Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. März 2019


Projektstart, Precision-Farming-Technologien zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln

Ausgabe Nummer 50 (2018)

Die drei Kantone Aargau, Zürich und Thurgau starten das Ressourcenprojekt Pflanzenschutzoptimierung mit Precision-Farming- Technologien (PFLOPF) zur Anwendungsoptimierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln im Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbau. Mit sieben technologiebasierten Massnahmen sollen teilnehmende Betriebe Einsparungen von mindestens 25 % erreichen. An der Teilnahme interessierte Betriebe können sich bis Mitte Februar 2019 melden.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft ist aufgrund von unerwünschten Nebeneffekten mit zum Teil negativen ökologischen Folgen im Fokus der Öffentlichkeit. Der 2017 vom Bundesamt für Landwirtschaft lancierte Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz zeigt Möglichkeiten auf, wie sich Einträge in die Umwelt durch Massnahmen auf dem Betrieb und dem Feld vermeiden lassen und fördert Projekte, die die Landwirtschaft bei der Zielerreichung unterstützen.

Herausforderungen mit digitaler Unterstützung angehen
Die drei das Projekt initiierenden landwirtschaftlichen Zentren Arenenberg (TG), Liebegg (AG) und Strickhof (ZH) und die drei kantonalen Bauernverbände sind sich einig, dass zur Bewältigung der Herausforderungen im Bereich Pflanzenschutzmittel alle Register gezogen werden müssen. Unter anderem sollten dazu auch die heute verfügbaren Möglichkeiten digitaler Technologien genutzt werden. Mit sogenannten Precision-Farming-Technologien können der richtige Zeitpunkt, der richtige Ort und die richtige Art einer Pflanzenschutzmassnahme besser bestimmt und durchgeführt werden. Dies reicht von der Vermeidung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln durch den Einsatz mechanischer Unkrautkontrollverfahren, über eine Reduktion der Behandlungshäufigkeit durch die Ausnutzung des optimalen Behandlungszeitpunkts, bis zur Eliminierung von Überlappungen innerhalb und ausserhalb des Feldes. Am Markt verfügbare Precision-Farming-Technologien wie satellitengesteuerte (GPS) Lenksysteme, GPS- und sensorgesteuerte Pflanzenschutz- und Hackgeräte, Robotikanwendungen, Drohnen sowie betriebsspezifische Pflanzenschutz-Prognosesysteme erlauben eine Optimierung und Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.

60 Pilotbetriebe gesucht
Der Einsatz dieser Precision-Farming-Technologien ist in der Schweiz aus verfahrenstechnischen und ökonomischen Gründen noch nicht stark verbreitet. Das von den drei Kantonen und dem Bundesamt für Landwirtschaft finanzierte Ressourcenprojekt PFLOPF (Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming) will den Nutzen und die Anwendbarkeit der verfügbaren Technologien unter Schweizer Verhältnissen aufzeigen. Praxisbetriebe sollen im Einsatz der Technologien unterstützt werden.
Das Projekt soll zu einer fachlich hochstehenden Pflanzenschutzpraxis beitragen. Über einen Zeitraum von acht Jahren sollen 60 Pilotbetriebe mit dem Einsatz von Precision-Farming-Technologien auf ungefähr 900 Hektaren Fläche die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln optimieren und die eingesetzte Pflanzenschutzmenge um mindestens 25 % reduzieren, ohne dabei die Pflanzenschutzwirkung zu vermindern. Pro Kanton werden je zehn Betriebe mit Ackerbau und je drei mit Gemüsebau, Obstbau und Rebbau als Teilnehmer gesucht. Gemischtbetriebe mit mehreren der Produktionsrichtungen können ebenfalls teilnehmen.
Das Projekt wird wissenschaftlich durch Agroscope begleitet. Die kantonalen Beratungsdienste übernehmen spezifische Monitoring- und Beratungsaufgaben. Die Swiss Future Farm wird als Technologieunterstützer und Testbetrieb für neue Technologien eine wichtige Funktion inne haben.

Sieben Massnahmen zur Auswahl
Die Betriebe wählen mindestens zwei der in der Tabelle beschriebenen, sieben Massnahmen aus. Für die Umsetzung der gewählten Massnahmen bekommen die teilnehmenden Betriebe in den ersten sechs der acht Projektjahre jährliche flächenbezogene Beiträge und einen Grundbeitrag.

Flexible Massnahmen-Umsetzung
Die flächenbezogenen Teilnahmebeiträge ermöglichen den Betrieben eine flexible Massnahmenumsetzung, sei es mit bestehender Eigenmechanisierung, neu angeschafften Geräten, oder über den Lohnunternehmer. So kann jeder und jede, egal ob mehr oder weniger technologieinteressiert, Massnahmen umsetzen und mit der Nutzung von Precision- Farming-Technologien zu einer Optimierung des Pflanzenschutzes und Reduktion der Ausbringmengen beitragen.

Teilnahmeinteresse melden!
Die Projekt-Homepage www.pflopf.ch geht Mitte Januar 2019 online. Bereits jetzt an einer Teilnahme interessierte Betriebe können eine E-Mail an christian.eggenberger@tg.ch senden und werden im Januar über den weiteren Ablauf informiert. Eine Interessensbekundung ist bis Mitte Februar 2019 möglich. Nach der Auswahl der Betriebe, Anmeldung der Massnahmen und Vertragsabschluss soll ab Mitte 2019 mit der Umsetzung der Massnahmen begonnen werden können.

Martin Holpp (Agrofutura), Christian Eggenberger (BBZ Arenenberg)










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