Ausgabe Nummer 16 (2007)

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Ostschweizer Tabakproduzenten neu organisiert

Aus drei Vereinigungen wird OSTAB

In Henggart haben sich am vergangenen Mittwochabend die drei Tabakpflanzerorganisationen Flaachtal und Umgebung, Thurgau und Rickenbach-Attikon aufgelöst und sich neu zur OSTAB zusammengeschlossen.

Just am Vorabend, wo im Tessin vielerorts ausgeraucht worden ist, vollzogen die Ostschweizer Tabakproduzenten in Henggart einen markanten Schritt. Im Restaurant Bahnhof versammelten sich die Mitglieder der Pflanzervereinigungen Flaachtal und Umgebung, Rickenbach-Attikon und Thurgau zur ihren letzten Generalversammlungen. In einer gemeinsam von den drei Präsidenten der Pflanzervereinigungen Robert Brandenberger (Flaachtal), Max Schwyn (Rickenbach-Attikon) und Peter Ausderau (Thurgau) durchgeführten Versammlung wurden nochmals die letzten Jahresrechnungen abgenommen und jede Vereinigung formell mit einstimmigen Beschlüssen aufgelöst. Die Beschlüsse, sich zusammenzuschliessen, wurden bereits an den letztjährigen Generalversammlungen der einzelnen Vereinigungen beschlossen.Vor allem die sinkende Zahl an Pflanzern hat zu diesem Schritt geführt, weil in Rickenbach-Attikon alle Produzenten gleich für den Vorstand benötigt worden sind. Mit der neuen Organisation versprechen sich die Tabakpflanzer, schlagkräftigere Strukturen zu erhalten und vor allem tiefere Kosten in der Verbandsarbeit zu erreichen.

Reibungslose Gründungsversammlung
Für die eigentliche Gründungsversammlung wurde der Oberstammheimer Tabakpflanzer Hans Farner bestimmt. Er gilt als eigentliches Urgestein im Schweizer Tabakbau und baute bis auf eine Ausnahme seit 1951 Jahr für Jahr diese Kultur an. Gleichzeitig vertrat er in verschiedenen Gremien die Interessen des Tabakbaus. Diskussionslos wurden die neuen Statuten genehmigt und der neue Vorstand gewählt. Neu wird Max Schwyn (Stadel b. Winterthur) das Präsidium übernehmen. Peter Ausderau (Bussnang) wird die Thurgauer und Adrian Erb (Volken) die Flaachtaler Produzenten im Vorstand vertreten. Von Amts wegen gehören zudem die beiden Vorstandsmitglieder im nationalen Dachverband Boris Brandenberger (Flaach) und Marc Binder (Illnau) diesem an. Als Revisoren wurden Thomas Wägeli (Nussbaumen), Ernst Pletscher (Guntalingen) und Thomas Kappeler (Attikon) gewählt. Die Vermögenswerte der drei alten Vereinigungen sowie jene des Zweckverbandes werden die gemeinsame Kasse überführt. Abschliessend zeigte sich Farner überzeugt, dass der Tabakanbau weiterhin eine Zukunft hat. Bereits 1565 sei erstmals in Europa Tabak angebaut worden. 1659 bis 1661 sei ein erstes Verbot ausgesprochen worden. Farner sieht sich vor allem mit seiner Aussage mit Blick auf China bestätigt, wo der Tabakanbau wie auch der Konsum boomt. Dem neuen Verband gehören jetzt 31 Pflanzer aus den Kantonen Zürich, Thurgau, Schaffhausen und Aargau an, welche gesamthaft in diesem Jahr rund 32 ha Tabak anbauen werden. Nationalrat Max Binder (Illnau), welcher auf seinem Hof bereits seit 35 Jahren Tabak anbaut, zeigte sich zuversichtlich, dass die zur Diskussion stehende Motion im Nationalrat für die Streichung der Tabakbeiträge an die Pflanzer abgelehnt wird. Bekanntlich zahlt der Raucher beim Kauf eines Päckchen Zigaretten 2,6 Rappen in diesen Fonds ein. Diese Gelder werden anschliessend wieder als Pflanzerbeitrag für den abgelieferten Tabak ausgerichtet. Ohne diese Beiträge wäre der Tabakanbau in der Schweiz nicht mehr möglich, weil die Weltmarktpreise nur einen Bruchteil des inländischen Erlöses ausmachen, betonte Binder.

Einst 300 Pflanzer im Weinland
Brandenberger hatte im Vorfeld in den alten Protokollbüchern geblättert. Erstmals bauten die Tabakpflanzer 1930 Tabak im Flaachtal an. Mit dem Plan Wahlen wurde der Tabakanbau massiv ausgedehnt und gefördert. Der Anbauboom während der Kriegsjahre führte am 20. März 1943 zur Gründung der Flaachtaler Pflanzervereinigung. Im selben Jahr konnten die 152 Pflanzer auf rund 12 ha Anbaufläche 25 100 kg Tabak zu einem Kilopreis von 2,13 bis 3,37 Franken ernten. Zudem waren sie verpflichtet, die Samen der Tabakblüten zur Ölgewinnung abzuliefern. Pro Are konnten gemäss Brandenberger 1,2 kg Samen gewonnen werden. 1950 bauten über 300 Bauern und Familien im Weinland Tabak an. Die grösste Anbaufläche wurde 1960 mit 80 ha erreicht. Seither schrumpfte die Zahl der Pflanzer Jahr für Jahr, während sich gleichzeitig die Anbaufläche bei den einzelnen Pflanzern erhöhte.Auch im Thurgau erlebte der Tabakbau einst eine grosse Blüte, wie Ausderau ausführte. So zählte man 1945 allein in Wängi 35 Pflanzer, heute sind es noch deren 9 im ganzen Kanton.

Roland Müller


Zahlen und Fakten 2006
Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 585 ha Tabak angebaut. Gesamthaft wurden 1 165 539 kg Tabak geerntet und im Mittel für 15,18 Franken je Kilogramm übernommen worden. In den drei Ostschweizer Vereinigungen wurden auf 29,14 ha mit den konventionellen Sorten mit natürlicher Lufttrocknung 55700 kg geerntet, wobei ein Durchschnittserlös von 15,04 Franken je Kilogramm erzielt wurde. Zudem wurden 157 Aren Virgine-Tabak angebaut, welcher im Ofen getrocknet wird. 3779 kg konnten zu einem Durchschnittspreis von 14,75 Franken verkauft werden. Für das laufende Jahr ist die Anbaufläche landesweit nochmals reduziert, wobei davon die Deutschschweiz nicht betroffen sein.


Der neue Vorstand der OSTAB (von links nach rechts), Adrian Erb (Volken), Boris
Brandenberger (Flaach), Max Schwyn (Stadel), Marc Binder (Illnau) und Peter Ausderau
(Bussnang).(RoMü)
Der neue Vorstand der OSTAB (von links nach rechts), Adrian Erb (Volken), Boris Brandenberger (Flaach), Max Schwyn (Stadel), Marc Binder (Illnau) und Peter Ausderau (Bussnang).(RoMü)