Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Oh... der Schweizer Käse schmeckt lecker!

Ausgabe Nummer 1 (2015)

«Oh ja, der Schweizer Käse schmeckt lecker!», war der meist gehörte Satz anlässlich des Auftrittes mit den Milchproduzenten rund um die Käserei Sturzenegger am Weihnachtsmarkt in Donaueschingen, Mitte Dezember.

Bereits das zweite Jahr betreiben die Thurgauer Milchlieferanten und die Käserei Sturzenegger aus Wigoltingen einen Stand am zweitägigen, vorweihnächtlich gestimmten Markt im Schwarzwald.
War es vor einem Jahr noch das BBZ Arenenberg, welche die Führung diese Testmarktes inne hatte, so wirkten diesmal die Milchproduzenten zusammen mit der Käserfamilie.
Im vergangenen Jahr lag der Schwerpunkt am Testmarkt mit Raclette und Fondue zur Degustation und zum Verkauf, zubereitet auf einer Finnenkerze am offenen Feuer. Dieses Jahr kam der neu kreierte «Schwingerkönig-Käse» dazu. Der «Schwingerkäse» wurde auf Wunsch eines grossen Käsehändlers aus dem Schwarzwald gestaltet und am Markt erstmals öffentlich lanciert.

Die deutschen Kunden kennen die Bräuche der Schweizer
Interessant ist, dass der Schwingsport im süddeutschen Raum einen grossen Bekanntheitsgrad aufweist. «Schwingerkönig» wird mit «stark» oder «kräftig » und «charaktervoll» in Verbindung gebracht. Es kann immer wieder festgestellt werden, dass die Süddeutschen die Schweiz und ihre Eigenheiten sehr gut kennen.
Von den Marktbesuchern wurde es sehr geschätzt, dass die Milchbäuerinnen und Bauern wie auch die Käser mitsamt Lehrling selbst am Stand präsent waren. Dabei entstanden rund um die Ernährungspolitik viele interessante Gespräche, weniger um den Preis als vielmehr nach dem Wunsch zur Produktionsnähe und Sicherheit.

«Heumilch» und «Bergkäse» sind ein wichtiges Kundenkriterium
Der Begriff «Heumilch» (entspricht in der Schweiz der «silofreien Käsereimilch») ist in Deutschland weit bekannt und geschätzt. Diesbezüglich haben die Vorarlberger eine grosse Vorarbeit geleistet und sind am deutschen Markt entsprechend erfolgreich unterwegs. Dabei werden die Kriterien «laktosefrei» und «gentechnikfrei» offen ausgewiesen. Erfolgreich auch, weil beispielsweise der Bregenzerwald den Tourismus und die Käsevermarktung auf die gleiche Ebene stellt, somit können beide voneinander profitieren.

Kaum noch eine grössere Käserei in ganz Baden-Württemberg
Einmal mehr kann am Kundenverhalten der Süddeutschen festgestellt werden, dass in Baden-Württemberg kaum noch eigene grosse Käsereien tätig sind. So wird die Schwarzwaldmilch als Frischmilch und Joghurt auf den deutschen Markt geliefert. Durch dieses Manko im badischen und württembergischen Käseangebot können Schweizer und Vorarlberger profitieren, bei einem Preisniveau «nicht unter Schweizer Preisen».
Für den Kanton Thurgau bedeutet dies, dass gute Chancen für die Käsebranche in nahegelegenen Gebieten nördlich der Schweiz bestehen, wo Tourismus und Käsewirtschaft auf gleicher Ebene aktiv sein können. Am Beispiel Arenenberg sind von rund 30 000 Besuchern 60 Prozent Süddeutsche.
Der Thurgau muss sich auch Gedanken machen, ob Käsereien vermehrt die Türen öffnen sollen. Die häufig gestellte Frage der Käsekundschaft nach Bergkäse muss positiv gewertet und der Stellenwert der einzigen Thurgauer Bergkäserei in Au/Tannzapfenland gewichtet werden.

Erfolgreich unterwegs ins neue Jahr
Kurz zusammengefasst: Milchproduzenten, Käsereimitarbeiter bis hin zum Lehrling der Wigoltinger Käserei wirkten am Donaueschinger Weihnachtsmarkt erfolgreich mit. Dies mit bemerkenswerten Tagesumsätzen, welche beim Direktverkauf am Stand realisiert werden konnten. Dazu kommt, dass die Ausstrahlung eines solchen Auftrittes viel Werbung bringt, sei es beim direkten Kontakt zum Kunden, mit Zeitungsberichten oder beim Händler und ganzen Handelsketten.
Nutzen wir die Chance für den Kanton Thurgau, schätzen die Dachwerbung der «Swiss Cheese» und stellen im südwestdeutschen Raum den Tourismus und die Käsevermarktung gemäss dem Vorbild Bregenzerwald auf die gleiche Höhe. Zugleich forcieren wir die Namensgebung der Käsereimilch zur Umbenennung auf Heumilch und fassen den Ausbau weiterer Verkaufsaktivitäten ins Auge. So kann der Thurgauer Käse noch weiter erfolgreich vermarktet werden, nicht nur im Ausland, sondern auch in der Schweiz.
Packen wir es an! Die «Werkzeuge» im Kanton, so die Organisationen Agro Marketing und BBZ Arenenberg oder die Bundesprojekte PRE (Projekt Regionale Entwicklung) und NRP (Neue Regional-Politik des Bundes) stehen für die Herausforderungen im neuen Jahr bereit.


Bernhard Müller,
Regionale Entwicklung,
BBZ Arenenberg







« zurück zur Übersicht