Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Pferdemist als energetisch verwertbarer Rohstoff

Ausgabe Nummer 14 (2016)

Am Strickhof Pensionspferde-Tag wurde die landwirtschaftliche Biogaserzeugung, die Produktion von Heizpellets, die Kompostierung auf dem Feld und die Verwendung von Pferdemist zur Herstellung von Champignon-Substrat erörtert.

Claude Gerwig, Leiter Höhere Berufsbildung, begrüsste Ende März eine überaus grosse Teilnehmerschar zu diesem Pferdehalteranlass am Strickhof Wülflingen. Im Vormittagsteil wurde der Wert der Einstreu thematisiert. Gesundheitliche Aspekte spielen stark mit, wie und mit welcher Einstreu den Pferden ihr Liegeplatz zubereitet wird. Im Nachmittagsteil des Pensionspferde- Tages informierten Referenten über die wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten des Pferdemistes. Patrik Meier, Landwirt und stellvertretender Leiter der Genossenschaft Ökostrom Schweiz, informierte über die landwirtschaftliche Biogaserzeugung und im Speziellen über Pferdemist in der Biogasanlage. Das Potenzial an Pferdemist aus Pferdepensionen und Hobbypferdehaltung ist gross. Die Verwendung von Pferdemist in Biogasanlagen ist aus den nachfolgenden Gründen nicht ganz einfach: Es enthält einen zu hohen Anteil an holzigem Lignin (Zellwandverstärkung). Eine zu hohe Trockensubstanz führt zu einer Verschlechterung des Substrats. Störfaktoren wie z. B. Sand oder Steine führen zu höheren Wartungskosten. Alternative Einstreumaterialien wie z. B. Strohpellets oder Sägemehl haben sich als eher ungeeignet erwiesen. Derzeit wird Pferdemist wenig in Biogasanlagen genutzt. Patrik Meier schilderte, wie die Vorzerkleinerung des Pferdemistes von grossem Vorteil ist und einen erheblichen Einfluss auf die anerobe Abbaubarkeit hat. Es verursacht weniger Verstopfung und Schwimmschichtbildung, wenn der Mist in Querstromzerspanern verarbeitet wird.

Pferdemist als zusätzliches Substrat
Die Investitionskosten für Querstromzerspaner liegen bei rund 150 000 Franken. Die Zwischenlagerungszeiten des Pferdemistes müssen möglichst gering gehalten werden, sonst ergibt sich ein hoher Biogaspotenzialverlust. Patrik Meier zog das Fazit, dass Pferdemist als zusätzliches Substrat in Biogasanlagen zur Verbreiterung der Substratbasis genutzt werden kann. Der ökologische Nutzen (Methanreduktion und Nährstoffeintrag ins Grundwasser) spreche für die Nutzung von Pferdemist in der Biogasanlage. Die Vorteile liegen eher in den vorhandenen Mikronährstoffen, Bakterien sowie der Prozessbiologie und Spurenelementen. Die Wirtschaftlichkeit hingegen ist schwer darzustellen. Daniel Widmer vom Fachbereich Boden und Düngung am Strickhof informierte über die Voraussetzungen der Kompostierung und Verwertung auf dem Feld. Er stellte unter anderem fest, dass sich der Pferdemist auch ohne Kompostierung sinnvoll einsetzen lässt, wenn folgende Punkte beachtet werden: Möglichst kurzes Stroh als Einstreu verwenden, den Mist gleichmässig und in geringen Mengen auf dem Feld verteilen, damit keine Mistmatratze entsteht. Ferner soll der Mist nur flach eingearbeitet und nicht untergepflügt werden, damit das Material rascher verrottet. Wenn über den Mist noch Schweine- oder Rindergülle gegeben werde, sei damit genügend N (Stickstoff) für den Abbauprozess vorhanden. Pferdmist soll möglichst bei Kulturen verwendet werden, welche auch später während der Vegetation noch Stickstoffbedarf haben.

Dezentrale Energie aus Pferdemist
Florian Studer, Projektmanager bei der Bioburn AG, informierte über die erste Pelletieranlage für feuchte Biomasse. Es handelt sich um eine innovative Extruder- Technologie zur dezentralen Energiegewinnung. Die Leistung der modularen Anlage kann der anfallenden Biomasse des Betriebes angepasst werden. Das Verbrennen solcher Pferdemistpellets ist nach heutigem Recht nicht erlaubt. Florian Studer schilderte, dass das Unternehmen bereits viele rechtliche Hürden überwinden musste. Die Motion Lustenberger für eine sachgerechte Verwertung von Biomasse-Reststoffen und gegen ein Technologieverbot, die im November 2014 angenommen wurde, habe Einiges in Bewegung gebracht. So muss der Bund die Gesetze, dass künftig auch Pferdemistpellets als Brennstoff eingesetzt werden können, anpassen. Um aktiv auf die Umsetzung der Motion Einfluss zu nehmen, lancierte die Bioburn AG, zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Schmid Energie Solution, ein Demonstrationsprojekt zur Wirtschaftlichkeit von Bioburn Pellets. «Nach der Zulassung von Pferdemistpellets, wir rechnen auf Ende 2017, wollen wir vier Anlagen bei Pferdepensionen mit mindestens 40 Pferden installieren », so Florian Studer. Eines der Ziele sei die Pellet- Vermarktung an Grosskunden (Heizungen >350 kW) und Energiecontracting (Energiecontracting bedeutet, dass ein Bauherr (Contractingnehmer) entweder die gesamte Wärmeproduktion oder aber einzelne Teile daraus an einen Contractor ausgliedert). Werner Wyss, zuständig für Substratherstellung und Qualitätssicherung bei der Kuhn Champignon AG (mit Produktion in Herisau und Full-Reuenthal), schilderte mit vielen Fotos, wie Substrat über mehrere Stufen (speziell für die Champignonzucht) präpariert werden muss. Die Ausgangsmaterialien für die Substratherstellung sind Pferde- und Hühnermist, die Beigabe von Gips verhindert die Versäuerung des Substrats.


Isabelle Schwander







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