Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
19. Oktober 2018


PROVIEH Bio-Milchstamm: Fütterung optimieren - Welche Strategie für meinen Betrieb?

Ausgabe Nummer 39 (2016)

Mit dem Thema «Fütterung optimieren» lud das BBZ Arenenberg zusammen mit Bio Ostschweiz und PROVIEH zum diesjährigen Bio- Milchstamm ein. Ein Thema welches aktueller denn je ist und bei dem viele Wege zum Ziel führen. Mit dem Beschluss der Delegiertenversammlung der Bio Suisse, ab 1. Januar 2018 einen minimalen Grasanteil (frisch, siliert oder getrocknet) in der Wiederkäuerfütterung für alle Bio-Betriebe als obligatorisch einzuführen, kommen weitere Herausforderungen auf die Bio-Betriebe zu. Anlass genug, dass sich Betriebsleiter untereinander austauschen und mögliche Strategien diskutieren können. Auf dem Biohof der Familie Müller in Eschlikon stellten drei Praxisexperten ihre Milchviehfütterung vor und diskutierten diese mit den zahlreich anwesenden Berufskollegen.

Mähweide und Verzicht aufs Eingrasen bei den Müllers
Michael Müller, Leiter des Biohofs Müller, bewirtschaftet zusammen mit seinen Eltern und seiner Frau rund 28 ha LN. Auf dem Betrieb stehen 33 Milchkühe, die im Schnitt 7600 kg Milch geben. Ein wichtiger Bestandteil des Betriebes ist die Biogasanlage, welche Müller zusammen mit anderen Bauern realisiert hat. Im Sommer sind die Milchkühe Halbtags auf der Weide. Nach der Weide wird darauf verzichtet, den Schnitt für die Silage zu verwenden, da Müller die Qualität als Heu besser einstuft. Auf das Eingrasen wird ganz verzichtet, auch Säuberungsschnitte auf den Mähweiden werden nur sehr selten getätigt, da sich für ihn diese Arbeit nicht auszahlt. Diese Massnahme wurde nicht von allen Anwesenden geteilt. Die Frage, ob durch den Verzicht auf das Eingrasen nicht die Gesundheit der Kühe leiden würde, verneinte Michael Müller jedoch. Für ihn ist zudem einfaches Handling der Fütterung wichtig, da nicht nur die Milchwirtschaft ein wichtiges Standbein des Betriebes ist. Mit 79 % Grasanteil erfüllt er die Vorgaben von Bio-Suisse, welche ab 1. Januar 2018 mindestens 75 % Grasanteil in der Wiederkäuerration fordert.

Weidebetonte Fütterung bei den Ellikers
Auf dem Biohof Elliker ist Andreas Elliker der Betriebsleiter und verfolgt seine Ziele ebenfalls konsequent. Sein Hof umfasst rund 48 ha LN und 48 Milchkühe. Die Milch wird silofrei und antibiotikafrei produziert. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei rund 7900 kg. Er bezeichnet sich selber als Verfechter der Wiesenegge und ist überzeugt davon, dass ein möglichst frühes Weiden im Jahr die richtige Praxis für seinen Betrieb ist. Auch das Putzen der Weiden hat für ihn grosse Bedeutung, da so einerseits Unkräuter bekämpft werden und andererseits der Mist besser verteilt werden kann. Das Eingrasen ist für ihn wichtiges und günstiges Proteinfutter im Frühjahr und er sieht den Vorteil auch darin, die Nährstoffmenge als Gülle besser auf die Parzellen verteilen zu können. Ein für ihn optimales Weidemanagement mit Umtriebsweide kann auch deshalb geführt werden, weil die Flächen alle nahe beim Hof liegen. Für ihn ist wichtig, dass sich das Weiden nach dem Aufwuchs und Bestand richtet und nicht nach der Zeit. Die Schläge für das Weiden müssen so angepasst werden, dass immer junges Futter vorhanden ist.

Melkroboter und Weidemanagement bei den Gstöhls
Anita und Helmut Gstöhl aus Eschen, FL, haben sich im 2013 bewusst für die Bio-Milchwirtschaft entschieden und ihren alten Anbindestall durch einen neuen Laufstall mit Melkroboter ersetzt. Die Weidefläche, arrondiert beim Stall, beträgt rund 5 ha. Sie bewirtschaften einen Betrieb mit rund 53 ha LN und 60 Milchkühen. Die durchschnittliche Milchleistung liegt im Moment bei rund 7000 kg. Der erste Aufwuchs wird siliert, danach wird geweidet. Die Bestosszeit der einzelnen Schläge beträgt rund 2 Tage. Danach wird, wenn nötig, ein Säuberungsschnitt durchgeführt. Die Kühe müssen auf den Weiden immer frisches und junges Futter vorfinden, damit sie gerne raus gehen. Mit der Fütterung im Stall wird das Fressverhalten auf der Weide gesteuert. Die Familie Gstöhl hat sich entschieden nur im Frühjahr und Herbst die Weiden zu düngen. Andere Betriebsleiter sind jedoch der Meinung, dass auch während der Weidesaison Gülle mit dem Schleppschlauch ausgebracht werden kann, wenn gleich nach der Ausbringung Regen fällt.
Eine Herausforderung, die auf die Familie Gstöhl zukommt, ist das Erreichen des minimalen Grasanteils in der Wiederkäuerration. Massnahmen, welche sie ergreifen werden, um die Anforderungen von Bio Suisse auf ihrem Betrieb erfüllen zu können, sind folgende: Tierbestand erhöhen, Futterbau optimieren und intensivieren, Aufzuchttiere auf dem eigenen Betrieb halten sowie die Ökoflächen im Rahmen des Erlaubten mehr und besser nutzen.
Nach sehr wertvollen weiterführenden Diskussionen an den jeweiligen Posten wurde der Abend mit einer feinen Wurst vom Bio-Berger abgerundet. Die drei stark unterschiedlichen Fütterungsstrategien haben den Besuchern aufgezeigt, welche verschiedenen Möglichkeiten sie haben, in Zeiten von grossen Herausforderungen, einen minimalen Grasanteil in der Wiederkäuerfütterung zu erhalten.


Regula Mengelt







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