Ausgabe Nummer 13 (2007)

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Ostschweizer Viehhändler blicken auf ein durchzogenes 2006 zurück

«Erfreuliche» Rinder, «bedenkliche» Schweine

Die Ostschweizer Viehhändler erlebten 2006 ein Jahr der Extreme. Während beim Rind- und Kalbfleisch die Preise markant anstiegen, präsentierte sich die Preissituation bei den Schweinen, auch aufgrund von vorhandenen Überkapazitäten, als sehr schlecht.

Dies erklärte der Präsident des «Verbandes Ostschweizerischer Viehhändler» (VOV), Albert Brühwiler, am Samstagnachmittag an der 91. Generalversammlung vor rund 80 Berufskollegen im Tufertschwiler «Rössli».

Rindfleisch: Gute Preise
Der Schlachtkuhmarkt habe sich 2006 durch eine gute Nachfrage und ein knappes Angebot ausgezeichnet. Ende April habe sich das Preisniveau auf sehr hohen 6.60 Franken eingependelt. Die guten Preise hatten zur Folge, dass vermehrt leerfleischige Kühe aufgekauft und ausgemästet wurden. Die Importe von Verarbeitungsfleisch ohne Knochen lagen 2006 rund fünf Prozent höher als im Vorjahr. Dazu wurden noch rund 2500 Tonnen Schlachtkörper von Verarbeitungstieren importiert. Ähnlich erfreulich war die Marktlage für die Kalbfleischproduzenten, wurden doch im Jahresdurchschnitt für ein «T3-QM-Kalb» 14.35 Franken je Kilo gelöst ? das sind 1.26 Franken mehr als im Vorjahr.

Kein «Schwein» gehabt
Mit grossen Schwierigkeiten hatte hingegen der Schweinemarkt zu kämpfen, lagen doch die Preise während des ganzen Jahres tiefer als im bereits sehr schlechten 2005. Der Preis für QM-Schweine erreichte im Jahresdurchschnitt nur 3.87 Franken je Schlachtgewicht ab Stall ? was 18 Rappen weniger als im Vorjahr sind. Die Produktion lag um 4,2 Prozent über jener des Vorjahres. Fast um ein Viertel tiefer lagen die Preise bei den Ferkeln. Ende Oktober sanken die Preise gar auf den historischen Tiefstand von 3.60 Franken je Kilo Lebendgewicht. Erst zum Jahresende erholten sich die Ferkelpreise wieder auf 4.50 Franken. Positiv entwickelte sich der Nutzviehhandel, konnten doch die Erträge gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden.

Rücktritt nicht kompensiert
Rasch abgehakt wurden die Erneuerungswahlen in den Vorstand. Bis auf den zurücktretenden Josef Huber stellten sich alle 14 Vorstandsmitglieder für weitere drei Jahre zur Wahl. Auf die Wahl eines Ersatzes für Huber wurde angesichts des nach wie vor grossen Vorstandes verzichtet. Der Vorstand besteht aus folgenden Personen: Albert Brühwiler (Präsident), Richard Peter (Aktuar), Toni Stadler (Kassier), Walter Arnold, Kurt Bischof, Urs Bürge, Patrik Gämperli, Niklaus Hinder, Bruno Koster, Ruedi Meyer, Linus Silvestri, Luzi Steier und Werner Sutter (alle Beisitzer).

Mehr mit Marke «Switzerland» werben
Christophe Eggenschwiler, Leiter des Ressorts Agrarwirtschaft beim Schweizerischen Bauernverband, legte dar, welche Auswirkungen ein mögliches Freihandelsabkommen mit der EU für die Landwirtschaft haben könne. Eggenschwiler betonte, dass die Schweiz heute in allen produktionsrelevanten Bereichen (Ausnahme: Zinskosten) massiv teurer sei als die EU. Würde die Schweizer Landwirtschaft nun zu EU-Konditionen produzieren, könne dies um 1 Milliarde Franken günstiger geschehen als heute. Die Schweizer Landwirte könnten also unmöglich über den Preis mit EU-Produzenten konkurrenzieren. Selbst mit stützenden Massnahmen durch die Politik seien diesbezüglich keine gleich langen Spiesse zu erreichen. Vielmehr müssten die Schweizer Bauern ihre Produkte vermehrt veredeln und selbstbewusst mit der Marke «Made in Switzerland», welche international über ein hohes Renommee verfüge, am internationalen Markt auftreten. Allerdings verhehlte Eggenschwiler nicht, dass das vielleicht beim Fleisch gut gehen könne, kaum aber beim Weizen oder Gerste, wo die Preise in der EU jetzt schon bis zu 70 Prozent unter dem helvetischen Preis liegen.

Christoph Lampart


VOV-Präsident
Albert Brühwiler,
Fischingen: Während
die Preise für Rind- und
Kalbfleisch
markant anstiegen, fielen die Schweinepreise weiter in den Keller. (zVg)
VOV-Präsident Albert Brühwiler, Fischingen: Während die Preise für Rind- und Kalbfleisch markant anstiegen, fielen die Schweinepreise weiter in den Keller. (zVg)