Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Ohne Rindviecher geht nichts - ein leerer Stall wäre schlimm

Ausgabe Nummer 43 (2015)

Maja Grunder: Die Bäuerin und Politikerin konnte auch Roman Kilchsberger Paroli bieten

«Also, wenn eine ihrer Töchter mit einem aus der SP heimkommen würde, müsste sie dreimal leer schlucken », sagt Maja Grunder (43) in ihrer gemütlichen Küche in der Mühle Entenschiess. So wie sie es selber in ihrem Elternhaus im zürcherischen Ossingen gelernt hat, politisieren auch ihre Töchter am Mittagstisch. Während Sabrina (19) die kaufmännische Ausbildung beendet und eine Zweitausbildung als Müllerin begonnen hat, ist Daria (16) im 2. KV-Lehrjahr. «Es ist wichtig, dass sich junge Menschen mit der Politik befassen», ist die Bäuerin, die vor Jahren im Zürcher Weinland bei der Gründung der Jungen SVP dabei war, überzeugt. «Nachplappern kann jeder », sagt sie. Deshalb habe sie immer von ihren Töchtern verlangt, dass sie auch die Hintergründe kennen und mit eigenen Argumenten ihren Standpunkt vertreten können und deutet dabei auf einen Stapel verschiedener Tages- und Fachzeitschriften.

Mit 21 Jahren den Hof übernommen
Maja Grunder wuchs mit drei Brüdern zusammen auf dem Bauernhof ihrer Eltern auf. Auch wenn sie regelmässig im Stall arbeitete, wollte sie nie Bäuerin werden. Eine weiterführende Schule kam für die quirlige Maja auch nicht in Frage und so machte sie zuerst ein Haushaltungslehrjahr, jobbte an verschiedenen Stellen und entschied sich dann doch für die Bäuerinnenschule. Als ihr Vater den Hof aufgeben wollte und keiner ihrer drei Brüder Interesse zeigte, entschied sie mit 21 Jahren, den Hof zu übernehmen. «Das war ein guter Entscheid», sagt sie, auch wenn sie es heute bereut, nie einen Sommer lang zusammen mit ihrem Mann Bruno auf einer Alp verbracht zu haben. «Damals glaubten wir, es gehe einfach nicht.» Im Jahr 1999 hatte das junge Paar auch den elterlichen Hof übernommen, seit 2008 gehörte auch die Mühle dazu, die sie nun als vierte Generation weiterführen und die ihnen ein gutes, wichtiges Standbein bietet. Daneben betreiben sie Milchwirtschaft und Ackerbau. «Wenn wir wegen der Arbeitsbelastung reduzieren müssen, wird es wohl bei der Milchwirtschaft sein», verrät sie. Fügt aber ganz schnell hinzu: «Ein leerer Stall wäre aber ganz schlimm, deshalb wird es immer Rindviecher geben.»

«Ich will keine perfekte Bäuerin sein»
Und wenn die Bäuerin von der Mühle erzählt leuchten ihre Augen. «Es stimmt, die Mühle ist mir sehr wichtig, und die über 600-jährige Geschichte geht mir nahe», erzählt sie. «Wir vermahlen Brotweizen, Roggen und Dinkel aus der Region für eine wachsende Kundschaft.» Verkauft wird das Mehl direkt an die Kunden, nebenbei machen sie Führungen. Das Mehl selber zu verarbeiten gehört ebenfalls zu einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Maja Grunder ist sehr dankbar, dass sich die Schwiegereltern noch stark im Betrieb der Mühle engagieren, doch auch ihr Part sei gross, das Abfüllen, Anschreiben, Verführen und Verkaufen gehöre zu ihren Hauptbeschäftigungen. Zwei Frauen aus der Region greifen ihr regelmässig unter die Arme, übernehmen das Eine oder das Andere, und so war es ihr auch möglich, den anspruchsvollen Job als Gemeinderätin während zwei Amtsperioden zu erfüllen. Ihre Ressorts waren Entsorgung, Umweltschutz und der öffentliche Verkehr. «Ich habe sehr viel gelernt», erzählt Maja Grunder ernst. Dann aber kam die Anfrage vom Verband Thurgauer Landwirtschaft für ein Vorstandsmandat, und nach langem Abwägen habe sie sich für den VTL entschieden. «Das war ein weiser Entscheid. Weniger Abendtermine, mehr Zeit für die Familie.» Als aktive Bäuerin und engagiert in der Direktvermarktung könne sie sich im männerdominierten Vorstand sehr wohl einbringen. «Das habe ich im Gemeinderat gelernt», lacht sie. Einen anderen Fokus setzt sie in der Bäuerinnenkommission, die sie seit einem Jahr präsidiert. «Wir wollen die Bäuerinnen motivieren, sich mit den landwirtschaftspolitischen Themen auseinanderzusetzen und das Feld nicht allein den Männern zu überlassen. » Frauen müssen sich auch in Versicherungsund Finanzfragen auskennen, ist sie überzeugt. «Mit dem Aufbauen eines Stamms für Bäuerinnen möchten wir näher an die Sorgen und Probleme der Bäuerinnen herantreten, ihnen Hand bieten, wo sie sich alleine fühlen.» Und wo erholt sich Maja Grunder? «Vor dem Fernseher», lacht sie und erzählt, dass sie sich weder sportlich betätige noch einen grossen Gemüsegarten pflege. «Ich will nicht das Bild einer perfekten Bäuerin vermitteln, weil ich das ganz einfach nicht bin.»
Hingegen hat sie im vergangenen Jahr bei der Spiel- Show im Schweizer Fernsehen von Roman Kilchsberger «Top Secret» mitgemacht und prompt 16 000 Franken gewonnen. Schlagfertig, charmant und modisch gestylt kam sie nicht nur bei den Zuschauern gut an, auch Roman Kilchsberger habe ihr am Schluss versichert: «Maja du warst super».


Ruth Bossert, Wallenwil




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