Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Ökoheu fällt buchstäblich ins Wasser

Ausgabe Nummer 25 (2016)

Eigentlich hätte am 15. Juni der Auftakt zum Heuen der Ökowiesen sein sollen. Doch das eher nasse Wetter verzögert den Heuet, und mit jedem zusätzlichen Tag verzeichnet man bei diesem Futter einen massiven Qualitätsverlust.

Eigentlich sollte am 15. Juni das staatlich verordnete Heuen der Ökowiesen beginnen, doch das anhaltend schlechte Wetter machte allen einen Strich durch die Rechnung. Die vielerorts überständigen und längst verblüten Wiesen können nicht gemäht, geschweige denn das Gras noch getrocknet werden. Mit jedem Tag verliert das bereits minderwertige Futter beachtlicher Flächen an Futterwert und Schmackhaftigkeit. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben und dazugehörenden Verordnungen sind die Bauern aber verpflichtet, diese Wiesen zu mähen und das Schnittgut abzuführen. Ein Mulchen ist nicht erlaubt. Doch nicht als Ökofutter gelangt es auf den Futterstock, sondern endet aus Qualitätsgründen auf dem Kompost oder Strohstock als Einstreu. «Der zu späte Schnitt führt zu Schimmelbildung. Nach der Blüte verpilzen grundsätzlich alle Pflanzenhalme. Kommen dann noch ungünstigere Witterungsverhältnisse dazu, ist das Heu von Anfang an schimmlig. Bei einem zu späten Mähtermin sind die Untergräser bereits eingewachsen und die Obergräser extrem lang», heisst es in der Fachliteratur. «Dieses verspätet als Heu geerntetes Futter kann ich meinen Kühen nicht mehr zumuten. Wir essen ja auch nicht angefaultes und angeschimmeltes Gemüse und Obst», meinte kürzlich ein Weinländer Bauer, welcher auf seinem Hof, wie viele andere, vermehrt als Zusatzfütterung spezielles Importheu verwendet. Dabei handelt es sich um heissluftgetrocknete Luzerne in Ballen. Damit kann insbesondere in der Milchviehfütterung die Basisration mit wertvoller Struktur bereichert und ergänzt werden, ohne dass die Energieund Eiweissdichte reduzieret wird. Die in den Ballen vorhandenen noch 3 bis 6 cm langen Halme regen die Wiederkautätigkeit und auch die Verdauung an und beugen der Pansenacidose vor.

Ökologischer Widerspruch
Doch hinter diesem Ökoheu steckt zugleich ein staatlich verordneter ökologischer Unfug. Während in der Schweiz wegen der staatlichen Vorgaben des Mähbeginns frühestens am 15. Juni eine sinnvolle Heuernte mit möglichst hohem Futterwert unter der Vorgabe von ökologischen Gründen verhindert wird, landet dieses minderwertige Heu grösstenteils noch als unbedeutendes Zusatzfutter in der Futterkrippe von Galtkühen, Rindern und Pferden oder auf dem Kompostplatz. Gleichzeitig sind die Milchviehhalter aber darauf angewiesen, nicht zuletzt auf Druck einer graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF), ihre Tiere (Milchvieh) mit möglichst viel Gras, Heu und Grassilage zu füttern und den Kraftfuttereinsatz tief zu halten. Andere setzen vorerst auf den Einsatz von Maissilage oder Kraftfutter, um eine möglichst ideale wiederkäuergerechte Ernährung zu gewährleisten.
In der EU und insbesondere Italien, Frankreich und Spanien fördert die EU mit beachtlichen Mitteln den Betrieb energieintensiver Trocknungsanlagen, wo speziell Luzerne getrocknet wird. Durch dieses Verfahren der künstlichen Trocknung kann ein Grossteil der entsprechenden Qualitäten erhalten werden. Die getrocknete Luzerne wird anschliessend zu Grossballen gepresst und als solche zu sehr günstigen Bedingungen in die Schweiz eingeführt. Täglich werden so rund 500 Tonnen Heu importiert.


Roland Müller

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