeler, Präsident Pro Natura Thurgau, möchte mithelfen, Probleme um den Feuerbrand zu lösen. Dabei lehne aber Pro Natura den Einsatz von Streptomycin ab, insbesondere weil Resistenzbildungen bei Feuerbrand- und andern Bakterien nachgewiesen seien. Hingegen werden die beiden Projekte zur landschafts- und naturverträglichen Entflechtung von Hochstammbaumgärten und Niederstammanlagen unterstützt. Dabei sollen beide gleichberechtigt behandelt werden. Nach Ansicht von Kappeler soll die Interessenabwägung nicht allein auf Grund des Ertragswertes, sondern auch unter Berücksichtigung des ökologisch-landschaftlichen Wertes des Hochstamm-Obstbaumes geschehen.
Mario Tosato

Bruno Hugentobler, Esther Moltmann, Urs Müller und Beat Lehner (v. l.) befassten sich an der Fachtagung mit dem Thema Feuerbrand. (tos)
