Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Öffentlicher Schlachtviehmarkt bringt den Bauern Vorteile

Ausgabe Nummer 24 (2014)

Die Verantwortlichen des Schlachtviehmarktes in Weinfelden bangen um den Fortbestand ihres Anlasses. Durchschnittlich 50 und mehr Tiere müssen aufgeführt werden, sonst ist der Markt in Gefahr.

Am Schlachtviehmarkt vom 3. Juni 2014 im Sangen, Weinfelden, wurden total 25 Tiere aufgeführt. Die Infrastruktur im Sangen bietet aber problemlos Platz für bis zu 100 Tiere pro Schlachtviehmarkt. Roland Werner, Präsident der Erzeugergemeinschaft (EZG) Bodensee Fleisch AG, Urs Schwizer, Geschäftsführer EZG Bodenseefleisch AG, und Claus Ullmann, Verwaltungsrat der Proviande, fürchten um den Fortbestand des öffentlichen Marktes in Weinfelden. Der Bund erteilt der Proviande den Leistungsauftrag für die Organisation der öffentlichen Märkte, welche die aktuelle Marktlage des Schlachtviehs bestens präsentieren. Die Auffuhren und realisierten Preise an den öffentlichen Märkten sind für den Verwaltungsrat der Proviande wichtige Gradmesser bei den Diskussionen über die Preisbildung und die Importfreigaben, so Ullmann. Davon profitieren besonders auch die Munimäster. Die Versteigerung vom 3. Juni hat bewiesen, dass der gute Tabellenpreis im lebhaften Verkauf bei sämtlichen Tieren teils massiv überboten wurde. Die Landwirte konnten so von guten Erlösen profitieren, stellt Urs Schwizer fest. Seiner Ansicht nach sind die Preise sehr transparent und nachvollziehbar.

Wöchentliche Preisbildung
Die realisierten Preise wirken unmittelbar neben den Markteinschätzungen der grossen Schlachthöfe auf die Preisbildung der Wochentabelle ein. Mit den Schlachtviehmärkten wirkt somit neben den Meldungen der Schlachtbetriebe ein zusätzliches, marktorientiertes Element mit. Als Vergleich kann der Schweinemarkt herangezogen werden. Hier wird die Preisbildung in erster Linie durch die Grossmetzgereien bestimmt.
Ein Schlachtviehmarkt im Dienste der ganzen Branche wird immer Anfang Monat auch im Herzen des Kantons Thurgau, im Sangen in Weinfelden, durchgeführt. In erster Line werden aus Infrastrukturgründen abgehende Milchkühe vermarktet.

Schlachtviehmarkt bürgt für gute faire Preise
Der Weinfelder Schlachtviehmarkt zeigte sich in den vergangenen Jahren als Garant für gute aktuelle Preise sowie Transparenz und sorgte bei schlechter Marktlage für eine Abnahmegarantie. Für die Tierhalter ist es eine echte Alternative zu den herkömmlichen Vermarktungsmöglichkeiten. Bei der traditionellen Vermarktung holt der Händler das Vieh ab, die Taxierung durch die Proviande erfolgt im Nachhinein am Fleischkörper. Es kann sein, dass der Bauer noch mit Abzügen rechnen muss. Anders ist der Verkauf auf dem öffentlichen Markt: Das Vieh wird angemeldet, auf Wunsch transportiert, gewogen, das lebende Vieh durch die Proviande taxiert, die Versteigerung kann beginnen. Jeden Monat sind 6 bis 12 verschiede Viehhändler aus der ganzen Deutschschweiz auf dem Platz und bekunden ihr Interesse. Teilweise werden die Tiere 30 bis 40 Rappen über der Proviande- Wochenpreistabelle verkauft.

Viele Vorteile für die Bauern
Auf die Frage, welche Vorteile der öffentliche Markt dem Landwirt biete, antwortet Roland Werner, dass hier ein echter Wettbewerb stattfindet. Der Meistbietende bekommt das Tier, die Gebühren für den Landwirt sind klein, das Geld ist innert 10 Tagen beim Bauer, es erfolgt kein Konfiskatabzug (Lunge, Leber) und die Transparenz von Qualität und Preis ist gewährleistet. Der Markt bringt aber auch Vorteile für die Händler. Sie sehen auf einen Blick das Angebot und müssen nicht mehr von Stall zu Stall gehen. Ernst Zöbel, Geschäftsführer der Carnex AG, Tegerfelden, spricht von einer guten Kaufmöglichkeit für die Händler. Der Markt sei eine ideale Ergänzung zum herkömmlichen Viehhandel, ist doch die Qualität der Tiere auf einen Blick sichtbar und dem Bedürfnis entsprechend kann eingekauft werden. Ein Wegfall des Marktes in Weinfelden würde Zöbel bedauern.


Mario Tosato










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