Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. Juni 2018


Première für Schweizer Wiesenrispensorten

Ausgabe Nummer 33 (2014)

Mit Sepia und Selista können 2014 zum ersten Mal Schweizer Zuchtsorten von Wiesenrispengras in den nationalen Sortenkatalog und gleichzeitig in die Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen eingetragen werden. Dieser Erfolg ist das Resultat einer über dreissigjährigen Entwicklungsarbeit von Agroscope an den Standorten Changins und Reckenholz. Noch braucht es etwa fünf Jahre Vermehrungsaufbau, bis die neuen Sorten den Bedarf des Schweizer Saatgutmarktes decken können.

Das Wiesenrispengras ist eine unentbehrliche Komponente von Samenmischungen, mit denen intensiv genutzte Wiesen und Weiden für lange Nutzungsdauer – vier oder mehr Jahre – angelegt werden sollen. Bekannter ist es aber als Rasengras, im amerikanisch beeinflussten englischsprachigen Raum unter dem Namen «Kentucky bluegrass». Die meisten Züchtungsfirmen konzentrieren sich deshalb ganz auf die Entwicklung von Sorten für den lukrativen Rasensektor. Entsprechend bescheiden ist das internationale Angebot an geeigneten Sorten für den Futterbau.
Jetzt erfährt dieses Angebot eine langersehnte Bereicherung durch Schweizer Sorten. Agroscope hat 2014 gleich zwei neue Sorten auf die Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen gebracht: Sepia und Selista.

Ertragreich und konkurrenzstark
Sepia und Selista zeichneten sich in den Schweizer Sortenversuchen durch weit überdurchschnittlichen Ertrag und Konkurrenzkraft aus. Sepia erzielte sogar höhere Erträge als die Sorte Lato, die seit ihrer ersten Eintragung 1996 in der Schweiz noch nie durch einen neuen Sortenkandidaten übertroffen worden war. Selista überzeugte durch die höchste Konkurrenzkraft aller geprüften Sorten. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig, damit das sich äusserst langsam entwickelnde Wiesenrispengras überhaupt eine Chance hat, sich unter der Konkurrenz des ebenso unentbehrlichen Englischen Raigrases in den Mischbeständen zu etablieren.

Saatgutproduktion eine Herausforderung
Saatgut von Wiesenrispengras ist generell schwierig zu produzieren. Bei der Selektion der Elitepflanzen, aus denen die neuen Sorten aufgebaut sind, wurde deshalb stark auf den Samenertrag geachtet. Aber erst die Erfahrung der grossflächigen Vermehrung wird zeigen, ob eine wirtschaftliche Saatgutproduktion möglich ist. Beim Vermehrungsaufbau und der Auswahl der geeignetsten Produktionsgebiete im europäischen oder überseeischen Ausland ist Agroscope auf die Unterstützung durch Delley Samen und Pflanzen und die Partner des Schweizer Samenhandels angewiesen. Gemeinsam hoffen wir, in vier bis fünf Jahren eine regelmässige, ausreichende Versorgung des Schweizer Saatgutmarktes mit Saatgut unserer Spitzensorten von Wiesenrispengras sicherzustellen.


Eidgenössisches Departement für Wirtschaft,
Bildung und Forschung WBF,
Agroscope, Wädenswil




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