Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Praxistipps des Arenenberger Beratungsteams / Feldostbäume brauchen viel Pflege

Ausgabe Nummer 18 (2016)

Keine Frage, wer sich jetzt in unserem schönen Kanton bewegt, spürt so richtig was den Thurgau ausmacht. Die blühenden Obstbäume, ob Hoch- oder Niederstamm, verbunden mit Seeoder Bergnähe und den gelben Löwenzahnwiesen, zeigen ihre volle Pracht. Obstbäume brauchen jedoch viel Pflege. Die wichtigsten Massnahmen erfahren Sie hier.

Bestand stabil, Artenzusammensetzung verändert
In den letzten Jahren ist die Zahl der Feldobstbäume durch verschiedene Förderprogramme oder die Direktzahlungen des Bundes im Thurgau bei rund 200 000 Bäumen über alle Obstarten gezählt stabil. Verändert hat sich jedoch die Zusammensetzung der Arten. Besonders der Rückgang der Birnenhochstämme fällt ins Gewicht, abgenommen haben aber auch Kirschen- und Zwetschgenhochstämme. Bei den Birnen führen zwei Gründe zur Abnahme: Erstens ist es im Markt mit Birnensaft heute schwierig, grosse Mengen abzusetzen, dies obwohl die Mostereien durchaus Anstrengungen unternommen haben, neue Produkte zu lancieren. Der zweite Grund ist der Feuerbrand, welche der Hauptsorte Gelbmöstler arg zusetzt. Leider ist zu erwarten, dass die noch verbliebenen rund 30 000 Birnbäume weiter abnehmen werden.

Ein Pflanzschnitt ist wichtig
Im Frühjahr werden die Bäume oft einfach mal gepflanzt. Da dann meistens viel zu tun ist, geht der Pflanzschnitt oft vergessen. Die Schnittlänge richtet sich nach der Baumstärke. Normalerweise werden die ausgesuchten Leitäste im Pflanzjahr bis auf einen Drittel des unteren Auges eingekürzt und der Mitteltrieb etwas länger belassen. Die Astwinkel können durch sperren mit einem Hölzchen oder durch Binden in die optimale Stellung von 45 Grad gebracht werden. Im 2. Standjahr werden die Leitäste nochmals stark eingekürzt. Erst, wenn der Baum richtig angewachsen ist, kann man länger, in der Regel auf die Hälfte des Triebzuwachses einkürzen. Wichtig ist es, die Konkurrenzaugen an den Triebspitzen zu blenden. Wird dies nicht gemacht, sollten die gewachsenen Jungtriebe nach der Blüte von Hand entfernt werden, sodass die Leitäste ungehindert in die richtige Richtung wachsen

Mäusebekämpfung ist das A und O
Der Feind Nummer eins nicht nur bei jungen Bäumen sind die Mäuse. In der Regel reicht es nicht, wenn die Baumscheibe frei von Mäusen gehalten wird. Auch das Umfeld sollte beachtet werden. Nach jedem Grasschnitt sollte intensiv um die Bäume gemaust werden. Mit welchen Fallen oder Methoden spielt keine Rolle, Hauptsache die Mäuse sind weg. Wenn man selber keine Zeit hat, findet man sicher einen Schüler, welcher mit der Mausejagd etwas Geld verdienen will. Fängt man nichts mehr, unbedingt die Gänge zerstören. Die Einwanderungsrate in nicht zerstörte Gangsysteme ist enorm. Das Weiden mit Vieh ist in dieser Hinsicht günstig, sofern das Gras in der Baumscheibe kurz gehalten wird. Ist dies nicht der Fall, sind die Bäume oft auch Zufluchtsort.

Bäume düngen
Graskonkurrenz reduziert den Wuchs der Jungbäume meistens sehr stark. Nebst der traditionellen, guten alten Mistbaumscheibe, welche die Nährstoffe langsam abgibt, ist auch eine Lanzendüngung möglich. Dazu gibt es heute bereits verschiedenste Eigenbaugeräte, welche diese mühsame Arbeit übernehmen.

Pflanzenschutz im Feldobstbau
Bisher wurden im Feldobstbau 4 bis 5 Behandlungen gegen Pilzkrankheiten plus Läuse und Apfelwickler empfohlen. Mit der in den letzten Jahren auftretenden Pilzkrankheit Marsonina Coronaria gelingt es mit dieser Strategie nicht, die Bäume genügend zu schützen. Verschiedene Projekte dazu wurden gestartet. Wie beim Feuerbrand ist auch bei dieser Krankheit die Sortenanfälligkeit sehr unterschiedlich. Bisher ist sicher, dass die Termine für die Fungizidbehandlungen im Sommer und Herbst länger erfolgen müssen als dies bisher der Fall ist. Die momentan verwendeten Fungizide haben Teilwirkungen, welche jedoch nur bei intensiver Anwendung zum Ziel führen. Die Bekämpfung von Feuerbrand gehört zur Pflege wie auch die Pilzbekämpfung. Die Auffassung, dass nichts machen den Baum wieder heilt, teilen wir nicht. Klar ist, dass es grosse Sortenunterschiede gibt und der Rückschnitt bei Apfelbäumen viel ermöglicht, während bei Birnenbäumen in der Regel bereits im Herbst weiterer Befall sichtbar wird. Unsere Empfehlung lautet deshalb, Birnbäume möglichst rasch entfernen, wenn Befall vorliegt. Bei Apfelbäumen sollten Infektionen möglichst rasch entfernt werden. Rodungen sind bei Apfelbäumen heute in der Regel nur bei anfälligen Sorten respektive bei wiederholtem Befall sinnvoll.
Es gilt immer zu bedenken, dass der Befall auch ins Holz wandert und dort länger als man denkt überleben kann.


BBZ Arenenberg,
Urs Müller













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