Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
15. Juni 2018


Proteinbezahlung ist wirtschaftlich kaum bedeutend

Ausgabe Nummer 37 (2014)

Die Proteinbezahlung hätte aufgrund der Versuchsresultate des Forum Ackerbau im Vergleich zum Ertrag eine untergeordnete Rolle gespielt.

Das Weizenjahr 2014 brachte gute Erträge, aber regionsspezifisch ausgeprägten Auswuchs. Die Proteinresultate des deutschschweizer Netzes des Forum Ackerbau waren wenig berauschend und deutlich unter dem Dreijahresdurchschnitt 2012 bis 2014.

Im ÖLN ist der Ertrag wirtschaftlich entscheidend
Anhand der dreijährigen Ergebnisse des Forum Ackerbau im Vergleich mit den Ergebnissen 2014 können die Auswirkungen des neuen Proteinbezahlungssystems unter die Lupe genommen werden. Dieses gilt für die Proteingehalte der Top-Sorten und für die Bezahlung zwischen Sammelstelle und Mühle, bei einem neutralen Bereich von 12,5 bis 14,0 %. In den Versuchsresultaten werden in der Regel leicht höhere Erträge und bessere Proteingehalte geerntet als im Durchschnitt in der Praxis. Die Proteingehalte der Versuche 2014 schwankten in der Top-Klasse im ÖLN zwischen 12,8 % (Camedo) und 14,3 % (Lorenzo), im Dreijahresschnitt 13,9 % resp. 15,2 %. Ertragsmässig lag die Sorte Camedo 2014 bei 84,1 dt/ha, Lorenzo bei 73,4 dt/ha, im Dreijahresschnitt 74,8 dt/ha respektive 66,5 dt/ha. Camedo würde damit im 2014 ohne Bonus-Malus bleiben und würde mit dem Richtpreis (Fr. 52.–/dt) eine Leistung von Fr. 4373.–/ha, im Dreijahresschnitt Fr 3890.–/ha, erreichen. Lorenzo im Vergleich dazu würde mit Fr. 3839.–/ha resp. Fr. 3538.– (Dreijahresdurchschnitt) weniger gut abschneiden.
Ein Vergleich mit der Klasse-I-Sorte Forel (keine Proteinbezahlung) zeigt, dass diese dank dem höheren Ertrag etwa die gleiche Leistung erreicht wie Camedo. Dies zeigt, dass im ÖLN die Proteinbezahlung minimale Auswirkungen (im Maximum + Fr. 88.–/ ha) gehabt hätte und der Mengenertrag viel bedeutender ist.

Prämien gleichen teilweise aus
Im Extenso wären die Sorten Claro und Camedo 2014 in den Bereich der Abzüge gelangt, während Molinera und Lorenzo neutral behandelt würden. Die Leistung inkl. Extensobeitrag und IP-Suisse-Prämie wird aber auch hier vor allem durch den Ertrag beeinflusst. Bei IP-Suisse erhält Claro eine um Fr. 1.25/dt tiefere Prämie als Camedo, Lorenzo und Molinera, was 2014 Fr. 88.–/ha ausgemacht hätte. Molinera und Lorenzo profitieren zusätzlich von einem Start-Bonus von Fr. 1.–/dt. Diese preislichen Vorteile hätten Molinera und Lorenzo von der Leistung her in etwa zu Claro aufschliessen lassen, nicht aber die Differenz zu Camedo ausgeglichen. Im Vergleich hätte Forel etwa die gleiche Leistung gebracht wie Lorenzo, Molinera und Claro.
Um die Leistungen von Extenso und ÖLN vergleichen zu können, müssten beim ÖLN noch die zusätzlichen Kosten von Fr. 300.– bis Fr. 400.–/ha für Fungizid, Insektizid und Halmverkürzung sowie der Arbeit und Maschinenkosten in Abzug gebracht werden.
Als Schluss aus diesen Berechnungen kann festgehalten werden, dass der Ertrag im Vergleich zu einer Proteinbezahlung weit entscheidender ist. Im Extenso können dank den Unterstützungen von IP-Suisse die Differenzen der Hochqualitätssorten Molinera und Lorenzo zu Claro knapp ausgeglichen werden, kaum aber zu Camedo.


Forum Ackerbau,
Kaspar Grünig




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