Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
5. Oktober 2018


Qualität und Vielfalt nehmen zu

Ausgabe Nummer 28 (2016)

8. Ostschweizerische Edelbrandprämierung am LZSG Flawil

Mitte Juni verkosteten und bewerteten zwölf erfahrene Prüfer in einer Blinddegustation 140 eingereichte Proben von Edelbränden aus den Kantonen SG, TG, AI, GR, ZH und dem Fürstentum Liechtenstein. 94 oder 67 Prozent der Edelbrände wurden ausgezeichnet. Am 5. Juli fand die Prämierung statt.

Vier Gruppen mit je drei Personen arbeiteten sich durch je rund 40 verschiedene Proben von Edelbränden. Diese waren in 13 Gruppen eingeteilt: Apfel, Birne, Traubentrester, Beeren/Traube, Kirsch, Zwetschgen, Quitte, Vieille, Spirituose, Getreide, Wild/Wurzeln, Gin und Liköre. Die Verkoster rochen an den Gläsern, ob das Produkt sauber ist und nach dem riecht, was drin ist. Als ein weiteres Kriterium folgte der Geschmack und schliesslich der Gesamteindruck. «Um so viele Edelbrände verkosten zu können, ist die Reihenfolge wichtig. Die Obstbrände kommen zuerst und die Wurzeln am Schluss», verriet Richard Hollenstein, Leiter Fachstelle Obstbau am LZSG Flawil, und nebst Arthur Nägele, Spirituosen- Sommelier aus Gaissau, Mitorganisator der Edelbrandprämierung.

Neue Trends
Letzte Woche waren die Brenner und Brennauftraggeber nach Flawil eingeladen, um die Resultate entgegenzunehmen. Die Prämierung findet alle zwei Jahre statt, inzwischen zum achten Mal. «Im Vergleich zu den ersten Prämierungen liegen Welten dazwischen», meinte Richard Hollenstein. Die Qualität sei deutlich gestiegen und die Vielfalt ebenfalls. Sei damals ein Drittel ausgezeichnet worden, so seien es heute zwei Drittel. 94 von den 140 Proben haben dieses Jahr 16 Punkte und mehr erhalten; 20 sind maximal möglich. Für Sauberkeit, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck sind maximal fünf Punkte zu vergeben. In der Ostschweiz hätten Brände von Kernobst Tradition, doch unterdessen zeige sich, dass immer mehr neue Geschmackrichtungen auf den Markt kommen. Im Trend seien die Vieille- Produkte – das beliebteste ist die Vieille Prune, die ihren Ursprung in Frankreich hat. In der Schweiz wird sie schon beinahe liebevoll «alti Zwetschge» genannt. Auch Likörs gibt es immer mehr und dies in verschiedenen Fruchtnoten. Nach der Prämierung versammelten sich vor allem die Damen um jene Produkte, doch auch den Männern gefielen diese farbigen Inhalte, die, wie es schien, weniger süss als früher sind. «Mir ist es wichtig, dass das Süsse und Saure ausgewogen und beides spürbar ist», sagte etwa Monika Lehner aus Braunau, die für drei Liköre eine Auszeichnung bekam.

Brennereien erhalten
«Früher wäre es in der Schweiz nicht vorstellbar gewesen, Whiskey herzustellen», meinte Richard Hollenstein weiter, jetzt gäbe es eine ganze Reihe davon, die von guter Qualität sei. Auch der Gin verbreitet sich und der Absinth. Die Erscheinung der Edelbrände ist ebenfalls edel geworden. Schöne, teilweise kunstvolle Etiketten zieren die unterschiedlichen Flaschenformen. «Auch hier hat es grosse Fortschritte gegeben», stellte der Mitorganisator fest. Eines der Ziele der Prämierung ist es, das Brennereigewerbe in der Ostschweiz zu erhalten. «Wir haben viele gute Brände aus Früchten der Region, die allerdings ihren Preis haben, weil die Alkoholsteuer sehr hoch ist», wies ein junger Brenner auf einen Nachteil gegenüber den importierten Spirituosen hin. Die Verkoster hatten eine Hitliste erstellt. Aus jeder der 13 Brandgruppen erkoren sie einen Sieger. Arthur Nägele gratulierte zuerst diesen Personen, bevor er die Auszeichnungen bekannt gab. Anschliessend standen sämtliche ausgezeichneten Proben zur Degustation bereit. Da galt der Rat, zuerst daran zu riechen und nur von jenen zu trinken, an denen die Nase Wohlgefallen gefunden hatte.


Text und Bilder: Cecilia Hess, Uzwil
















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