Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Praxistipps des Arenenberger Beratungsteams / Erwerbsalternativen in der Landwirtschaft

Ausgabe Nummer 9 (2016)

Aufgrund des schwierigen Marktumfeldes in der Milchproduktion suchen immer mehr Betriebsleiter nach Erwerbsalternativen oder nach Zuerwerbsmöglichkeiten. Häufig fehlen jedoch wirkliche Alternativen um das Einkommen aus der Milchproduktion zu kompensieren. Will dies bewerkstelligt werden ist ein Strategiewechsel notwendig.

Das sinkende Einkommen aus der Milchproduktion veranlasst viele Betriebsleiter, sich Gedanken über Zusatzeinkommen, bis hin zur Aufgabe der Milchproduktion zu machen. Entscheidende Kriterien für die Wahl einer Alternative müssen sein: Marktchancen, Arbeitsbelastung, Nutzung bestehender Gebäude, Kapitalbedarf, Finanzierbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Tragbarkeit. Wird der Betrieb extensiviert, muss die freiwerdende Zeit mit einem höheren Verdienst eingesetzt werden können oder es können dadurch direkt Personalkosten eingespart werden. Fehlt diese Möglichkeit, ist in der Regel die Extensivierung der falsche Weg.

Andere Raufutterverzehrer
Als Alternative zur Milchproduktion stehen häufig andere Raufutterverzehrer wie Rindermast oder Mutterkühe im Vordergrund. Diese können das Einkommen der Milchproduktion jedoch nicht kompensieren. Hingegen kann der Arbeitsaufwand gesenkt werden. Diese Umstellung ist daher eine Alternative, wenn die freiwerdende Arbeitszeit gewinnbringender in einem anderen Produktionszweig wie Obst, Beeren oder Gemüse eingesetzt werden kann, einem Nebenerwerb nachgegangen werden soll oder direkt Personalkosten eingespart werden können. Die Tabelle zeigt, dass bezogen pro ha Hauptfutterfläche nur die intensive Rindermast der Milchproduktion ebenbürtig ist. Auf kleineren und mittleren Betrieben, wo mit der Extensivierung keine Personalkosten eingespart werden können, führt dies daher zu einem Einkommensrückgang.

Innere Aufstockungen
Die Geflügelproduktion Pouletmast, Trutenmast aber auch Legehennen haben nach wie vor gute Marktchancen und zusätzlich Produzenten sind gesucht. Die Abnehmer verlangen jedoch meist grosse Produktionseinheiten (zum Beispiel für Legehennen > 6000er-Einheiten, für Poulet > 9000er-Ställe). Das Raumplanungsgesetz verlangt für Bauten für die bodenunabhängige Tierhaltung (innere Aufstockung) die sogenannte DB / TS Bilanz, welche nach Standardwerten berechnet wird.
Aufgrund dieser Regelungen eignen sich für diese Aufstockung eher grössere Betriebe oder Betriebe, die keine andere Tierhaltung haben. Eine Möglichkeit besteht in der Gründung einer Betriebszweiggemeinschaft, um die TS Bilanz zu erfüllen.

Bio sucht Legehennen- und Junghennenaufzuchtbetriebe
Im Biobereich sind Produzenten für Legehennen und Junghennenaufzucht gesucht. Dank kleineren Einheiten im Biobereich, eignen sich für diese Aufstockungen auch kleinere und mittlere Landwirtschaftsbetriebe. Die Wirtschaftlichkeit dieser Produktionen ist zurzeit sehr gut. Die Umstellung auf Bio und der Einstieg in die Bio Legehennenhaltung oder Bio Junghennenaufzucht könnte durchaus eine Alternative sein.

Fischproduktion
Schlagzeilen wie «Die Migros steigt in die Egli Produktion ein» zeigen, dass der Markt an Fischen aus der CH-Landwirtschaft interessiert wäre. Zurzeit gilt die Fischproduktion jedoch nicht als landwirtschaftliche Produktion. Daher sind Anlagen für die Fischzucht in der Landwirtschaftszone höchstens in bestehenden Bauten bewilligungsfähig. In absehbarer Zeit kann sich das ändern. Die hohen Investitionen und das damit verbundene Risiko werden den Boom noch bremsen.

Schlussfolgerung
Die obigen Ausführungen zeigen einige Möglichkeiten auf, sind aber nicht abschliessend und wenig ausführlich dargestellt. Alternativen sind betriebsspezifisch zu finden. Häufig verlangen die Betriebsumstellungen Investitionen, welche gut zu planen und zu prüfen sind. Mit der Betriebsumstellung ist stets auch ein Strategiewechsel verbunden welcher bewusst vollzogen werden soll.
Soll verlorenes Einkommen durch einen zusätzlichen Erwerbszweig kompensiert werden, ist stets auch die Arbeitsbelastung zu beachten. Neue Erwerbskombinationen bedingen gezielte Anpassungen in den Arbeitsabläufen, den Betriebszweigen und allenfalls auch der Mechanisierung. Themen wie Fischproduktion in der Landwirtschaft könnten in nächster Zeit konkret werden.


BBZ Arenenberg,
Christian Eggenberger,
Betriebsberatung


Beachten Sie zu diesem Thema den Kurs «Entwicklungschancen in der Landwirtschaft», Anmeldeschluss ist Montag, der 7. März.










« zurück zur Übersicht