Ausgabe Nummer 11 (2008)
Projekt «Ammoniak Thurgau» mit Modellcharakter
Laufstallstamm in Oberhofen: Ressourcenpilot Ammoniak Thurgau
Im Kanton Thurgau ist ein Pilotprojekt zur Verminderung des Ammoniakausstosses gestartet worden. Landwirte, die mit einem umweltschonenden Schleppschlauchverteiler Gülle ausbringen, können eine Vereinbarung unterzeichnen und haben damit Anspruch auf einen Förderbeitrag.Der Ammoniakausstoss der Thurgauer Landwirtschaft muss in den nächsten 10 bis 15 Jahren um 42 Prozent gesenkt werden. Damit kommt eine zusätzliche, finanzielle Mehrbelastung auf die Landwirte zu. Investitionen in die zeitgemässe Technik eines Schleppschlauchsystems müssen überdacht, getestet und es müssen Kostenvergleiche gemacht werden.
Mit dem Pilotprojekt zur Verminderung des Ammoniakausstosses hat ein Projektteam unter der Leitung von Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt, ein Konzept ausgearbeitet, das nun in der Praxis angewandt wird. Die Teilnehmer des Projektes verpflichten sich mit ihrer Teilnahme für sechs Jahre. Beitragsberechtigt ist, wer im Kanton Thurgau Wohnsitz hat und die Voraussetzungen zum Bezug von Direktzahlungen erfüllt. Der Beitrag ist auf einen Flächenbeitrag von Fr. 45.? pro Hektare ausgerichtet. Bei mehrfachem Güllen derselben Fläche kann der Beitrag jedes Mal geltend gemacht werden. Die Verpflichtung endet im Jahr 2013, wobei ein vorzeitiger Austritt möglich ist.
Seit zehn Jahren gibt es im Thurgau die Laufstallstämme als Forum zu aktuellen Themen, sie finden jeweils im Sommer statt. Aus aktuellem Grund und im Hinblick auf die Förderbeiträge zur umweltschonenden Gülleausbringung organisierte das BBZ Arenenberg auf drei verschiedenen Betrieben einen Extraanlass und stellte das Thurgauer Pilotprojekt vor. Dass diese Anlässe für die Thurgauer Bauern von grosser Bedeutung sind, zeigte der zahlreiche Aufmarsch. Über 300 Landwirte verfolgten den praktischen Einsatz von verschiedenen Schleppschlauchsystemen. Doch nicht alle Teilnehmer zeigten sich von den vorgeführten Geräten begeistert. Ihnen missfiel die Streifendüngung, sie sind überzeugt, dass das flächendeckende Güllen auch weiterhin möglich sein muss. Hier ist jedoch anzufügen, dass die Gülle für die Vorführung zu dick war. Für einige stellt sich die Frage, ob genug Fördergeld vorhanden ist. Andere finden angesichts der hohen Anschaffungskosten seien die Beiträge nicht sonderlich hoch.
Martin Huber vom BBZ Arenenberg versuchte, die Teilnehmer von den wirtschaftlichen Vorteilen mit diesem System zu überzeugen. Die grösste Reduktion von Ammoniakemmissionen werde durch die bodennahe Ausbringung der Gülle mittels Schleppschlauch erreicht. Damit stehe den Pflanzen dank weniger Ammoniakverlust vermehrt Stickstoff zur Verfügung. Daher könne viel Geld eingespart werden. Laufställe und Laufhöfe weisen höhere Emmissionen auf als ein herkömmlicher Anbindestall. Eine komplette Systemänderung beim Ausbringen der Gülle betrifft aber beide Haltungsformen gleichermassen, da der grösste Ammoniakverlust beim Ausbringen der Gülle geschieht. Eine Systemänderung wird aber für die Landwirte zu weiteren Investitionen auf ihren Betrieben führen. Bernhard Kraft, BBZ Arenenberg, verwies in seinen Ausführungen auf die Wichtigkeit der Witterung und des Bodenzustandes beim Ausbringen der Gülle.
Laut Michael Dubach, Landtechnik BBZ Arenenberg, ist es wichtig, dass bei der Neuanschaffung eines Schleppschlauchverteilers verschiedene Überlegungen gemacht werden. Wichtig ist aber vor allem die Bodenbeschaffenheit der einzelnen Betriebe. Nicht jedes Gerät eignet sich für jeden Betrieb. Die Frage, ob das eigene Fass nachgerüstet werden soll, müsse gut überlegt sein. Unter bestimmten Voraussetzungen sei dies bei einer Grösse ab 7000 bis 8000 Liter zu prüfen. Eine weitere Möglichkeit könnte die gemeinsame Anschaffung und damit eine Kostenverteilung für einen Schleppschlauchverteiler sein. Eine weitere Variante ist das Ausbringen der Gülle mit einem Lohnunternehmen. Diese Unternehmen sind Profis und bereits bestens mit der neuesten Technik ausgerüstet.
Hanni Schild

