Ausgabe Nummer 2 (2005)

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Öffentlicher Schlachtviehmarkt Weinfelden

Transparenz und gute Preise überzeugen Landwirte und Händler
 
Öffentlicher Schlachtviehmarkt Weinfelden
 
Der Weinfelder Schlachtviehmarkt zeigte sich in den vergangenen zwei Jahren als Garant für gute, faire Preise, Transparenz und Abnahmegarantie. Für die Tierhalter ist diese Handelsmöglichkeit eine echte Alternative gegenüber den herkömmlichen Vermarktungsmöglichkeiten, sie bringt aber auch für die Händler Vorteile. Die gute Resonanz aller Beteiligten zeigt klar auf, dass der öffentliche Schlachtviehmarkt in Weinfelden einem Bedürfnis entspricht.
 
Beat Keller: «In 50 Jahren kann der Nahrungsmittelbedarf mit konventionellen Methoden nicht mehr gedeckt werden.»
 
Frühestens im November werden die Schweizer Stimmbürger über das Gentech-Moratorium abstimmen, dennoch sei es wichtig, wenn sich die Landwirtschaft und die Bevölkerung bereits heute mit diesem Thema befasse, erklärte Walter Schmid, Präsident Pflanzenbaukommis-sion des TBV, an der Pflanzenbautagung. Nach Schmids Angaben spricht sich das Leitbild der beratenden Kommission des Bundesrates vom 9. Dezember 2004 für GVO (Genveränderte Organismen)-freie Schweizer Produkte aus, womit die Erwartungen der Konsumenten erfüllt würden. «GVO-frei» gehöre zur spezifischen Markpositionierung der Schweizer Nahrungsmittelproduktion mit ihrem besonderen Image für hohe Qualität. Auch das neue Label Suisse Garantie stehe für GVO-freie Produkte, bekräftigt Schmid.

Steigender Nahrungsmittelbedarf
Für Professor Beat Keller, Institut für Pflanzenbiologie Universität Zürich, ist klar, dass die Nahrungsmittelproduktion in den nächsten 50 Jahren verdoppelt werden muss, um die steigenden Bedürfnisse zu decken. Mit den herkömmlichen Methoden könne dieser Bedarf nicht mehr gedeckt werden. Dazu brauche es zusätzliche 10 Millionen Quadratkilometer natürliche Nutzfläche, welche nicht vorhanden sei. In Zukunft werde man auch die Ertragsverluste wegen Pflanzenkrankheiten reduzieren müssen.

Thema mit Emotionen
Keller wies darauf hin, dass weltweit im 2003 67,7 Millionen Hektaren Soja, Mais, Raps und Baumwolle mit genveränderten Organsimen in Nord- und Südamerika, Kanada, China und anderen Ländern angebaut wurden. Er betonte, dass Kulturpflanzen ohne den Menschen nicht überleben können. Kulturpflanzen seien aber kein Naturprodukt, sondern durch Menschen gezüchtete Spezialitäten. Die Gentechnik sei methodisch neu. Aber der Mensch beeinflusse die Genetik auch ohne Gentechnik. Ein Teil der Emotionen sieht Keller in den revolutionären Verfahren der Gentechnik, welche durch die Hersteller bei veränderten Sorten patentiert wurden. Ein zweites Problem sieht er in der globalen Kontrolle der Nahrungsmittelkette, wo multinationale Konzerne zum industriellen «Frass», Sortenkonfektion – alle müssen GVO-Mais pflanzen, zwingen.

Verbände für Moratorium
Für Andreas Binswanger ist das Gentech-Moratorium wichtig, und der definitive Entscheid müsse gut überlegt sein. Werde GVO zugelassen, gebe es kein Zurück mehr. Mit dem Moratorium, welches auf fünf Jahren, begrenzt ist, wolle man auch Zeit gewinnen, um alle Optionen abzuklären. Mit dieser Zeitspanne soll auch jenen Bauern Rechnung getragen werden, welche zurzeit noch verunsichert seien. Binswanger will auch wissen, ob GVO-freie Nahrungsmittel von den Konsumenten als Qualitätsmerkmal erkannt werden und so ein besserer Preis möglich ist. Für Binswanger ist die Achtung und Würde vor der Kreatur von grosser Bedeutung. Viele Versammlungsteilnehmer zeigten sich über die anschliessende Diskussion enttäuscht, weil Keller zu wenig auf ihre Fragen einging.

Mario Tosato
 

Lebensmittel aus gentechfreier Landwirtschaft
Der Initiativtext lautet: Die schweizerische Landwirtschaft bleibt für die Dauer von fünf Jahren nach Annahme dieser Verfassungsbestimmung gentechnikfrei. Insbesondere dürfen weder eingeführt noch in Verkehr gebracht werden: a. gentechnisch veränderte vermehrungsfähige Pflanzen, Pflanzenteile und Saatgut, welche für die landwirtschaftliche, gartenbauliche oder forstwirtschaftliche Anwendung in der Umwelt bestimmt sind; b. gentechnisch veränderte Tiere, welche für die Produktion von Lebensmitteln und andere landwirtschaftliche Erzeugnissen bestimmt sind. Der Bundesrat lehnt die Initiative mit der Begründung ab, dass die geltenden Bestimmungen bereits heute Menschen, Tiere und Umwelt umfassend vor Missbräuchen der Gentechnologie schützen. (tos.)

 
 
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