Ausgabe Nummer 34 (2009)

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Ostschweizer Hagelabwehr ist eine Erfolgsgeschichte

Im Rahmen einer Sonderschau vom Sonntag, 23. August, von 10 bis 16 Uhr, stellt der Hagelabwehrverband Ostschweiz im Kieshafen Güttingen seine Tätigkeit einer breiten Öffentlichkeit vor. Die Sonderschau wurde von der Gemeinde Güttingen initiiert.

«Als Gemeinderat hatte ich gegenüber der Hagelabwehr Vorurteile, weil ich glaubte, dass davon in erster Linie die Bauern profitieren. Ich hatte auch Vorbehalte gegenüber der Umweltverträglichkeit. Schlicht und einfach, ich fand den Hagelabwehrverband überflüssig», sagte Max Wicker, Gemeinderat, Güttingen, an einer Pressekonferenz. In kurzer Zeit habe er sich von etwas anderem belehren lassen und gesehen, wie profihaft auf freiwilliger Basis gearbeitet werde. Dabei habe er sich von den Erfolgen der Hagelschützen überzeugen können. So habe er den Vorschlag gemacht, eine Sonderschau zum Thema Hagelabwehr zu organisieren. Damit sollen Vorurteile abgebaut und die Bevölkerung und Gemeindebehörden offen informiert werden.

Vorbildliche Freiwilligenarbeit
Niklaus Hollenstein, Gemeindepräsident, Niederbüren SG, sprach von einer Erfolgsgeschichte. Nach Hochwasser- und Überschwemmungsschäden sowie hagelbedingten Kultur- und Sachschäden vom 4. Mai 2001 in mehrfacher Millionenhöhe sei das Angebot der Thurgauer Hagelabwehrorganisation willkommen gewesen. So konnten sich die St. Galler Gemeinden in ein erprobtes und hauptsächlich auf vorbildlicher Freiwilligenarbeit aufgebautes Abwehrsystem einbinden, das europaweit zu den wirksamsten gehört.

Bewährte Hagelabwehr
Laut Emil Müller, Projektleiter des Hagelabwehrverbandes Ostschweiz, wurde der Hagelabwehrverband Thurgau 1951 gegründet. 1999 wurden die Abwehrmassnahmen komplett neu ausgerichtet. Eine während 20 Jahren betreute Hagelabwehr in einem grossen Gebiet in Süddeutschland lieferte die Überzeugung, dass mit Silberjodid und einem geschlossenen Abwehrgebiet die Hagelschäden auf ein Minimum reduziert werden können. Das Beimpfen der Wolken mit Silberjodid, das in kleinen Mengen in der Spitze der Hagelrakete sitzt, bewirkt eine sofortige Bildung von Milliarden von Kondensationskernen, an die sich Wasser anlagert. Hagelkörner bleiben dadurch kleiner und tauen im freien Fall zu Boden wieder auf.

Löcher stopfen
Nach Müllers Angaben verfügt der Hagelabwehrverband Ostschweiz über 216 ausgebildete Schützen mit 196 Schützenstellungen. Der Hagel vom 26. Mai habe verheerenden Folgen gehabt. Von 1850 Thurgauer Policenbesitzern haben rund 910 Schadensmeldungen in der Höhe von rund 5 Millionen Franken eingereicht. Gesamtschweizerisch waren die Schäden beim Hagelschlag vom 23. Juli mit 7836 Schadenmeldungen noch grösser. Am 26. Mai konnte das Gebiet von den Schützen westlich vom Nollen, Sulgen, Göttighofen, Kesswil, Kümmertshausen und Güttingen vom Hagel geschützt werden. Doch gelang dies nicht in allen Gebieten. Dem Hagelabwehrverband Ostschweiz gehören 40 Gemeinden aus den Kantonen Thurgau und St. Gallen an. Im Thurgau fehlen elf Gemeinden im Abwehrgebiet; unter anderen Amriswil, Hefenhofen, Dozwil, Sommeri, Kemmental, Affeltrangen und Braunau. Diese Löcher möchte der Verband stopfen.

Mario Tosato

 

 

Sonderschau Hagelabwehr
Am Sonntag, 23. August, von 10 bis 16 Uhr, findet auf dem Platz des Kieshafens der Firma Müller E. & Co, Seestrasse, Güttingen, die Sonderschau Hagelabwehr statt. Verschiedene Fachleute des Hagelabwehrverbandes sowie von Partnerorganisationen werden dem interessierten Publikum einen Einblick in ihre Arbeit gewähren. An verschiedenen Ständen wird über die Hagelabwehr informiert. (tos)



Arthur Angehrn (links), Präsident des Ostschweizer und Schweizerischen Hagelverbandes
und Projektleiter Emil Müller freuen sich auf die Sonderschau Hagelabwehr. (tos)
Arthur Angehrn (links), Präsident des Ostschweizer und Schweizerischen Hagelverbandes und Projektleiter Emil Müller freuen sich auf die Sonderschau Hagelabwehr. (tos)