Ausgabe Nummer 30 (2004)
Pilzbefall und Wicklerarten beobachten
| Obstbau: Massnahmen in verhagelten Obstanlagen ergreifen |
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Pilzbefall und Wicklerarten beobachten
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| Der 2. heftige Sturm innerhalb von zwei Wochen hat am Samstagabend erneut schwere Hagelschäden verursacht. Nachdem am 8. Juli im unteren Thurgau grosse Schäden entstanden, hat der erneute Hagelzug diesmal von Süden her die Gemeinden Bischofszell östlicher Teil, Hauptwil-Gottshaus, Häggenschwil, Zihlschlacht-Sitterdorf, Muolen, Amriswil, Hefenhofen, Dozwil, Kesswil, Uttwil und Romanshorn sowie Teile von Egnach beeinträchtigt. Flächenmässig dürfte die bis jetzt betroffene Fläche etwa 30% der gesamten Thurgauer Apfelfläche betragen, bei Birnen dürfte dieser Prozentsatz eher noch höher liegen. Dies ist deutlich mehr als in einem normalen Jahr. Durch den Hagel besteht die Gefahr von Pilzbefall. Das Infektionsrisiko durch Feuerbrandinfektionen hat durch die Verletzungen ebenfalls zugenommen, und durch die offenen Wunden besteht eine stärkere Besiedlung durch Blutläuse. Die Behandlung verhagelter Anlagen erfolgt je nach Stand der Dinge. Sofortmassnahmen müssen bereits erfolgt sein. Sind starke Holzschäden vorhanden, lohnt es sich eventuell sogar, Kupfer einzusetzen. Allerdings müssen mind. 500 g / ha Reinkupfer eingesetzt werden (gilt auch für Baumschulen). Feuerbrandgefahr beachten Wo in Obstanlagen in den letzten zwei Jahren schon Feuerbrandinfektionen vorhanden waren, wäre der Einsatz von Mycosin zu prüfen. Anlagen, aber auch Hochstammparzellen, welche vor dem Hagel noch viele Läuse beherbergten, sind besonders gefährdet. Im Zusammenhang mit Feuerbrandgefahr sind Ausnahmebewilligungen zum Insektizideinsatz möglich. Dabei sind Kombinationen anzustreben, d. h. mit einem Insektizid sollen möglichst viele Parameter gleichzeitig abgedeckt werden (Bsp. Wicklerarten, Läuse, Blutläuse). In Parzellen mit stark geschädigtem Laub lohnt es sich, geschädigte Früchte zu entfernen und den Baum damit zu entlasten. Blattdüngereinsatz zur Sicherung der Blütenknospen des Folgejahres lohnt sich nur, wenn die Blätter noch einigermassen intakt sind. Vorteile bringen in solchen Situationen leicht aufnehmbare Produkte, z. B. solche auf Aminosäurenbasis. Um den Baum zu stärken wären aber auch Gaben von organischen Düngern sinnvoll, welche bis zur Ernte langsam kleine N-Mengen abgeben (Bsp.Rizinusschrot, 57 kg / ha) . Verhagelte Jungbäume ebenfalls mit langsamwirkenden Düngern ernähren oder über den Boden kleine, aber regelmässige Gaben mit Kalksalpeter ausbringen. Wicklerarten im Auge behalten In Befallslagen ist der Flug des Apfelwicklers über das letzte Wochenende stark angestiegen, während in anderen Fallen das Niveau sehr tief war. Wer die Strategie Insegar Ende Mai mit anschliessender Behandlung mit Reldan /Pyrinex oder Stewart gewählt hat, sollte nun noch eine Behandlung mit anderen Mitteln ausbringen (Granuloseviren 13 Behandlungen je nach Witterung, Consult, Dimilin, Difuse, Nomolt, Prodigy oder Mimic. Stewart mit 12 Behandlungen wäre ebenfalls möglich. Der Apfelwicklerflug war in den letzten Jahren jeweils gegen Ende August auf einem Niveau, wo keine Behandlungen mehr nötig waren. Am letzten Freitag wurden in Zusammenarbeit mit der Firma Andermatt Biocontrol diverse Parzellen mit Verwirrungstechnik besucht. Die bisherigen Ergebnisse waren sehr befriedigend. Falls überhaupt Einbohrungen festgestellt wurden, so konnten diese beim Auspflücken eliminiert werden. Es zeigte sich auch, das der Kleine Fruchtwickler entweder ebenfalls verwirrt werden oder aber eine Bekämpfung dieser Art erfolgen muss. Die Zusatzbehandlung mit einem Phosphorsäureester ist bei neu auf Verwirrung umgestellten Flächen notwendig, denn hie und da konnten abgestoppte Einbohrungen festgestellt werden. Entgegen den Erwartungen hat der Flug der zweiten Generation erst jetzt eingesetzt. Nächste Woche ist deshalb eine Kontrolle der Langtriebe angezeigt. Die Schadschwelle für Sofortbehandlung liegt bei 57% befallener Langtriebe. Die Situation beim Birnblattsauger hat sich etwas beruhigt. Trotzdem sollten weitere Behandlungen mit Kaliseifen zur Verhinderung von Russtau erfolgen, wenn es wieder wärmere Tage gibt. Der Wasseraufwand mit Seifenprodukten muss zwischen 1000 und 2000 l / ha liegen. Gleichzeitig sollen nicht benötigte Langtriebe herausgerissen werden. Zwetschgen Bei Zwetschgen besteht durch die feuchte Witterung und auch Fruchtverletzungen erhebliche Fäulnisgefahr. Ebenfalls sollte der Zwetschgenrost bekämpft werden. Kombinierte Abschlussbehandlungen unter Einhaltung der Wartefristen mit Delan in Tankmischung mit Rovral, Teldor (Wartezeit ungedeckt 10 Tage) oder Alto 100. Flint hat gegen Fruchtmonilia eine Teilwirkung, Rost und Schrotschuss werden erfasst. Die Dauerwirkung von Flint beträgt ca. 10 Tage. Amistar kann gegen Schrotschuss und Fruchtmonilia eingesetzt werden. Achtung: Gefahr von Phytotox, wenn Gerät zu wenig gereinigt und nachher im Kernobst eingesetzt wird. Urs Müller, Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie, LBBZ Arenenberg |
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