Ausgabe Nummer 44 (2006)

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Obstfachreise in die Romandie

Obstfachreise des Netzwerks Wädenswil

Was geht wohl im Obstbau der Suisse Romande?

Diese Frage stellten sich 38 Teilnehmer der Obstfachreise des Netzwerks Wädenswil, als sie vom 10. bis 12. August 2006 das Waadtland und Wallis besuchten. Die Tour startete auf dem Obstbaubetrieb Winkelmann in Studen BE, ging weiter in das Centre Fruitière Perroy und führte die Reisegruppe in zahlreiche innovative Obstbaubetriebe des Wallis, begleitet von Produzentenvertreter Georg Bregy.

Betrieb Winkelmann
Der Obstbaubetrieb Winkelmann in Studen BE wird von drei Familien, den Brüdern Martin, Walter und Ruedi sowie Seniorchef Arnold geführt und ist in den letzten Jahren zu einem 22 ha Kernobstbetrieb mit eigenem Lager für 1500 t Obst gewachsen. 6 ha sind gepachtet. Hauptsorten bei den 15.5 ha Äpfel sind 6 ha Gala, 2 ha Golden, 2 ha Idared, 1 ha Boskoop, 0.8 ha Braeburn. Von 4 ha Birnen sind 1 ha Conférence, 0.8 ha Kaiser und 0.4 ha Williams. Auf dem Rundgang durch die Kulturen erklärte Martin Winkelmann das Betriebskonzept. Die Bäume wurden alle im Abstand von 4 x 1 m gepflanzt. 90 Prozent der Flächen stehen unter Hagelnetz. Alles ist mit Überkronenberegnung ausgerüstet (Blütenfrost 1997, Trockenheit 2003 und 2006). Früher wurde mit 2 Pluck-o-trac geerntet. Jetzt wird mit 6 Erntezügen mit je 6 bis 8 Grosskisten gepflückt. Die Parzellen liegen weit auseinander. Aus 250 m langen Reihen ist das Abführen der Kisten mit Erntezügen einfacher. Seit einigen Jahren arbeitet der Betrieb mit Rossmist, um den Boden (sandiger Lehm) nachhaltig zu verbessern. In einigen Parzellen stieg der Humus auf 4 Prozent an. Die Bäume haben viel Wuchs, wobei auch überdurchschnittliche Erträge geerntet werden können. Vereinzelt sah man Alternanz, besonders an Boskoop. Bei der letzten Lagererweiterung vor zwei Jahren wurde für 850 t Lager 1.1Mio. Fr. investiert. Dies führte zu einer strategischen Zusammenarbeit mit der Firma Geiser Langenthal, die sich mit 20 Prozent am Projekt beteiligte. Der Neubau des Obstlagers ist praktisch und schlicht gehalten. Zweckmässig ist auch der Maschinenpark. Der jüngste Traktor ist 18 Jahre alt. Vier Personen sortieren mit der Sortieranlage nach Grösse und Farbe 1 bis 1,5 t pro Stunde. Der Betrieb ist ADR-Hauptlieferant für Kernobst bei der Migros-Genossenschaft ?Aare?(ADR = Aus der Region für die Region). Sie übernimmt 60 Prozent des Obstes, 20 Prozent wird für Geiser abgepackt, 12 Prozent geht an Kleinhändler und 8 Prozent des Obstes wird im Hofladen verkauft. Der Kanton Bern hat 140 ha Kernobst, wobei der Durchschnitt bei 1 ha Anlage pro Betrieb liegt.

Centre Fruitière Perroy
Das Centre Fruitière Perroy ist 1946 aus dem Zusammenschluss mehrerer Genossenschaften entstanden und gehört zur Fenaco. Geschäftsführer Daniel Hoffmann zeigte den Besuchern das Lager für 10"000 t Kernobst und die Abpackanlage. 80 Produzenten bewirtschaften 400 ha Obstanlagen und müssen 100 Prozent der Ernte hier verkaufen. 80 Prozent der Flächen werden von Betriebsleitern im Alter von 30 bis 40 Jahren bewirtschaftet. Dies spiegelt die Dynamik des ansässigen Obstbaus. Das Genferseegebiet umfasst 769 ha Obstbau, wie Richard Olivier von der kantonalen Fachstelle und Paul Bertuchoz von der Union Fruitière Lémanique ausführten. Daniel Hoffmann erklärte eindrücklich, was im Obsthandel eine Marke wie ?Golden Victor? alles kann. Diese Früchte brauchen 14° Brix Zucker und 8 kg/cm2 Fruchtfestigkeit, eine gelbliche Grundfarbe mit einer leichten rosa Backe. 10 Prozent der angelieferten Golden erfüllen diese Kriterien. Eine Marke zeichnet sich durch ihren Inhalt sprich Qualität aus. Es ist mehr als ein Werbegag. Gut eingeführte Marken schaffen Kundenbindung und haben einen hohen Wiedererkennungsgrad. Bei gleichen Angeboten fällt der Kaufentscheid oft zu Gunsten eines Markenprodukts aus, erläuterte Daniel Hoffmann. Die meisten ?Golden Victor? werden nach Frankreich exportiert. Die Besucher staunten, dass der Transport lastwagenweise nach Paris günstiger ist, als ein paar Paletten nach Zürich zu liefern. Perroy baut von der Clubsorte Tentation (Versuchung) gegenwärtig 15 ha an. Diese neue Sorte ist mittelgross, leicht rotbackig, golden-ähnlich, mit einem ausgewogenen Zucker-Säure-Verhältnis, reift 18 Tage nach Golden und muss sehr gut ausgepflückt werden. Produzentenpreise der Kl.1 waren bei Tentation 1.60 Fr./kg Golden Victor 1.06 Fr./kg Golden Delicious 0.96 Fr./kg.

