Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Projekt Zukunft Obstbau - Kontrolle nach dem 5. Standjahr

Ausgabe Nummer 32 (2015)

Das Projekt Zukunft Obstbau entstand aus der Feuerbrandsituation im Thurgau, die in den Jahren 2000 und vor allem im Jahre 2007 sehr grosse Schäden und in der Folge grosse Rodungen sowohl in den Niederstammkulturen wie auch im Feldobstbau zur Folge hatten.

In der gleichen Zeitperiode und auch Jahre zuvor musste festgestellt werden, dass der hochstämmige Feldobstbau nicht nur durch die Feuerbrandrodungen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen, wegen Bautätigkeiten und infolge Überalterung stark rückläufig war. Das Projekt «Zukunft Obstbau» galt als Massnahme zur Erhaltung des Obstbaus und des Landschaftsbildes im Thurgau und war ein Projekt, das den Kanton Thurgau mit ihrer Beratung, zusammen mit den Naturschutzorganisationen wie Thurgauer Vogelschutz, Pro Natura Thurgau und dem WWF Thurgau, bewogen hatte, eine gemeinsame Strategie zur Erhaltung des Obstbaues und des Landschaftsbildes im Thurgau zu erarbeiten. Der Regierungsrat des Kantons Thurgau hatte dem Bericht der Arbeitsgruppe zugestimmt und ein entsprechendes Projekt mit einem Kostenrahmen genehmigt. Er setzte somit ein Zeichen für die Förderung der wirtschaftlichen Obstproduktion und die Erneuerung des Feldobstbaues sowohl mit Obst- als auch mit Feldbäumen an geeigneten Standorten. Er stimmte der Bildung von zwei Obstbauzonen im Thurgau zu, in denen der Feuerbrand unterschiedlich überwacht und bekämpft werden soll. Hierfür hatte er ein Anreizsystem geschaffen, die den Hochstammobstbau am geeigneten Ort fördert und die Landschaft in ihrem prägenden Erscheinungsbild erhalten lässt. So wurden in der Obstbauzone 1 hochstämmige Steinobstbäume, hochstämmige Feldbäume (Baumnuss, Eiche, Linde, Ahorn usw.) und Hecken gefördert und mitfinanziert. In der Obstbauzone 2 wurden zusätzlich hochstämmige Apfelbäume mit feuerbrandtoleranten Sorten gefördert und entschädigt.

Projekt «Zukunft Obstbau» war ein Erfolg
Im ersten Projektjahr mit der Pflanzung 2010 waren es rund 150 Landwirtschaftsbetriebe, die sich an diesem Projekt beteiligten. In drei Folgejahren waren es zusammen nochmals rund 575 Betriebe.
Projektbezogen gepflanzt wurden im Jahr 2010 rund 1400 Feldbäume, 1800 m Hecken, 200 hochstämmige Steinobstbäume, in der Obstbauzone 2 zusätzlich 1200 hochstämmige Apfelbäume mit geeigneten Sorten. Die Entschädigung dieser Pflanzungen erfolgt in zwei Raten. So in einem Pflanzbeitrag bei Hecken und Feldbäumen und einem Zusatzbeitrag nach dem 5. Standjahr bei allen Pflanzungen, wobei der Pflanzbeitrag rund 20 Prozent und der Zusatzbeitrag 80 Prozent der Beitragssumme ausmachen. 2015 erfolgt die Zusatzentschädigung für die ersten Pflanzungen, die im Jahr 2010 erstellt wurden. Die Absicht der Zusatzentschädigung besteht darin, dass sie erst erfolgt, wenn die Pflanzungen nach dem 5. Standjahr einen Zustand erreicht haben, der es ermöglicht, eine weitere und hoffentlich auch lange Lebenserwartung der Bäume zu generieren.

Der Erfolg war weit besser als sein Ruf
Die diesjährige Kontrolle ist abgeschlossen. Bei den hochstämmigen Apfelbäumen haben rund 85 Prozent die Mindestanforderungen erfüllt, bei den Steinobstbäumen sind es rund 80 Prozent, bei den hochstämmigen Feldbäumen 86 Prozent und bei den Hecken gar 100 Prozent.
Erfreulich ist, dass einige Baumbestände in einem hervorragenden Zustand sind, sehr gut gepflegt werden und eine ausgezeichnete Zukunftschance haben werden.

Landschaftsbild Thurgau wird seine Früchte tragen
Die Begeisterung und Freude an den schönen und guten Kulturen hat bei der Kontrolle seitens vieler Bewirtschafter und mir als Kontrolleur oft überrascht. Gut gepflegte Apfelkulturen aus dem Projekt sind keine Seltenheit. Dies auch in Regionen und Gemeinden, wo ein wirtschaftlicher Obstbau kaum erahnt wird. Aber auch Alleen und ganze Kulturen von Feldbäumen haben mich als Kontrolleur überrascht, begeistert und von der sehr guten Chance zur Erhaltung der Landschaft Thurgau überzeugt.

Schwarze Schafe gibt es überall
Es bleibt nicht zu verheimlichen, dass einige Pflanzungen noch einiges zu wünschen übrig lassen. Bewirtschafter, die das Projekt nur dazu benutzt haben, den ökologischen Leistungen zu genügen, könnten diese Pflanzungen auf die Dauer zur Last werden. Die Auflage, dass auch nach der Kontrolle im 5. Standjahr die Pflanzungen weiterhin bestehen bleiben müssen, haben leider einige wenige Bewirtschafter überrascht. Auch seitens des Projektgebers müssen im Nachhinein einige Mängel festgestellt werden. So wurden zum Teil Kulturen, Alleen und Einzelbäume an Standorten gepflanzt, wo grundsätzlich keine Obst- oder Feldbäume hingehören. Es ist aber kaum möglich, Mindestanforderung zu erstellen, die einzelne Standorte ausklammern ohne eine katasterähnliche Lösung zu treffen.

Hochstämmige Bäume eignen sich nicht in Ökowiesen
Dass sich in Ökowiesen hochstämmige Apfelbäume nicht eignen, ist längst bekannt. Trotzdem wird es immer wieder und meist ohne Erfolg gemacht. Die Alternative, dass Baumreihen mit dem notwendigen Grün-, beziehungsweise Mulchstreifen in Ökowiesen von der Ökofläche ausgenommen, beziehungsweise abgetrennt werden, scheint eine akzeptable Lösung zu sein. Auch Feldbäume, so auch Nussbäume haben in den Ökoflächen grosse Mühe. Hochstämmige Bäume benötigen vor allem in den Jugendjahren entsprechende Pflege. Dazu gehört nebst dem Schnitt auch die Düngung und die Bodenpflege, denen in der Ökowiese einschränkende Grenzen gesetzt sind.

Die Begeisterung und Freude am Projekt «Zukunft Obstbau» überwiegt
Nach Abschluss der Kontrolle nach dem 5. Standjahr der ersten Pflanzungen des Jahres 2010 überwiegt die Begeisterung und Freude am Projekt «Zukunft Obstbau». Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass, vielleicht auch dank diesem Projekt, die erfreuliche Pflanztätigkeit von hochstämmigen Obstbäumen zugenommen hat. Vor allem in der Region östlich von Bischofszell sind hunderte, ja sogar tausende hochstämmige Obstbäume auch ausserhalb des Projektes «Zukunft Obstbau» gepflanzt worden. Somit ist auch der hochstämmige Feldobstbau im Thurgau seit 2012 wieder zunehmend.


Bruno Hugentobler,
ehemaliger Leiter der Fachstelle Obstbau Thurgau
















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