Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Öffnung statt Abschottung: Schweiz als Insel, wie lange noch?

Ausgabe Nummer 36 (2015)

An einem Zweitagesseminar griffen die Chefs der kantonalen Bauernverbände und der Fachorganisationen aktuelle Themen der Schweiz der weltweiten Landwirtschaft auf.

Zu einem Update und Austausch trafen sich alle operativen Leiter der kantonalen Bauernverbände und der Fachorganisationen der Schweizer Landwirtschaft (KOL) im kleinsten Vollkanton der Schweiz, im Kanton Zug. Die Fachtagung fand am 27. und 28. August 2015 unter der Leitung des SBV an der Landwirtschaftlichen Schule Schluechthof in Cham statt. In Zug kamen nicht nur Schweizer Themen zur Sprache, auch der internationale Agrarfreihandel wurde kompetent zur Sprache gebracht. Dabei ging es mehr um Öffnung als um Abschottung. In einem Referat gab Willi Kampmann, Chef der internationalen Beziehungen des Deutschen Bauernverbands und DBV-Delegationsleiter bei der EU in Brüssel Einblick in die Aussenhandelspolitik der EU und die Perspektiven der deutschen Landwirtschaft. Er stellte die Frage in den Raum: «Wie lange hält die Schweiz den Inselstatus noch aus?»
Angesichts der weltweiten Entwicklung der Agrarproduktion empfiehlt er den Europäern – und auch der Schweiz – den Vorwärtsgang. Auch vor einem Freihandelsabkommen mit den USA braucht sich Europa nicht zu fürchten, «da haben wir was zu bieten, denn bereits heute exportiert die EU für 10 Milliarden Euro mehr Agrarerzeugnisse in die USA als umgekehrt. » Selbst Frankreich könne davon profitieren, man müsse nur mal in eine amerikanische Käsetheke schauen, da springe einem das Potenzial für Qualitätsprodukte aus Europa geradezu ins Auge, betonte Kampmann vor den versammelten Verantwortungsträgern der landwirtschaftlichen Organisationen.
Oben auf der Traktandenliste der Tagung standen auch die Frankenstärke mit Umsetzung der Kampagne «Wow» sowie die Vorstellung des Crowd-Funding- Prinzips als Möglichkeit der Mittelbeschaffung für Projekte. Auch über Umweltthemen, die Schweizer Agrarforschung und die Märkte wurde debattiert. Der grosse Preisdruck bei Milch, Schweinefleisch, Zuckerrüben und die vielerorts ungenügenden Futtervorräte gaben Anlass zu regen Diskussionen.
Andre Rüttimann, der Geschäftsführer des Zuger Bauernverbands, schätzte nicht nur die Fachdiskussionen an der KOL-Tagung, sondern auch den Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern. Auch die Kontaktpflege unter Berufskollegen am Abend auf dem Biohof Zug mit Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel, dem obersten Chef der 500 Bauernbetriebe und 50 000 Feldobst-Hochstammbäume, war ein Highlight der Tagung. (lid)










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