Ausgabe Nummer 16 (2010)
Problemlose Betriebsumstellung
Lisbeth und Stefan Brändli bewirtschaften in Berg einen gut 20 Hektar grossen Landwirtschaftsbetrieb mit Jungviehaufzucht sowie Obst- und Ackerbau. Vor drei Jahren haben Brändlis ganz bewusst und nach sorgfältiger Planung die Milchviehhaltung aufgegeben. Wie das Betriebsleiterpaar die Umstellung von Milchproduktion auf die Rinderhaltung geplant und erlebt hat, erzählt es im folgenden Interview.
«Thurgauer Bauer»: Ihr habt eine erfolgreiche Milchviehhaltung betrieben.Wie kam es dazu, eine Betriebsumstellung ins Auge zu fassen?
Stefan Brändli: Nach nüchterner Betrachtung des Umfeldes, wurde uns vor etwa zehn Jahren klar, dass wir ohne grosse Investitionen nicht bis zur Pensionierung Milch produzieren können.
Was konkret hat dann den Ausschlag zur Betriebsumstellung gegeben?
Stefan Brändli: Vor etwa zehn Jahren haben wir geprüft, ob eine Vergrösserung unserer Milchproduktion Sinn machen würde. Unsere Lage am Dorfrand, umgeben von immer mehr Einfamilienhäusern, sehr wenig Weidefl äche in Stallnähe, kein Hofnachfolger und die stetig wachsende Arbeitsbelastung sprachen aber klar gegen eine Zukunft in der Milchproduktion. So entschieden wir uns, aus der Milchproduktion auszusteigen.
Wie verlief der Entscheidungsprozess?
Lisbeth Brändli: Unser Vorteil war, dass wir weder einen zeitlichen noch einen fi nanziellen Druck hatten, den Betrieb umzustellen. So konnte der Entscheid reifen und die Betriebsumstellung sauber geplant werden. Stefan Brändli: Durch den Entschluss, ab dem Jahr 2007 keine Lehrlinge mehr auszubilden, wurde die Arbeitsbelastung für Lisbeth und mich so gross, dass wir die Aufgabe der Milchproduktion per 1. Mai 2007 beschlossen haben. Der Gedanke, die Milchkühe defi nitiv wegzugeben, hat aber schon geschmerzt.
Ihr habt den Entschluss, Euren Betrieb umzustellen, gemeinsam gefällt. Wart Ihr Euch bei der Entscheidungsfi ndung immer einig?
Lisbeth Brändli: Vor dem Entscheid haben wir viel miteinander diskutiert und gemeinsam Vor- und Nachteile abgewogen. Zudem haben wir zusammen den ARC-Unternehmerkurs besucht und uns Umgang mit Veränderungen Problemlose Betriebsumstellung dank sorgfältiger Planung Lisbeth und Stefan Brändli bewirtschaften in Berg einen gut 20 Hektar grossen Landwirtschaftsbetrieb mit Jungviehaufzucht sowie Obst- und Ackerbau. Vor drei Jahren haben Brändlis ganz bewusst und nach sorgfältiger Planung die Milchviehhaltung aufgegeben. Wie das Betriebsleiterpaar die Umstellung von Milchproduktion auf die Rinderhaltung geplant und erlebt hat, erzählt es im folgenden Interview. Lisbeth und Stefan Brändli geniessen nach der Betriebsumstellung die gewonnene Freiheit. (fs) 14 damit ganz bewusst Zeit genommen, die Umstellung zu planen. Dadurch waren wir bezüglich der Entscheidungsfi ndung immer etwa auf dem gleichen Stand.
Was ratet Ihr Euren Kollegen, welche sich mit einer Veränderung befassen?
Stefan Brändli: Ich stelle bei uns immer wieder fest, wie wichtig es ist, eine Betriebsstrategie zu definieren und diese konsequent zu verfolgen. Bei uns heisst das, dass wir auf drei Betriebszweige setzen und auf den Zeitpunkt meiner Pensionierung im Jahr 2017 den Betrieb aufgeben können. Wir sind also ein sogenannter «Auslaufbetrieb». Das hat unter anderem Einfl uss auf unsere Neuanschaffungen. Wir schaffen nur noch an, was unbedingt nötig ist und geben uns bewusst auch mit Kompromissen zufrieden. Manchmal ist es natürlich schwierig zu sehen, dass unsere Berufskollegen wachsen und den Maschinenpark aufrüsten und wir uns mit den alten Maschinen durchschlagen. Da hilft es ungemein, das Ziel, nämlich einen Ausstieg ohne fi nanzielle Probleme und genügend Lebensqualität bis zu diesem Zeitpunkt, zu kennen und an diesem festzuhalten.
Wie geht es Euch beiden heute, drei Jahre nach der Betriebsumstellung?
Lisbeth Brändli: Gut, wir haben Zeit und Raum für Neues. Das beschert uns viele neue Begegnungen und spannende Erlebnisse. Stefan Brändli: Es geht mir gut, ich habe wieder Zeit zum Leben.
Herzlichen Dank für das offene Gespräch,
BBZ Arenenberg, Fabienne Schälchli
