Ausgabe Nummer 30 (2007)

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Partikelfiltertechnologie in der Landwirtschaft

Traktoren mit Partikelfilter nachrüsten ist technisch möglich, aber noch kostspielig

Partikelfilter können den Ausstoss von gesundheitsschädigendem Russ deutlich senken. Die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART testete Partikelfiltersysteme zur Nachrüstung von land- und forstwirtschaftlichen Traktoren. Fazit der Versuche: Technisch ist die Nachrüstung möglich, es gibt aber kein Partikelfiltersystem, das bedenkenlos zu allen Traktoren passt.

Traktoren stehen in der Regel lange im Einsatz (die Hälfte der immatrikulierten Traktoren ist älter als 20 Jahre). Im Gegensatz zu den Baumaschinen, für deren Partikelfiltertechnologie die langjährigen Erfahrungen im Untertagebau genutzt werden konnten, besteht für die Nachrüstung von Traktoren bisher kein breites technisches Wissen. Deshalb untersuchte die ART mit Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) aktuell verfügbare Partikelfiltersysteme zur Nachrüstung der bereits in Verkehr gesetzten Traktoren. Damit sollte auch aufgezeigt werden, wie die in Feld und Wald tätigen Personen vor dem Krebs erregenden Dieselruss geschützt werden können. Die Erkenntnisse und technischen Details der Untersuchungen sind im neusten ARTBericht 677 publiziert:

  • Der nachträgliche Aufbau eines Partikelfilters bei Traktoren ist technisch grundsätzlich machbar. Alle getesteten Filter verfügen über eine hohe Wirksamkeit von mindestens 99 Prozent.
  • Es gibt kein Partikelfiltersystem zur Nachrüstung von Traktoren, das man generell empfehlen kann. Das Filtersystem muss je nach Einsatz im land- und forstwirtschaftlichen Bereich sorgfältig ausgewählt, spezifisch dimensioniert und ? wie andere Motorkomponenten ? regelmässig gewartet und gepflegt werden.
  • Deshalb verursacht der Filteraufbau auf einen Traktor mittlerer Grösse Kosten zwischen etwa Fr. 8000.? und Fr. 15000.?. Zusätzlich fallen wiederkehrende Kosten für die Filterreinigung und für die Zusatzenergie bei aktiven Filtersystemen an.


Der Bericht
Landis Marco, Schiess Isidor und Wolfensberger Ulrich, 2007:

ART-Bericht 677: Partikelfilter-Nachrüstung bei Traktoren ? Abstimmung des Filtersystems auf den Fahrzeugeinsatz nötig.

ART-Bericht 677 im Internet
Zu bestellen bei www.art.admin.ch>Dienstleistungen> Publikationen im Shop
oder unter Telefon 052 368 31 31.


Der Bericht geht sodann eingehend auf die verschiedenen Probleme ein, die beim Einbauen und beim Betrieb auftraten. Zunächst braucht der Filter sehr viel Platz beim Aufbau, denn die korrekte Dimensionierung zur Vermeidung eines Gegendruckanstiegs ergibt grossvolumige Filter. Bei der Wahl von passiven Filtersystemen werden zudem die notwendigen Abgastemperaturen für die optimale Filterfunktion häufig nicht erreicht. Im Versuch reichten die Störungen von Problemen mit der Filterüberwachung oder der Beeinträchtigung des Sichtfeldes bis zum Totalschaden von Filtern. Motorschäden sind keine aufgetreten. Für die Tests wurden geschlossene Partikelfilter (die wirksamste Filterkategorie) verwendet. Die Filter stammten von verschiedenen Herstellern und verfügten über unterschiedliche Regenerationssysteme.

Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz- Tänikon ART
Bundesamt für Umwelt BAFU



Finanzielle Anreize können die Aus- und Nachrüstung beschleunigen

Zurzeit erfüllen die Traktoren in der Land- und Forstwirtschaft die geltenden gesetzlichen Grenzwerte auch ohne Partikelfilter. Neueste, aktualisierte Modellrechnungen des BAFU schätzen die Dieselrussemissionen aus der Landwirtschaft auf 400 Tonnen pro Jahr. Die Umweltschutz-Gesetzgebung verlangt, dass der Krebs erregende Dieselruss minimiert wird. Eine Massnahme des Aktionsplans gegen Feinstaub des Bundes sieht deshalb vor, dass finanzielle Anreize zum Nachrüsten von Traktoren mit Partikelfiltern geprüft werden sollen ? dies unter der Voraussetzung, dass eine Nachrüstung technisch möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Gestützt auf die vorliegenden Erkenntnisse will das BAFU nun mit den Herstellern und Importeuren, welche bereits heute teilweise Modelle von landwirtschaftlichen Fahrzeugen mit Partikelfilter anbieten, Gespräche über den Stand der Technik führen. Es sollen auf nationaler Ebene finanzielle Anreize für die Aus- und Nachrüstung von Traktoren näher geprüft werden. In einzelnen Kantonen sind solche Vorhaben bereits angelaufen. Beispielsweise hat der Kanton Zug auf Anfang 2007 ein «Reglement über die Förderung von Partikelfiltern bei schweren landwirtschaftlichen Fahrzeugen» in Kraft gesetzt. Während fünf Jahren, oder bis ein gesetzliches Filterobligatorium in Kraft tritt, werden Aus- oder Nachrüstungen mit Fr. 4000 unterstützt. Ähnliche Bestrebungen sind auch in anderen Kantonen (zum Beispiel Bern, Zürich, Solothurn, Graubünden) im Gang.