Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Pflanzenschutz und weitere Pflegemassnahmen im Feldobstbau

Ausgabe Nummer 13 (2015)

Noch ist bei den Obstgehölzen mehrheitlich Winterruhe. Vereinzelt kann aber schon ein Knospenschwellen bei Zwetschgen festgestellt werden. Es ist nun Zeit, die Pflegearbeiten auch bei den Feldobstbäumen in Angriff zu nehmen.

Austriebsbehandlung mit Kupfer und/oder Ölprodukten
Kupfer hat eine hemmende Wirkung auf verschiedene pilzliche Erreger, ist jedoch nie so spezifisch in der Wirkung wie die heute gebräuchlichen Fungizide. Die Kupfermengen sind in der Labelproduktion eingeschränkt und betragen für Kernobst und im Bioobstbau 1,5 kg Reinkupfer/ha und bei Steinobst 4 kg Reinkupfer/ha. Auf dem Markt sind verschiedene Kupferformulierungen: Kupferoxichlorid (WP oder WG) bildet aufgrund der weniger guten Kristallstruktur mehr Depots, welche bei kalten Temperaturen und gleichzeitig wiederkehrenden Niederschlägen immer wieder aufgelöst werden. Die Aufwandmengen für diese Formulierung sind höher als bei Kupferhydroxid (SC, flüssig). Dank optimaler Kristallstruktur ist diese Formulierung in kleinen Mengen hochwirksam, da die Verteilung des Kupfers wesentlich besser ist. Die Anwendung von Kupfer kann zusammen mit dem Einsatz von Paraffinölen erfolgen. Paraffinöle gibt es in unterschiedlicher Zusammensetzung.

1. Reines Rapsöl: mit 32 l/ha Wirkung hauptsächlich auf Läuse,
    Spinnmilben. Raupenschädlinge werden nur am Rande erfasst.
2. Rapsöl + Reldan: 8 l/ha Wirkt gegen Läuse und andere
    überwinternde Arten. Frostspanner Schalenwickler, Spinnmilben
    und Schildläuse werden kaum erfasst, wenn zu früh behandelt
    wird. Diese Anwendung empfehlen wir erst im Stadium B, also
    wenn die Knospen schon etwas aufgegangen sind.
3. Paraffinöl 16 bis 56 l/ha, wir empfehlen hier die hohe Menge von
    50 l/ha. Diese Applikation sollte jetzt erfolgen. Sie hat das
    breiteste Wirkungsspektrum.
Für eine gute Wirkung von Ölpräparaten ist eine hohe Benetzung erforderlich. Die Empfehlung geht deshalb von 1000 l Wasser/ha aus.

Düngung und Jungbaumpflege
Viele Hochstämme werden nicht separat gedüngt, meistens erfüllt Gülle die Düngungsfunktion. Der Wurzelbereich der Feldobstbäume liegt jedoch in einem Bodenhorizont, in dem die Gülle besonders bei trockenem Wetter gar nicht hingelangt. Für Jungbäume empfiehlt sich folgendes Vorgehen: Bei der Pflanzung wird eine Mistscheibe mit gut verrottetem Mist erstellt (Veredelungsstelle freihalten). Während der Aufbauphase wird die Mistscheibe alle Jahre bis zirka zum 6. Standjahr erneuert. Wenn die Bäume grösser werden, das heisst spätestens nach dem 8. bis 10. Standjahr, wird auf die Düngung von Ertragsbäumen umgestellt. Weil mit Maschinen nicht bis zur Mistscheibe gemäht werden kann, ist dieses Gras zwei- bis dreimal pro Jahr mit der Sense zu mähen. Ertragsbäume dürfen nach den IP-Richtlinien im Rahmen der gesamtbetrieblichen Nährstoffbilanz pro Hochstamm bei einem Ertrag von duchschnittlich 300 kg/ Baum zusätzlich zur normalen Düngung mit 0,45 kg N; 0,15 kg P 205 und 0,56 K 20 gedüngt werden. Je nach Niederschlagsmenge erreichen die oberflächlich ausgebrachten Nährstoffe die Baumwurzeln oft ungenügend.
In Baumbeständen mit eher ungenügendem Triebwachstum empfiehlt es sich sowohl bei Ertrags- als auch bei Jungbäumen gelegentlich eine Lanzendüngung durchzuführen. Dies ist sogar ausdrücklich bei Bäumen in Ökoflächen ohne Abzug einer Are möglich. Man verwendet dazu einen wasserlöslichen Mehrnährstoffdünger, wie Arbosol oder Hydrofert. Heute sind verschiedene Geräte für die Lanzendüngung im Einsatz, welche den sonst hohen Arbeitsstundeneinsatz erleichtern. Die Einstichtiefe sollte in jedem Fall 20 bis 30 cm betragen. Die Menge Dünger pro Einstichloch richtet sich nach der Zahl der Einstiche. Bei alten, grossen Bäumen braucht es mehr als bei jungen Bäumen, wo zirka 2 l Düngerlösung pro Loch eingebracht werden. Diese Arbeiten sollen Ende April abgeschlossen sein.
Das Dickenwachstum von jüngeren Hochstammbäumen kann auch durch das Schröpfen verbessert werden. Dabei werden rund um den Stamm spiralförmig angeordnete und leicht versetze Schnitte in die Rinde gemacht. Diese fördern das Dickenwachstum, verringern aber auch die Gefahr von Frostschäden.

Baumgerüst kontrollieren
Zu einem gesunden Baum gehört auch ein geeigneter Viehschutz. Oft entsteht an mechanischen Reibstellen oder durch einwachsende Materialien Krebs. Eine Kontrolle und Wiederinstandstellung des Baumschutzes lohnt sich deshalb immer. Krebsstellen wenn möglich ausschneiden. Die Pfähle sollten auf der Sonnenseite vor dem Stamm stehen. Dies reduziert die Gefahr von Frostschäden bei Jungbäumen beträchtlich.

Mäuse regulieren
Unzählige junge und alte Feldobstbäume fallen jährlich dem Mäusefrass zum Opfer. Der Zeitpunkt für die Mäusebekämpfung ist im Frühjahr günstig. Die Erfolgsquote multipliziert sich beim Wegfangen der Weibchen. Der Fang sollte jedoch nicht die einzige Bekämpfung sein. Das Zerstören der bestehenden Gänge gehört genauso dazu und hilft mit, die rasche Zuwanderung von Aussen zu reduzieren.


BBZ Arenenberg,
Urs Müller




« zurück zur Übersicht