Ausgabe Nummer 1 (2006)

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Pflanzenbautagung 2005: Zu viel Stickstoff aus der Luft?

Pflanzenbaukommission des Thurgauer Bauernverbandes, 21. Dezember 2005, Gasthaus zum Trauben, Weinfelden

Pflanzenbautagung 2005: Zu viel Stickstoff aus der Luft?

Präsident Walter Schmid konnte um 13 Uhr rund 75 interessierte Teilnehmer begrüssen. In seiner Einleitung fasste er kurz das Pflanzenbaujahr 2005 zusammen. Die Erträge waren gut, die Produktionsmethoden befinden sich auf hohem Niveau. Was aber Angst macht, sind der rasante Preiszerfall, WTO, die EU-Zuckerverordnung. Wie reagieren? Die Tagung versucht, Antworten dazu zu geben. Das Thema «Zu viel Stickstoff in der Luft» wurde gewählt, weil die Landwirtschaft als Hauptverursacher immer wieder schlechte Presse hat. Es sollen Denkanstösse gegeben und Argumente gefunden werden, um die Gesetzgebung in die richtigen Bahnen zu lenken.

Zu viel Stickstoff aus der Luft

Fritz Zürcher, Amt für Umwelt Kanton AR, Projektleiter Stickstoff-Depositionen OSTLUFT (Projekt der Ostschweizer Kantone u. FL), zeigte im Hauptreferat die Bedeutung der N-Belastung der Luft, Ursachen, Gefahren für Böden und Vegetation, den Handlungsbedarf und mögliche Lösungsansätze. Wälder und andere naturnahe Ökosysteme werden durch den N-Eintrag aus der Luft langfristig gefährdet (Überdüngung, Bodenversauerung, Verkümmerung des Wurzelsystems). Rund drei Viertel der Stickstoffeinträge stammen von Ammoniakemissionen  der Nutztierhaltung. Seit zehn Jahren ist die Belastung trotz gesunkener Nutztierzahl unverändert hoch. Ohne die bisherigen Anstrengungen bei der Güllelagerung und -ausbringung wären die Verluste wegen der Leistungssteigerung und des vermehrten Aufenthalts der Tiere im Freien (RAUS und Labelprogramme) sogar noch gestiegen. Der Zielbereich für den N-Eintrag aus der Luft liegt bei 7 bis 15 kg N/ha/Jahr. Dies bedeutet eine Halbierung der aktuellen Ammoniakverluste. Die N-Belastung in der Luft liegt in der Ostschweiz 25 Prozent über dem CH-Durchschnitt. Handlungsbedarf ist angesagt: Hofdünger gekapselt lagern, Stall- und Laufhofböden sauber halten, Gülle bodennah ausbringen, Haltungsysteme überdenken (detaillierte Unterlagen siehe www.ostluft.ch).
Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt, bemerkt, dass ein Antrag zur finanziellen Förderung der Schleppschlauchausbringung aus diversen Gründen von der Regierung leider abgelehnt wurde. Nach ihm darf die Gülleausbringtechnik aber auch nicht zu einer zusätzlichen ÖLN-Vorschrift werden.

Fruchtfolgeregelung
Der Thurgauer Bauernverband (TBV) unterstützt im Rahmen der AP 2011 den Vorschlag des Bundesrates über die Neuregelung der Fruchtfolgevorschriften. Der TBV wird sich auch im weiteren Verlauf der politischen Diskussion für die Neuregelung der Fruchtfolge einsetzen. Der Bundesrat hat namentlich vorgeschlagen, das heutige System auf der Basis von prozentualen Kulturanteilen aufzugeben und zu einer Fruchtfolgeregelung mit minimalen Anbaupausen zu wechseln, wie es in der Praxis unseres Kantons grösstenteils angewendet wird. Die Fruchtfolgeregelung auf der Basis von minimalen Anbaupausen entspricht dem Grundgedanken der Integrierten Produktion und kann auch zu Vereinfachungen des Kontrollwesens führen. ar

In einem Kurzreferat zeigte Hermine Hascher, Geschäftsführerin des Thurgauer Bauernverbandes, die Auswirkungen der AP 2011 auf den Pflanzenbau auf. Eine intensive Teilnahme an der Vernehmlassung war nötig, denn in der vorliegenden Form bietet sie den Bauernfamilien schlechte Perspektiven und eine weitere Verschärfung der wirtschaftlichen Situation. Im Grossen und Ganzen wären die Ackerbauern von stärkeren Einbussen betroffen als die Verkehrsmilchbetriebe.
Kurt Baumann, Leiter der Fachstelle Pflanzenbau und Düngung, LBBZ Arenenberg, schilderte anschliessend die Auswirkungen der EU-Zuckermarktordnung und AP 2011 auf die Rübenbauern. Mit allen Reduktionen und Kompensationen (Leistungsauftrag, Flächenbeiträge, Annahme für Rübenertrag 72t/ha) resultiert schlussendlich ein Rübenpreis von Fr. 5.54, eine Reduktion gegenüber heute von 43 Prozent!
Wo ist noch Sparpotenzial im Pflanzenbau? Bei optimalen Bedingungen und termingerechtem Einsatz bestehen folgende ungefähre Sparmöglichkeiten: Bodenbearbeitung: Direktsaat oder Mulchsaat gegenüber Pflug/Säkombination: Fr.100.– bis 300.– (2- bis 3-mal pro Fruchtfolge); Getreidesaatmenge: von 400 auf 300 Körner/m2: Fr.50.–; Pflanzenschutz: Generikas verwenden, Dosierung bei optimalen Bedingungen um 20 Prozent reduzieren, Bsp. Weizen: Fr. 74.–; Stickstoffdüngung: Harnstoff zum Schossen bei Getreide: Fr. 200.–; Körnermais: Nettoerlösgewinn bei gleichem Ertrag bei zunehmendem TS-Gehalt.
Alfred Gremlich, FSPD, LBBZ Arenenberg, stellte in einem weiteren Kurzreferat den 3-jährigen Stickstoff-Düngungsvarianten-Versuch vor. Ziel war es, den Einfluss verschiedener N-Staffelungen (jedes Verfahren mit total 150 kg N) auf Ertrag, Qualität und Erlös der Sorte Levis he-rauszufinden. Das Ergebnis: Ohne Qualitätsbezahlung lohnt sich eine höhere N-Gabe im Fahnenblattstadium nicht. Eine Schossergabe mit Harnstoff zahlt sich mit Fr.200.– Mehrerlös gegenüber der üblichen bestockungsbetonten N-Düngung aus. Detaillierte Infos zu allen Versuchen erhalten Sie im Versuchsbericht der FSPD, LBBZ Arenenberg oder im Internet unter www.arenenberg.ch (> Beratung > Pflanzenbau und Düngung > Versuchswesen).
Nach reger Diskussion zu diversen Themen konnte die Tagung um 16.30 Uhr geschlossen werden.

Alfred Gremlich, Berater Ackerbau,
FSPD, LBBZ Arenenberg