Ausgabe Nummer 9 (2008)
Ostschweizer Rübenpflanzer tagten in Wülflingen
Rekordernte konnte eingefahren werden
Die Ostschweizerische Vereinigung für Zuckerrübenbau (OVZ) hat weitere 116 000 Aktien der Zuckerfabriken gekauft und damit ihre Beteiligung markant erhöht.«Vielleicht mit etwas Stolz dürfen wir auf ein äusserst gutes Rübenjahr 2007 zurückblicken », stellte Paul Rickenmann (Frauenfeld) einleitend zur ordentlichen Generalversammlung der Ostschweizer Rübenpflanzer am vergangenen Mittwoch in Wülflingen fest. Mit 111 Prozent der Vertragsmenge wurde in qualitativer wie quantitativer Hinsicht eine Rekordernte eingefahren. In Frauenfeld wurden in der Verarbeitungskampagne alle Rekorde gebrochen, was sich auch nachträglich für Pflanzer auswirken wird. Ihnen kann eine Nachzahlung gewährt werden. Kritisch äusserte sich Rickenmann aber hinsichtlich der Agrarpolitik im Bereich der AP 2011 zur Zuckerwirtschaft. Der jahrlang als Musterbeispiel bezeichnete Leistungsauftrag für die beiden Zuckerfabriken wird auf Ende 2008 aufgelöst. Entsprechend sind die Fabriken gezwungen, die europäische Zuckermarktordnung umzusetzen. Entsprechend kommen auch die Schweizer Rübenpreise massiv ins Rutschen und müssen in zwei Schritten um 37 Prozent gesenkt werden. Diesen Preisabbau will der Bundesrat mit neu geschaffenen Flächenbeiträgen teilweise abgelten. «Dieser Umlagerung vom Rübenpreis zu Flächenbeiträgen misstrauen viele Rübenpflanzer », machte Rickenmann deutlich. «Um das gleichzeitig steigende Kostenumfeld wirksam zu umgehen, sind Produzenten und Zuckerfabriken gefordert», betonte Rickenmann weiter. Vorhandene Kostensenkungspotenziale müssen aufgedeckt und konsequent umgesetzt werden. Zudem setzt Rickenmann grosse Hoffnungen auf weitere Züchterfortschritte und auf eine Weiterentwicklung der Anbautechnik. «Die neue Marktlage als Folge der Zuckermarktordnung fordert auch die Fabriken», wie deren Direktor Josef Arnold ausführte. Neu startet das Unternehmen eine PR-Kampagne für Schweizer Zucker. Erfreut zeigte sich Arnold, dass auf einen Schlag im vergangenen November 100000 Tonnen Zucker verkauft werden konnten.
Zufrieden mit der Frauenfelder Kampagne zeigte sich auch Werkleiter Joachim Pfauntsch. So konnte die Verarbeitungsmenge seit 1995 verdoppelt werden und gleichzeitig der Energieaufwand pro Tonne Zucker fast halbiert werden. Weiter kündigte er an, dass der bestehende Rübenhof die Direktanlieferung erweitert und gleichzeitig die Kipperrampe abgebaut wird. Entsprechend können Rüben nur noch mit kippbaren Fahrzeugen direkt angeliefert werden.
Berner Aktien aufgekauft
Im vergangenen Herbst wurde die Absicht des Kantons Bern bekannt, ihr Aktienpaket mit 388 600 Aktien, was 22,8 Prozent entspricht, der Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld einer Investorengruppe zu verkaufen. «Diese Absicht löste bei den betroffenen Rübenbauern grosse Betroffenheit aus», hielt Rickenmann fest. Der Vorstand der OVZ reagiert rasch und konnte in Zusammenarbeit mit verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen ein ebenbürtiges Angebot einreichen. Nachdem die Finanzierung sichergestellt werden konnte, haben sich die beiden Produzentenorganisationen das erworbene Aktienpaket ? pro Aktie wurden bei einem Nominalwert von 10 Franken 19 Franken bezahlt ? aufgeteilt. 70 Prozent übernehmen die Westschweizer und 30 Prozent die Ostschweizer Rübenbauern. Dank diesem Schritt kontrollieren die beiden Organisationen zusammen über ein Drittel des Aktienkapitals. Bereits vor zehn Jahren entschloss sich die OVZ, sich nach Möglichkeit am Aktienpaket der beiden Zuckerfabriken zu beteiligen. Entsprechend wurde im Februar 1998 ein entsprechendes Reglement zur Beschaffung und Bewirtschaftung von Aktien erlassen. Der Vorstand legte jetzt ein revidiertes Reglement vor. Bis Ende 2007 konnte sie so über 92 300 Aktien erwerben.
Im neuen von den Versammlungsteilnehmern länger diskutierten und beschlossenen mit 71 zu 1 Stimme genehmigten Entwurf wurde ein Wechsel bei der Finanzierung beschlossen. Die Rübenpflanzer werden nicht mehr per abgelieferte Tonne Rübe, sondern neu entsprechend dem Zuckerkontingent an den Kosten beteiligt. Der neu als Pflanzerguthaben bezeichnete Pflanzerbeitrag wird degressiv in neun Jahren abgeschrieben, sodass nach neun Jahren jeglicher Anspruch erlischt.
Schlussendlich werden aber die Rübenpflanzer wieder von den Erträgen des Aktienpakets profitieren können. Bereits mit dem vorhandenen Aktienpaket fliessen rund über 30000 Franken oder rund 12 Prozent des gesamten Ertrages in die ordentliche Rechnung der OVZ ein. Mit dem beschlossenen weiteren Aktienerwerb werden sich die Erträge weiter erhöhen, sodass die Pflanzerbeiträge weiter gesenkt werden können. Bereits jetzt wird dieser Beitrag um 1 auf 3,5 Rappen je 100 kg Rüben gesenkt und somit die Produzenten entlastet.
Roland Müller

