Ausgabe Nummer 26 (2004)

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Premium- oder Jumbokirschen ernten

Steinobstkreisversammlung 2004 in Güttingen
 
Premium- oder Jumbokirschen ernten
 
Im Anschluss an den interessanten Rundgang auf dem Versuchsbetrieb der Agroscope FAW in Güttingen zu den Themen Kirschen, Zwetschgen, Regenabdeckungen, Aprikosen und Anbausystemen eröffnete der Präsident des Früchtezentrums Steinobst Ostschweiz, Herr Benno Neff, die offizielle Kreisversammlung.
Die grosse Teilnehmerzahl zeigte, dass der Steinobstanbau in der Ostschweiz einen hohen Stellenwert erlangt hat. Zudem wurden in den anschliessenden Referaten brisante Themen angesprochen, welche auf reges Interesse stiessen.
Im Anschluss des Jahresrückblicks auf die vergangene Verkaufskampagne, welche durch die Grossernte an Fellenberg geprägt war und den Obsthandel vor eine knifflige Situation stellte, wagte sich der Präsident an die Aussichten der diesjährigen Ernte, welche sieben bis zehn Tage später einsetzt als 2003.

2032 Tonnen Schweizer Kirschen
Bei den Kirschen zeigt sich ein guter bis mittlerer Ertrag. Die Schätzung beläuft sich auf 2032 Tonnen Schweizer Tafelkirschen (nur Menge, welche über den Grosshandel verkauft wird). Die Klasse «Extra» wird auch dieses Jahr eine Steigerung in der Menge erfahren. Mitunter ein Grund für die erfreuliche Tendenz ist die Ausdehnung der Fläche und das steigende Alter der professionell geführten Kirschenkulturen. Die Ostschweiz produzierte in den vergangenen Jahren rund 30 Prozent der schweizerischen Klasse «Extra» Kirschen, mit steigender Tendenz.
Die Tafelzwetschgen präsentieren sich auch dieses Jahr wieder sehr schön. Sogar die Sorte «Fellenberg», welche letztes Jahr Rekordernten ablieferte, hat heuer einen schönen Fruchtansatz.
Die Produzenten werden aufgefordert, beim Steinobst die Erntemeldung an ihren Handelsbetrieb gewissenhaft zu machen, damit die verkäufliche Menge und die Verkaufsplanung der Handelsbetriebe optimal gemacht werden kann. Im Weiteren sind genaue Zahlen wichtig für die Importregelung.
Die Qualitätsvorschriften sind analog dem letzten Jahr. Bei den Kirschen gelten folgende Grössen:
Klasse 1: ab 21 mm
Klasse Extra: ab 24 mm
Klasse Premium*: ab 26 mm
*Klasse Premium ist neu eingeführt, es handelt sich um eine Versuchsphase.

Erstmals «Premium»-Kirschen
Die Hauptreferate hielten an diesem Abend Hans Ruedi Wirz, Präsident des Produktzentrums Kirschen und Zwetschgen, und Beat Gysin, Geschäftsführer der Frunoba.
Die beiden Herren aus der Nordwestschweiz informierten die Anwesenden über die Einführung einer neuen Kirschenklasse «Premium». Diese Klasse sollte sich von «Extra» absetzen und in einer speziellen Aufmachung an den Konsumenten gelangen.
Das Ziel sollte sein, die Wertschöpfung für den Produzenten zu verbessern und ein Marktsegment abzudecken, welches bis jetzt noch nicht beliefert werden konnte. In der Diskussion tauchte die Frage auf, warum es eine nationale Klasse Premium braucht.
Hier einige Argumente
– Es gibt nur einen gesamtschweizerischen Markt
– Optimale Koordination zwischen den Anbaugebieten, welche Qualität und Preis anbelangt.
– Bessere Wertschöpfung im Kirschenanbau und Handel.
– Ein kontinuierliches Angebot und ein möglichst grosses Marktvolumen.
– Eine Marktordnung und keine unterpreisigen Angebote.
– Qualitäts- und Preissicherung.
– Der Handelsbetrieb steht bei diesem Projekt in einer grossen Verantwortung.
Die Klasse «Premium» wird dieses Jahr das erste Mal lanciert. Die Mindestgrösse beträgt 26 mm. Die Sorten sind noch nicht klar definiert. Es ist jedoch klar, dass nicht nur die Grösse zählen darf, sondern auch die innere Fruchtqualität massgebend ist, ob es sich um Premium handelt. Im Weiteren ist noch abzuklären, wie viele Premium-Kirschen der Markt aufnehmen kann. In Zukunft könnte man sich vorstellen, dass Premium-Kirschen mittels Brix und auch auf Festigkeit gemessen werden. Dies ist jedoch noch Zukunftsmusik. Die Grösseneinteilung sowie der Preis werden dieses Jahr noch nicht bewirtschaftet.
In der regen Diskussion kommt zum Ausdruck, dass die Einführung der Klasse «Premium» unter den Vorzeichen der jetzigen Grössen- und Preisvorstellung akzeptiert werden kann. Vorbehalte werden aber gemacht, wenn während der Ernte Grössenkorrekturen gemacht sowie die Preise gesenkt werden und die Grossverteiler diesen Druck auch ausüben. Die nationale Bewirtschaftung der Klasse Premium ist noch zu wenig abgeklärt.

Preisbildungssystem Tafelzwetschgen
Hier hat das schweizerische Produktzentrum Zwetschgen eine Änderung vorgesehen, welche jedoch wieder vertagt wurde. Anstelle von Produzentenpreisen wollte man ein neues System einführen, bei welchem nicht der Ablieferungstermin, sprich Erntetermin, für den Preis massgebend sein soll, sondern der Preis, welcher am Verkaufstag (Handel-Detailhandel) gilt.
Dies würde bedeuten, wenn die Zwetschgen in einer Aktionswoche verkauft werden, diese den tieferen Preis erzielen als jene, welche noch vor der Aktionswoche verkauft würden.
Mit diesem System möchte man dem zu frühen Pflücken von Tafelzwetschgen einen Riegel schieben. Für die Produktion wird es jedoch immer schwer bleiben, die Verkaufspreise des Handels zu kontrollieren. Für die diesjährige Verkaufskampagne wird das bisherige Preisbildungssystem beibehalten, welches sich bis heute gut bewährt hat.
Bei der neuen Preisbildung Zwetschgen wird klar zum Ausdruck gebracht, dass die bisherige Kommunikation sehr einseitig und «nordwestschweizlastig» geführt worden ist, ohne zu berücksichtigen, dass der Anteil Fellenberg aus der Ostschweiz über 50 Prozent ausmacht – gemessen an der gesamtschweizerischen Menge. Das Preisbildungssystem ist überarbeitungsbedürftig. Die Ostschweizer Produzenten möchten das bisherige System beibehalten.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Obst- und Rebbau, Patrick Stadler, Obstbauberater
 

Zwetschgenausdünnung ein Muss für gute Qualität
Für die Ausdünnung von Hand ist jetzt ein optimaler Zeitpunkt.
Neue Zwetschgensorten sind sehr fruchtbar und müssen zwingend von Hand ausgedünnt werden. Zudem ist dies auch eine Möglichkeit, die Zwillingsfrüchte vor allem bei der Sorte Elena zu eliminieren. Zwillingsfrüchte werden vom Grossmarkt nicht akzeptiert.

Ausdünnung:
Cacacks Schöne: 20 bis 25 Früchte pro Meter Fruchtholz
Hanita und Elena: 25 bis 30 Früchte pro Meter Fruchtholz
Nur gute Qualität überlebt! (pd)

 
 
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