Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Qualtität vom Futter bis zum Endprodukt

Ausgabe Nummer 48 (2018)

Einblick in ein Schweizer Unternehmen: Frifag Geflügelproduktion Märwil

Geflügelfleisch ist hoch im Kurs. Der Ostschweizer Traditionsbetrieb Frifag Märwil AG deckt einen wesentlichen Anteil des Schweizer Bedarfs ab. Er setzt auf erstklassige Qualität, vom Futter zur Tierhaltung bis zum Endprodukt.

«Wer den Hahn noch krähen hören will, muss abends mit den Hühnern ins Bett.» Dies gilt wörtlich für die Arbeitsgruppe, die beim Geflügelproduktionsbetrieb Frifag in Märwil in der Schlachtanlage arbeitet. Ihre Schicht beginnt morgens um halb zwei, nachdem die Tiere in der Nacht laufend angeliefert werden. Bereits um 6 Uhr, nachdem sie im hochmodernen Verarbeitungsbetrieb schonend geschlachtet und verarbeitet wurden, sind die Poulets und Truten fertig zur Verpackung und Auslieferung. So kräht auch kein Hahn mehr, wenn für die nächsten Produktionsgruppen der Arbeitstag beginnt.

Regionalen Produkten den Vorzug geben
Hochwertiges Schweizer Geflügelfleisch produzieren, ist das Leitmotiv des Traditionsunternehmen mit Hauptsitz im thurgauischen Märwil. Gegründet im Jahr 1987 entwickelte sich die Frifag zu einem dynamischen Unternehmen mit 300 Mitarbeitenden an drei Standorten. Führend im Bereich Pouletfleisch und schweizweit einziger Produzent von Trutenfleisch, beliefert es Metzgereien, Fachgeschäfte, Detailhandel und Gastronomie. Je nach Saison findet der Konsument Spezialitäten wie Grillpoulets, Pouletbrüstli, Ailerons, Spiessli oder Trutenschnitzel. Das ganze Sortiment wird unter dem Label «Suisse Garantie» verkauft, ein Teil davon auch im Programm «Aus der Region. Für die Region».

Nachhaltigkeit und bewusstes Konsumverhalten
Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Gewohnheiten der Bevölkerung. Waren einst «Bio», «Fair Trade», «Nachhaltigkeit» oder «tiergerecht» noch Begriffe der leicht belächelten Grün-Alternativ-Szene, ist bewusstes Kauf- und Konsumentenverhalten längst salonfähig geworden. Schockierende Bilder aus Mastbetrieben, wo sich die Tiere kaum bewegen können und sich gegenseitig zertrampeln, können aus Fleischliebhabern Vegetarier machen oder im Idealfall zum Nachdenken anregen. Beste Qualität, Fleisch aus tiergerechter Haltung und nachhaltiger Produktion dürfte ein durchschlagendes Argument sein, warum Herr und Frau Schweizer bereit sind, etwas mehr Geld dafür auszugeben. Diesem Trend folgend, ist die Frifag seit Jahren erfolgreich unterwegs. Einzigartig in der Schweiz ist das Konzept, sämtliche Schritte in der Wertschöpfungskette aus einer Hand; vom Futter über die Tierhaltung, zur Produktion und Fleischverarbeitung bis hin zur Auslieferung an die Kunden. «Das Futter ist matchentscheidend », sagt Andi Schmal, Geschäftsleiter und Leiter für Marketing und Verkauf. Der gelernte Metzger hat das Metier von der Pike auf gelernt und ist überzeugt, dass nur gut gehaltene Tiere gutes Fleisch liefern. So unterstehen die 135 Bauernhöfe, die den Produktionsbetrieb mit Masttieren beliefern, strengen Richtlinien bei Tierhaltung und Aufzucht. Nicht einfach nur als ein Stück Fleisch, sondern mit nötigem Respekt sieht der Geschäftsleiter das Tier, welches dem Menschen ein Nahrungsmittel liefert. «Ich bin immer schon mit Herzblut Metzger. Wir sollten der Esskultur wieder mehr Achtung schenken. Dazu gehört auch bewusst und mit den Sinnen einzukaufen. »

Poulets, soweit das Auge reicht
Früh aufstehen muss, wer als Besucher im Produktionsbetrieb einen Augenschein nehmen will. Dort wird zwar rund um die Uhr gearbeitet, doch die eigentliche Fleischverarbeitung geschieht morgens. Der Betrieb untersteht strengen Verhaltens- und Hygienevorschriften. Diese gelten nicht nur für Mitarbeitende, sondern auch für Besucher. Keinen Zutritt in Zonen, wo mit unverpackten Lebensmittel gearbeitet wird, haben Personen mit Erkältungen, Fieber, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sowie Hauterkrankungen, Verbrennungen oder Wunden. Das Verbot von kurzen Hosen oder offenen Schuhen sollte sich eigentlich erübrigen, denn in den Räumen herrscht eine Temperatur von höchstens vier Grad. Bei der Eingangsschleuse, komplett eingehüllt in Schutzkleidung mit Mantel, Schuhüberzügen, Kopfbedeckung und Mundschutz, werden noch die Hände, die einzig nicht bedeckten Hautstellen, einer Reinigung und Desinfizierung unterzogen. Während des Rundgangs durch den Betrieb erfahren die verhüllten Besucher von Roman Solenthaler (Leiter Produktion), über Kopfhörer alles Wissenswerte über den Ablauf und die verschiedenen Produktionsabteilungen. «Poulets,soweit das Auge reicht!», ist der Überraschungseffekt beim Betreten der Produktionshalle. Während die Truten in einem separaten Raum von einer Arbeitsgruppe in reiner Handarbeit zerlegt werden, durchlaufen die Poulets, täglich sind es 38 000 bis 40 000 Stück, mittels einem Förderband die maschinelle Produktionskette. Wenn am Schluss noch das Schenkelpaar am Förderband maschinell getrennt wird, sind Flügeli oder Brüstli bereits verarbeitet als Geschnetzeltes, Spiessli oder gewürztes Grillfleisch und je nach Bestellung als Frischfleisch auf dem Weg in die Kühlregale der Metzgereien oder Detailhandelsmärkte. «Heute Nacht werden sicher Poulets über meinem Bett vorbei zirkulieren», sagt eine Besucherin amüsiert. Der Rundgang durch den Produktionsbetrieb hat niemanden den Genuss am Pouletfleisch verdorben, doch bestimmt dafür sensibilisiert, zukünftig mehr auf das eigene Konsumund Kaufverhalten zu achten.


Ramona Riedener













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