Ausgabe Nummer 49 (2006)
Privatwald Thurgau – genial organisiert
Die Forstrevierkörperschaften bewähren sich nicht nur im Thurgau
Der Thurgauer Privatwald ist bestens erschlossen und forstlich intensiv betreut. Die Holznutzungen sind einsame Spitze. Diese Spitzenposition ist den altbewährten, flächendeckenden gesetzlichen Forstrevierkörperschaften zu verdanken. Im Gegensatz dazu ist der schweizerische und europäische Privatwald vielerorts schlecht erschossen, gesetzlich lückenhaft organisiert, mager betreut und stark unternutzt.56 Prozent oder 11000 Hektaren des Thurgauer Waldes sind Privatwald. Die Fläche pro Eigentümer beträgt 1,2 ha. Die Grundlage für das Erfolgsmodell sind die flächendeckenden Forstrevierkörperschaften. Diese basieren auf dem Zivilgesetzbuch und dem kantonalen Waldgesetz. Der Kanton legt die Grenzen fest. In diesen Forstrevieren bilden alle Waldbesitzer eine öffentlich- rechtliche (Zwangs-) Körperschaft mit einem Vorstand und einer jährlichen Mitgliederversammlung. Deren Hauptaufgabe ist die Anstellung und Finanzierung des Revierförsters. Der Beitrag pro Hektare liegt etwa bei 40 bis 50 Franken. Für die Einladungen und Inkasso wird das Eigentümerverzeichnis laufend aktualisiert. Die jährlichen Hektarenbeiträge bewirken eine automatische ?Besitzeroptimierung?. Auswärtige Besitzer, Erbengemeinschaften usw. empfinden den Wald mit der Zeit als Last und verkaufen ihn an Interessenten im Forstrevier.
Dienstleistungen für die Waldbesitzer
An den Jahresversammlungen im Spätherbst wird über Holzmarkt, Holzverwendung oder Waldpolitik informiert und der Revierförster nimmt Aufträge für Holzerei und gemeinsamen Holzverkauf entgegen. Weitere Infos erfolgen mit dem Einladungs- und Rechnungsversand sowie an Kursen und Exkursionen. Die geniale Idee der flächendeckenden Zwangskörperschaften (analog den Strassenunterhalts-oder Brunnenkorporationen) hat sich bestens bewährt. Basierend auf jahrzehntelanger guter Zusammenarbeit, konnte fast überall die Parzellenzusammenlegungen verbunden mit Strassenbau durchgeführt werden. Dank der intensiven Betreuung ist der Privatwald mit dem öffentlichen Wald vergleichbar. Und vor allem sind die Nutzungen bei guter Nachfrage sehr hoch. Im heutigen politischen Umfeld dürfte es aber schwierig sein, das Thurgauer Erfolgsmodell andernorts in problematischen Privatwaldgebieten einzuführen.
Armin Bont, ehem. Kreisforstmeister, Frauenfeld

