Ausgabe Nummer 16 (2007)

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Qualitätsmostobst sehr gefragt

Mit den vorherrschenden Wetterverhältnissen wächst Feuerbrandrisiko

Die heutige Mostobstproduktion darf nicht der Zufalls- und Überschussproduktion überlassen werden, erklärte Richard Hollenstein, Leiter Zentralstelle Obstbau, St. Gallen, an einer Veranstaltung der Hochstammobstbau Schweiz.

Vor zehn Jahren habe es nach Ansicht sogenannter Fachleute zu viele Hochstammobstbäume gegeben, der Mostobstpreis sei tief gewesen. Für viele Hochstammbäume habe diese Situation zum «Aus» geführt, erklärte Guido Schildknecht, Präsident Hochstammobstbau Schweiz, an einer sehr gut besuchten öffentlichen Veranstaltung in Mörschwil unter dem Titel «Auf Hochstammobstbäumen ? gutes Mostobst für morgen». Zusammen mit der Vereinigung Hochstammobstbau Schweiz habe er bei den Obstgetränke- Veredelungsbetrieben Werbung zum Erhalt und zur Förderung der Hochstammobstbäume gemacht. Heute sei Mostobst wieder gefragt und eher knapp, freut sich Schildknecht.

Rohprodukte mit guter Qualität
Die Versorgung mit genügend qualitativ gutem Mostobst aus der Schweiz bereite ihm tatsächlich Sorgen, erklärte Ernst Möhl, Mitinhaber der Mosterei Möhl AG, Arbon. Dennoch habe seine Firma rund 5 Millionen Franken für eine neue Obstannahmeanlage und eine Wäscherei investiert. Dies sei Beweis, dass die Möhl AG an die Zukunft der Schweizer Mostobstproduktion glaube. Innovative Produkte wie Shorley, alkoholfreier Saft vom Fass und andere mehr seien bei den Konsumenten gefragt. Möhl ist überzeugt, dass sich Schweizer Apfelsaftprodukte auch bei Öffnung der Grenzen durchsetzen werden.Auch bei den Grossverteilern habe man entdeckt, dass Produkte mit einer guten Qualität eine höhere Marge generieren. Ob die Mostäpfel von Nieder- oder Hochstammbäumen stammen, sei nicht so wichtig. Von grosser Bedeutung sei jedoch, dass das Mostobst über eine sehr gute Qualität verfüge. Diese Bemerkung hörte Schildknecht nicht gerne. Er wies darauf hin, dass Hochstammbäume nicht nur gutes Obst liefern, sondern auch die Landschaft prägen.

Professionelle Pflege gefragt
Die heutige Marktsituation lasse eine Zufalls- und Überschussproduktion nicht mehr zu. Gefragt sei heute eine gezielte Produktion von Qualitätsmostobst, sagte Richard Hollenstein, Leiter Zentralstelle Obstbau St. Gallen. In der Folge stellte er die Pflege der traditionellen Hochstammbäume, Hochstämme mit Rundkrone, Niederstämme mit Spindel sowie Säulenbäume vor. Hollenstein ist der Meinung, dass es nicht von Bedeutung ist, für welche Baumart sich die Produzenten entscheiden, viel wichtiger sei eine professionelle Pflege der Anlagen. Er ist überzeugt, dass sich in Zukunft eine gute Schweizer Qualität im Mostobst gegen eine «Billigproduktion » durchsetzen werde.

Feuerbrandrisiko steigt
An der Veranstaltung wurde darauf hingewiesen, dass die anhaltende Wärme bei eintretender Nässe zu einem erhöhten Risiko betreffend Feuerbrand führe. Deshalb sei bei den Obstproduzenten zurzeit eine hohe Aufmerksamkeit gefordert, die im Notfall entsprechende Massnahmen auslösen solle.

Mario Tosato


Ernst Möhl, Guido Schildknecht und Richard
Hollenstein (von links nach rechts) setzten
sich für eine hohe Qualität beim Mostobst ein. (tos)
Ernst Möhl, Guido Schildknecht und Richard Hollenstein (von links nach rechts) setzten sich für eine hohe Qualität beim Mostobst ein. (tos)