Ausgabe Nummer 51 (2007)
Ostschweiz zweitgrösstes Tafelkirschen-Produktionsgebiet
«Mostindien ist nach wie vor in Gefahr»
An der kantonalen Obstbautagung im Thurgauerhof in Weinfelden standen die guten Ernten, der Feuerband mit seinem weiterhin grossen Gefahrenpotenzial sowie die Agrarpreise im Fokus der Obstproduzenten.«Das Thema Feuerbrand überwiegt das Obstbaujahr 2007. Eine Hiobsbotschaft löste die andere ab. In wenigen Wochen wurden Strategien und Visionen vernichtet. Die Obstbauern gelangten an ihre physischen Grenzen», begrüsste Edwin Huber, Präsident Thurgauer Obstverband, die rund 150 Obstbauern und Gäste. Unter ihnen Regierungsrat Kaspar Schläpfer. Nach Hubers Einschätzung ist das Gefahrenpotenzial beim Feuerbrand immer noch gross. «Mostindien ist nach wie vor in Gefahr», sagte Huber. Er lobte die Solidarität unter den Obstproduzenten und die unbürokratische Unterstützung durch die Thurgauer Regierung. Dabei habe Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt, mit seiner sachlichen und ruhigen Art zu vielen Lösungen beigetragen.
Zusätzliche Kontrolleure gesucht
Laut Bruno Hugentobler, Leiter Fachstelle Obst- und Rebbau, BBZ Arenenberg, mussten 50 Hektaren feuerbrandgeschädigte Niederstammkulturen und 5740 hochstämmige Kernobstbäume gerodet werden. Bei den Hochstammrodungen konnten drei Fälle im Thurgau noch nicht abgeschlossen werden. Der Unterlagenbefall sei besorgniserregend. Als Sofortmassnahmen empfiehlt Hugentobler einen Winterschnitt, bei dem der Befall entfernt werden soll. Der Warndienst soll ausgebaut und nachgerüstet werden. Für die Kontrollen, welche wie bisher bleiben, werden zusätzliche und neue Kontrolleure in den Gemeinden gesucht. Nach Aussagen von Bruno Pezzatti, Direktor Schweizer Obstverband (SOV), ist der Kernobstbau existenziell bedroht. Deshalb verlange der SOV zusammen mit den kantonalen Obstverbänden die Zulassung von Streptomycin, solange keine gleichen oder besser wirksamen alternativen Präparate oder marktkonforme resistente Sorten verfügbar seien. Pezzatti erwartet einen Entscheid des Bundesrates im Januar 2008.
Erfreuliche Ernteergebnisse
Erfreuliches konnte Hugentobler über die verschiedenen Ernten berichten. Er sprach von einem grossen Kirschenjahr. Im Thurgau sei die Tafelkirschenproduktion ausgebaut worden und deren Produktionsmenge werde noch zunehmen. Die Ostschweiz sei heute neben dem Baselbiet das zweitgrösste Kirschenproduktionsgebiet der Schweiz. Auch mit der Entwicklung der Tafelzwetschgenproduktion ist er zufrieden, stammen doch mehr als zwei Drittel aus den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Der Mengenanteil der Tafeläpfel aus dem Thurgau mit 145 630 Tonnen sei mit leicht sinkender Tendenz mehr oder weniger konstant. Die Mostobsternte habe mengenmässig überrascht und liege im Thurgau bei den Mostäpfeln um 13 Prozent und bei den Mostbirnen um 45 Prozent über der Ernteschätzung.
Struktur- und Wettbewerbsförderung wichtig
Im zweiten Teil der Obstbautagung befassten sich Professor Peter Rieder, Patrick Mouron, AgroCourage, Andreas Allenspach, Migros Genossenschaftsbund, und Benno Neff, Tobi Seeobst AG, mit den steigenden Agrarpreisen. Nach Rieders Meinung hält der Liberalisierungsdruck an. Trotz höheren Produktepreisen ortet er bei den Agrarstrukturen strukturelle Kostensenkungpotenziale. Rieder glaubt, dass den Nischenmärkten Grenzen gesetzt sind. Er betonte, dass die Wettbewerbsfähigkeit auch bei höheren internationalen Produktepreisen nötig sei. Nach seiner Ansicht sollte die Politik Strukturund Wettbewerbsförderung und nicht Strukturerhaltung betreiben. Um den Grenzöffnungen standzuhalten, sei eine Kostenoptimierung bei der Landwirtschaft sowie den vor- und nachgelagerten Akteuren unbedingt nötig, waren sich die Referenten einig.
Mario Tosato