Betrieb Magnollay
Luc Magnollay, Etoy bewirtschaftet einen Betrieb mit 73 ha, wovon 34 ha Obstbau, 9 ha Rebbau und 30 ha Ackerbau sind. Er ist Präsident des Centre Fruitière, Perroy. Nur die Hälfte seiner Obstflächen steht unter Hagelnetz. Er würde gern mehr Obstfläche mit Hagelnetz schützen, doch lässt es das Dorf aufgrund des geschützten Dorfbildes nicht zu. Bei straff gespannten Hagelnetzen wurde längs ein Streifen von 80 cm Netz angenäht. Damit hängen die Netze lockerer und entleeren sich bei Hagel besser. Die ?Golden Viktor? werden nur unter weissen Netzen produziert, da der Lichtverlust kleiner ist. Bei der Ernte werden Grosskisten verteilt, gefüllt und mit Traktor und Stapler aus der Reihe geholt. Zum Transport auf den Betrieb kann ein Stapel-Wagen 12 Grosskisten miteinander aufheben, abführen und absetzen. Die Jungpflanzen kommen oft aus Frankreich für 5 ?/Baum + Zoll, ca. 9.30 Fr./Baum. Beim Winterschnitt wird im Innern der Baumkrone schwaches Fruchtholz ausgebrochen, was ?Extinktion? genannt wird. 50 bis 80 Stunden/ha wird dafür aufgewendet. Damit steigt die Fruchtqualität und der Aufwand für Handausdünnung sinkt. Beeindruckt von der einfachen Baumform und der Arbeitseffizienz fuhr die Reisegruppe weiter ins Wallis, wo sie im Motel du Sport, Martigny logierte.

Betrieb Moret
Xavier Moret, Martigny ist Vizepräsident des SOV und führt einen Obstbau- und Handelsbetrieb mit seinem Bruder Benoît. Die Besucher wurden von Betriebsleiter Hubert Zufferey durch die Kulturen geführt. Der Betrieb umfasst 53 ha. Er wurde im Sommer 2005 Eurep-Gap zertifiziert. Die 30 ha Apfelproduktion verteilt sich auf 13 ha Gala, 3 ha Braeburn, 2 ha Golden und 2 ha Maigold und 10 ha übrige Sorten. Dazu kommen 10 ha Birnen, 1 ha Zwetschgen und 12 ha Aprikosen mit den Hauptsorten Goldrich, Orangered und Bergarouge. Im kommenden Jahr ist eine Neupflanzung der neuen Apfelclubsorte Jazz von 4 ha geplant. In der Schweiz wird die Clubsorte Jazz von der Firma Geiser vertreten, die mit 60 ha in den Markt einsteigen will, wie Hubert Zufferey erklärte. Das ULO-Lager umfasst 1200 t Kapazität. Gegenwärtig wird ein Neubau mit der Firma Granges realisiert, der für 3000 t ULO Lager Platz bietet. Geschäftsführer dieser neuen Firma wird Hubert Zufferey, der früher das Amt des Walliser Produzentenvertreters inne hatte und dessen Nachfolger Georg Bregy diese Reise mitorganisierte.

Centre des Fougères
Das Centre des Fougères in Conthey ist eine Station der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW. 30 Personen arbeiten hier. André Ançay zeigte den Besuchern die Erdbeerversuche in Substratkulturen im Tunnel, sowie Anbautechniken der Strauchbeeren. Philippe Monney erläuterte die Kernobstsortenprüfung. Solaxe ist die Baumerziehung, bei der die Mitte der Spindel ab 2m Richtung Norden gebunden wird. Dadurch verliert der Baum an Wuchs und ist einfacher in der Höhe zu begrenzen, bei steigender Qualität und steigendem spezifischem Ertrag.

Biofruits SA
Die Firma Biofruits SA in Conthey ist ein Bio-Obstunternehmen mit 9 Produzenten, welche 170 ha Kulturen bewirtschaften. Olivier Cordey, der Geschäftsführer, pflegt 100 ha. Das neue Lager mit vollautomatisiertem Abpackbetrieb umfasst 3000 t und wurde letztes Jahr für 13 Mio. Fr. erstellt. Olivier Cordey hat 1992 mit Bio begonnen. Während der Vegetation fällt 300 bis 450mm Regen, dazu weht immer ein Wind. Somit ist Schorf kein Problem. 70 Portugiesen sind angestellt, die zeitweise auch ausserhalb des Betriebes in Erbeeren, Spargel oder Reben arbeiten.

Alle Reiseteilnehmer waren beeindruckt von den besuchten Betrieben und dem Stand des Obstbaus in der Suisse Romande. Der Strukturwandel ist weit vorangeschritten, weiter als es sich einige Ostschweizer Besucher vorgestellt hatten. Ein Kameramann begleitete diese Obstfachreise und hielt die interessantesten Augenblicke in einem sehenswerten DVD-Film von 20 Minuten fest. Er kann beim Netzwerk Wädenswil für 20.- Fr. bezogen werden. Bestellungen per E-Mail an obstreisen@netzwerkwaedenswil.ch

Paul Wirth , Berg (TG)


Die Marke „Golden Victor“ ist ein Exporterfolg“ (Paul Wirth)
Die Marke „Golden Victor“ ist ein Exporterfolg“ (Paul Wirth)