Ausgabe Nummer 1 (2007)

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Pflanzenbautagung 2006:Talsohle in Europas Landwirtschaft bald erreicht?

Pflanzenbaukommission des Thurgauer Bauernverbandes, 19. Dezember 2006, Weinfelden

Am Dienstag, 19. Dezember 2006, fand die alljährliche Fachtagung der Thurgauer Pflanzenbaukommission statt. Das Programm versprach nebst Sortenversuchsresultaten einen Vortrag von Thomas Anken (ART Tänikon) über Varianten der konservierenden Bodenbearbeitung und als Ergänzung einen Ausschnitt aus dem Film «Von Bauern für Bauern».

Der Präsident Walter Schmid konnte im «Trauben»-Saal in Weinfelden eine grosse Anzahl interessierter Landwirte begrüssen. In seiner Einleitung spiegelte er die Situation des Ackerbaus in der Schweiz wider, welcher wegen drohendem Freihandel, Globalisierung und kleinen Produktionsflächen nicht gerade verheissungsvoll in die Zukunft blickt. Als kurzfristigen Lichtblick nannte Schmid die jüngste Entwicklung beim Zuckermarkt und die europaweit schlecht ausgefallene Kartoffelernte, welche hoffentlich ein Umdenken bewirken werde.
Auch Thomas Anken gab in seiner Einleitung der berechtigten Hoffnung Ausdruck, dass zumindest in Europa die Talsohle in der Landwirtschaft langsam erreicht sei. Änderungen auf den Landwirtschaftsmärkten seien absehbar, dies auch wegen des boomenden Marktes für Energiepflanzen.

Verbesserung der Reifentechnik
In seinem Vortrag ging Anken auf die verdichtungsbedingte Belastung unserer Ackerböden ein und wies auf die enorme Bedeutung der Bodenfruchtbarkeit hin. Als ständigen Widerspruch stellte er das abwechslungsweise Verdichten und intensive Lockern der Krume dar, welche ausserdem die Tätigkeit der Bodenlebewesen beeinträchtigten. Eine wichtige Verbesserung in den letzten Jahren seien die Entwicklungen in der Reifentechnik, welche es ermöglichten den Bodendruck trotz höherer Maschinengewichte zu reduzieren. Anken zeigte sich überzeugt, dass die Investition in «Gummi» letztendlich dringender sei als in modernste Traktorentechnik, und wertete dies als Schlüssel für den Umstieg auf Mulch- oder Direktsaat. Der Bodenfachmann verglich die Bodenbearbeitungstendenzen der letzten 15 Jahre und stellte fest, dass die Bearbeitungstiefen eher rückläufig sind und die Bearbeitung allgemein eher extensiviert worden ist. In einem Versuch zwischen Pflug und Direktsaat, welcher seit 1987 bei der FAT in Tänikon läuft, konnte bewiesen werden, dass langfristig keine Ertragsunterschiede bestehen.
Abschliessend zog Anken das Fazit, dass bei annähernder Ertragsgleichheit mit der Direkt- oder Mulchsaat langfristig ein stabiles Bodengefüge mit den entsprechenden Vorteilen wie Tragfähigkeit, Erosionsschutz usw. geschaffen werden kann. Ausserdem können Kosten eingespart werden.Als sehr wichtig stufte Anken das Know-how des Landwirts oder Lohnunternehmers ein, welches massgeblich zum Erfolg beitrage. Als Erfolg wertete er ausserdem die Streifenfrässaat, welche schweizweit seit Jahren auf zirka 3000 ha betrieben wird.

Hohe Ansprüche an die Bewirtschaftung
Im Dokumentarfilm «Von Bauern für Bauern» wurde deutlich, dass die Motivation zur Umstellung auf Direkt- oder Mulchsaat einerseits vom wirtschaftlichen Druck, andererseits aber auch von persönlichen Werten genährt wird. Das Bild einer in Mulchsaat oder gar Direktsaat bearbeiteten Fläche sei etwas gewöhnungsbedürftig. Als wichtig beurteiltenalle Darsteller ein schonendes Befahren der Flächen. Die Ansprüche an den Bewirtschafter seien relativ hoch. Auch müsse, zur Vermeidung von Krankheiten wie Fusarium, die Fruchtfolge angepasst werden. Der Boden seinerseits bedanke sich mit einer guten Krümelstruktur und einem besseren Infiltrationsvermögen, verursacht durch eine grosse Zahl von Regenwürmern.

Weitere «Lehrjahre» sind notwendig
Die Diskussion ergab, dass an den meisten Standorten eine konservierende Bearbeitungsweise ohne Ertragseinbussen möglich ist. Allerdings müssen die betriebsspezifischen Bedingungen berücksichtigt werden, und für einige Fälle sei auch der Pflug nach wir vor das Beste. Zu berücksichtigen ist auch die Gefahr einer Toxinbildung bei Getreide nach Körnermais. Der Herbizidaufwand ist nicht unbedingt grösser, aber die Strategien verändern sich. Laut Anken sind für eine nachhaltige Entwicklung der pfluglosen Wirtschaftsweise weitere «Lehrjahre» nötig. Niemand bestritt das Kosten- und Arbeitseinsparungspotenzial. Wie schon im Film gesehen, kam eine Tendenz vermehrter Abhängigkeit von Lohnunternehmern zum Vorschein. Im Fall der Mulchsaat wurde jedoch auch darauf hingewiesen, dass diese oftmals mit den vorhandenen, einfachen Geräten möglich ist.
Zum Schluss der Tagung unterliess es Walter Schmid nicht, Kurt Baumann, welcher nächsten Sommer pensioniert wird, für seinen grossen Einsatz zu Gunsten des Ackerbaus zu danken. Während langer Jahre war er als Mitglied der Pflanzenbaukommission das Bindeglied zwischen Beratung und Praxis. Mit grossem Einsatz initiierte er zahlreiche praxisnahe Anbauversuche. Ausserdem hob Schmid Baumanns ungebrochene Leidenschaft für den Pflanzenbau hervor.

Urs Dietiker, Felben